Meine Hunde und die Avocados

Manchmal bin ich echt beeindruckt von meinen Wuffis und dann will ich davon erzählen:
Wir haben letzten Winter drei Monate in Andalusien verbracht. Wir alle: mein Mann, zwei Hunde, vier Katzen und ich. Wir hatten ein kleines Häuschen mitten in den Avocado- und Olivenplantagen. Beim Spazierengehen kullerten einem die reifen Früchte direkt vor die Füße. Natürlich konnte ich nicht wiederstehen und sammelte eifrig alles ein was sich mir so freigiebig darbot. Die erste Avocado wurde noch auf dem Weg gepellt und begeistert verspachtelt ; und weil das leckere Ding schon so weich war, durften mein kleines Toy-Terrier-Mädchen Piroschka und mein Pointer-Mix Pauli die Reste von meinen Fingern lecken. Die fanden das grüne Zeugs ebenfalls sehr genießbar und bestanden zu Hause auch gleich auf einen Nachschlag. Selbstverständlich wurden die restlichen Früchte gerecht unter uns dreien aufgeteilt. Da mein Mann keinen Gefallen an der „fettigen, grünen Butter“ findet, wie er sie nennt, blieb umso mehr für uns übrig.
Einige Tage später besuchten wir mit unseren Hunden unseren Nachbarn auf einen Kaffee und ließen die Racker auf dem Grundstück herumtoben, das ebenfalls üppig mit Obst-, Oliven- und Avocadobäumchen bepflanzt war. Plötzlich tauchte unser Pauli aus dem Unterholz mit einer grünen Frucht im Maul auf, klemmte sie zwischen seine Pfoten und fing an, sie zu zerpflücken. Da in dieser Gegend hauptsächlich die Sorte „Hass“ angebaut wird, musste er sich diese grüne Avocado direkt noch unreif vom Baum gepflückt haben. Er schabte mit den Zähnen so lange darauf herum, bis er den Kern freigelegt hatte, den er allerdings verschmähte. Ich war total beeindruckt, dass er die Verbindung zwischen der Frucht in meiner Hand und der am Baum ganz allein hergestellt hatte. Allerdings schmeckte ihm die steinharte Avocado nicht und so ging ich zwischen den Stämmchen auf die Suche nach einem schwarzen, bereits reifen und weichen Exemplar, wobei mich meine Hunde aufmerksam beobachteten. Ich fand tatsächlich noch ein weiteres, schwarzes, weiches Leckerschmecker, pellte es und teilte wieder brüderlich mit meinen Schlawinern.
Unser Pauli ist ein echter Genießer und so lutschte und malmte er verzückt auf der grünen Masse herum, bis nichts mehr übrig war … oder die kleine Piri und ich den Rest vertilgt hatten.
Ab dann pflückte er keine unreifen Früchte mehr vom Baum. Statt dessen pflügte er mit seiner Pointer-Nase über den Boden zwischen den Bäumen und sammelte nur noch die schwarzen, weichen, genießbaren Früchte ein, mit denen er sich wohlweislich irgendwo versteckte, um ja nichts abgeben zu müssen. Die kleine Piri tat es ihm gleich. Jeden Morgen, wenn ich die Haustür öffnete, um die Hunde und Katzen zum Pipi-machen raus zu lassen, stoben die beiden Racker davon und tauchten in der benachbarten Plantage unter, um sich ihr Frühstück vom Boden zu sammeln. In der nächsten Zeit hatten beide einen sehr geschmeidigen Stuhlgang … doch dies sei nur beiläufig am Rande erwähnt…
Wieder zurück erzählte ich stolz wie Oskar einer Bekannten von unserem Andalusien-Abenteuer und von meinen lernwilligen und hochbegabten Hunden und wie wir uns jeden Tag an Avocados fett gefuttert hatten. Leider reagierte sie auf die Tatsache, dass ich meinen Hunden Avocados zu fressen gegeben hatte, sehr ungnädig und versetzte mir direkt einen Dämpfer, indem sie mich darüber belehrte, dass Avocados für Hunde giftig seien und dass sie diese auf gar keinen Fall fressen dürften. Leicht geschockt lauschte ich mit einem Ohr ihren Ausführungen wobei sie mir auch gleich den Namen des bösen, für Hunde giftigen Inhaltstoffes einer Avocado mitteilte, den ich aber sofort wieder vergaß, weil ich bereits gedanklich damit beschäftigt war, den kompletten Andalusien-Aufenthalt und das Verhalten meiner Hunde sowie deren Reaktionen Revue passieren zu lassen.
Ein Teil von mir glaubt immer sofort alles, was mir die Leute erzählen, während ein anderer, älterer, weiserer Teil, der sich immer erst in den ruhigen Abendstunden zu Wort meldet, darauf besteht, Neuigkeiten erst einmal ausführlich zu recherchieren und auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, bevor man dem Langzeitgedächtnis erlaubt, die neue Information als unumstößliche Tatsache abzuspeichern.
Außerdem plagte mich ein bißchen die Sorge, dass ich unwissentlich meine Hunde vergiftet haben könnte, wobei eine andere Stimme dagegenhielt, dass kein Hund so blöd ist, absichtlich schädliche Sachen zu fressen. … außer vielleicht total gierige, verfressene, Leckerli-süchtige Futterneider eventuell. Und dazu zähle ich meine beiden Schnuckis mal so überhaupt nicht. Die lassen sogar die Katzen aus ihrem Napf fressen und gucken dabei geduldig zu.
Das Netzt hält zum Thema :“Avocado- giftig für Hunde oder nicht“ widersprüchliche Informationen bereit. Einig ist man sich nur darin, dass die Avocado einen Stoff namens PERSIN enthält, der für Menschen ungefährlich, für viele Tiere, darunter auch Katzen und Hunde giftig sein soll. Allerdings behaupten einige „Experten“, dass das Gift sich in der ganzen Frucht befindet, während wieder andere meinen, es komme nur im Kern und in der Schale der Frucht sowie in der Rinde des Baumes vor, welches Dinge sind, die von Hunden eher selten verspeist werden und geben diesbezüglich Entwarnung.
Weitere Recherchen in diversen Foren haben ergeben, dass auch andere Hundebesitzer schon beobachtet haben, wie ihre Lieblinge sich an der verbotenen Frucht gütlich taten und keine Vergiftungserscheinungen an ihnen feststellen konnten, was wiederrum zu einer Diskussion führte, in der es darum ging, dass es ja verschiedene Sorten von Avocados gibt und dass vielleicht einige weniger oder gar nicht giftig sein könnten.
Ich jedenfalls kann nur berichten, dass meine Hunde total auf Avocados (Sorte Hass – das sind die schwarzen) stehen, nie die Schale oder den Kern verspeist oder verschluckt haben und dass es ihnen nach dem Verzehr kein bißchen schlecht ging. Ganz im Gegenteil: ich meine Beobachtet zu haben, dass ihr Fell glänzender wurde und sie gesund und agil die Gegend unsicher gemacht haben.
Damit will ich jetzt niemanden ermutigen seinen Tieren Avocados zu verfüttern. Aber ich hoffe, dass ich der allgemeinen Panikmache im Netz ein wenig entgegenwirken kann. Denn auch zu diesem Thema gilt es, sich erst mal selber schlau zu machen und seinen Hund genau zu beobachten, wie er auf die Avocado reagiert, die er sich genehmigt hat. Jedes Tier reagiert anders und außerdem kommt es auch immer auf die Menge an. Zu viel von etwas ist immer ungesund. Auch an dem gesündesten Essen kann man sich den Magen verrenken.
Denn es ist so wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte: „Alles mit “zu“ ist schlecht.“

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