Mein erstes Auto

Was war ich stolz, als ich meinen Führerschein in der Tasche hatte. Sogar mit Null Fehlerpunkten! Dazu bekam ich dann gleich von meinen Eltern das erste Auto spendiert. Einen uralten SEAT. Er war knallrot, hatte fünf Türen, 85 PS und startete nur mit Choke. Er hatte weder ABS, noch Airbags oder eine Servolenkung. Aber das war egal. Es war mein Auto und ich hätte dieses erwachsene Gefühl, wenn man plötzlich in ein Auto auf der Fahrerseite einsteigt um nichts in der Welt eintauschen wollen.
So fuhr ich dann mit meinem kleinen, tückischen Spanier jeden Tag zur Schule. Wurde man vorher auf dem Schulhof kaum beachtet, fiel es nun doch auf, dass die blasse Blondine plötzlich mit dem Auto zur Schule kam. Entsprechend groß war der Druck beim Einparken. Man kennt ja die ganzen Sprüche: „Frau am Steuer – Ungeheuer“, oder „Holt die Kinder von der Straße! Schon wieder ´ne Frau mit Führerschein!“ oder „Jetzt muss die Stadt überall Gummibäume pflanzen.“ Dazu kam noch mein blondes Haar und so wurde bald ein Sport daraus, sämtliche Blondinenwitze mit Fahranfängerwitzen zu kombinieren.
Das war über die Massen ärgerlich. Ich wollte auf keinen Fall zu einem Klischee werden. Aber was sollte ich machen?! Ich hatte auf Golf gelernt und war super im Einparken. Ich konnte sogar ziemlich lässig nur mit einer Hand am Lenkrad kurbeln und schwup-wupp, war ich drin in der Parklücke. Natürlich mit beiden Reifen parallel zum Bordstein. Null Problemo! Aber mit dem alten Spanier war nix mehr mit schwupp-wupp und lässig am Lenkrad gedreht. Wie gesagt, das Teil hatte keine Servolenkung und wog knapp eine Tonne. Da war´s aus mit der Lässigkeit. Mir standen jedes Mal beim Einparken die Schweißperlen auf der Stirn. Erstens von der Anstrengung, den schweren Wagen in die richtige Position zu kurbeln und zweitens, weil ich durch die geschlossenen Fenster die komplette Oberstufe lachen hören konnte! Das ging mir dermaßen gegen den Strich, dass ich mir eines Tages den Typen mit der dreckigsten Lache geschnappt habe und ihn einlud, den Wagen für mich zu parken, da er ja ein „Mann“ wäre und somit laut Hörensagen der bessere Fahrer. Da seine Kumpels zusahen, konnte er nicht kneifen und stieg mit breitem Grinsen in mein Auto. Dann war es endlich an mir zu lachen, denn er schaffte es nicht mal den Wagen zu starten, da er keinen Schimmer hatte, was ein Choke ist. Er hielt das Ding für den Zigarettenanzünder…