Schleudertraining

Eines Nachts, im tiefsten, dunklen, verschneiten Winter lief mal wieder nichts im Fernsehen und mein Mann nahm dies zum Anlass mich vom Sofa zu ziehen mit den Worten:
„Komm, Schatz! Ich mach´ jetzt mit dir ein Schleudertraining!“
Ich dachte erst, er macht Witze. Aber es war sein voller Ernst. Wir stiegen in unser kleines, tiefer gelegtes Cabrio und machten uns auf den Weg zum Supermarkt. Der Parkplatz war nicht geschlossen und dick zugeschneit. Prima Voraussetzungen. Wir waren ganz alleine und ungestört und so tauschten wir die Plätze und ich klemmte mich hinters Steuer.
„Und was jetzt?“ fragte ich unsicher.
„Losfahren“, war die Antwort. Also gurkte ich vorsichtig und zaghaft immer im Kreis über den zugeschneiten Parkplatz.
„Schneller!“ kam von rechts. Also stieg ich aufs Gas und hatte Spaß… solange bis mein Mann ohne Vorwarnung die Handbremse anzog.
Das Heck brach aus und der Wagen begann zu schleudern.
„Gegenlenken!“
Das brauchte er mir nicht erst zu sagen, ich war am Kurbeln und legte mich mächtig ins Zeug, denn immer wenn ich dachte, gleich hab ich ihn, haute mir das Heck in die andere Richtung ab. Schließlich verringerte sich die Geschwindigkeit und ich hatte den Wagen wieder unter Kontrolle, ohne irgendwo gegen gebummst zu sein. Ich war schweißnass und etwas zittrig aber stolz wie Oskar.
„Nochmal?“ wollte mein Mann wissen. Logo wollte ich nochmal. Man glaubt es kaum, aber das hat riesig Spaß gemacht. Ich kann das nur jedem empfehlen. Allerdings, wenn kein verlassender Parkplatz in der Nähe ist, würde ich mich dann doch lieber beim ADAC für ein Training anmelden.
Kaum ein halbes Jahr später hat sich der Schleuderkurs bezahlt gemacht:
Ich war bei strömendem Regen auf der Autobahn unterwegs. Ich kannte die Strecke und war zügig unterwegs. Ich wechselte die Autobahn und auf dem Zubringer unterschätzte ich die Enge der Kurve. Ich bremste ab, weil ich zu schnell war. Böser Fehler! Denn sofort merkte ich, wie mir auf der nassen Fahrbahn das Heck ausbrach. Ich nahm augenblicklich den Fuß von der Bremse und konzentrierte mich nur noch aufs Gegenlenken. Ich schaffte es sogar die Spur zu halten und würgte den Wagen schließlich ab. Zeit zum Verschnaufen blieb mir nicht, denn ich stand ja immer noch auf der Autobahn. Ich hatte außerdem riesiges Glück, dass sonst niemand in der Nähe war. Weder vor noch hinter mir. So startete ich mit klopfendem Herzen wieder den Wagen und fuhr im Schneckentempo unversehrt nach Hause.
Egal, wie lange man den Führerschein schon hat und egal, wie viel Routine man über die Jahre bekommen hat. Ab und zu kann so ein kleines Fahrtraining echt nützlich sein, wenn nicht sogar Leben retten. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an meinen Mann, der immer darauf achtet, dass ich im Notfall auch alles alleine schaffe!