Die Qual der Wahl

Wenn es ums Wählen geht, steh ich immer auf dem Schlauch. Ich weiß nie, für welche Partei ich mich entscheiden soll. In meinen Augen sind deren Vertreter alles Schlips und Kostümchen tragende Laberbacken. Kaum an der Macht, vergessen alle ihre Versprechungen und bauen auch nicht weniger Mist als die Vorgänger, die man gerade zu ihren Gunsten abgewählt hat und ich bin es dann auch noch Schuld, weil ich mein Kreuzchen mal wieder an der falschen Stelle gemacht habe. Umso neugieriger bin ich, wenn neue Parteien gegründet werden. Vielleicht hatte da ja auch jemand die Schnauze voll und will es besser machen, vielleicht zur Abwechslung mal in meinem Sinne? Von negativer Publicity lass ich mich erst mal nicht abschrecken. Ist doch klar, dass die anderen nicht scharf auf noch mehr Konkurrenz sind, gegen die sie anstinken und anlügen müssen. Also her mit dem Parteiprogramm, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat.
Nun ist in diesem speziellen Fall „her mit dem Parteiprogramm“ wohl leichter gesagt, als getan, denn da ist doch tatsächlich eine Partei an den Start gegangen, ohne ein solches vorweisen zu können. Das ruft dann doch schon das erste Stirnrunzeln hervor. Aber, najaaaa …. Die sind noch neu und vielleicht haben sie in der ganzen Aufregung und Euphorie einfach vergessen ihre Absichten zu Papier zu bringen. Ist doch löblich so viel Enthusiasmus…
Irgendwann gab es dann doch mal was zu lesen. Allerdings spricht man von einem „durchgesickerten“ Parteiprogramm, was die Stirnrunzeln wieder vertiefte. Aber egal, jetzt lasst gefälligst mal die Hosen runter, wie alle anderen auch, damit man endlich weiß, wie ihr so tickt.
Als ich mir die wenigen von der ARD herausgepickten Punkte zu Gemüte führte, fiel mir wieder ein, warum ich Politik so ätzend finde. Da gab es unter anderem Sachen zu lesen wie:
„Kohlendioxid ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens“
„Je mehr es davon gibt, umso kräftiger fällt das Pflanzenwachstum aus.“ Eine Senkung der CO2-Emissionen schwäche dagegen den Wirtschaftsstandort.
Außerdem will die von mir an dieser Stelle nicht genannte Partei das Erneuerbare Energien-Gesetz abschaffen!
Der Ausstieg aus der Atomkraft sei „sachlich nicht begründet“ und „wirtschaftlich schädlich“. (Quelle: tagesschau.de)
Da klappt einem doch die Kinnlade runter! Klingt wie aus einem Mittelstufen-Aufsatz abgeschrieben!
Das geht ja mal gar nicht. Die Atomenergie ist die schlimmste Entdeckung, die die Menschheit je gemacht hat und sie ist immer noch nicht in der Lage, das Monster zu kontrollieren, das sie erschaffen hat. Bei jeder Gelegenheit, in der sich das Ungeheuer entfesselt, steht der Mensch hilflos daneben und guckt zu, wie alles verstrahlt und verseucht wird. Und dann haben diverse Menschen auch noch die Frechheit zu behaupten, Kernenergie wäre sauber!!!
Ja, bei Kohlekraftwerken sieht man den Dreck, der aus den Schornsteinen quillt, aber was ist mit den abgebrannten Brennstäben, die nach Gebrauch immer noch lustig vor sich hin strahlen und eine Halbwertszeit von ich-weiß-nicht-wie-viel tausend Jahren haben? Die werden hübsch verpackt, verbuddelt und versteckt. Wenn man den Dreck nicht sieht, ist er auch nicht da, oder wie? Der schleichende Tod ist unsichtbar und geruchlos. Er verändert unsere DNS und macht keinesfalls vor Ländergrenzen halt. Selbst wenn Deutschland irgendwann alle Meiler abgeschaltet hat, nebenan in Frankreich werden fröhlich Uralt-Werke wieder ans Netz genommen. Haarrisse in der Abschirmung? Wen juckt´s! Sieht doch keiner! Hauptsache der Rubel rollt. Und wenn uns dann beim nächsten Erdbeben an der deutsch-französischen Grenze das nächste Fukushima ereilt, können wir ja die Japaner fragen, wie die mit dem Problem klar gekommen sind.
Moment mal, ach ja! Gar nicht. Das verdammte Ding ist immer noch undicht und niemand scheint sich mehr dafür zu interessieren. Das verseuchte Meerwasser wird aber irgendwann auch bei uns ankommen und wird über Wind und Regen über den ganzen Erdball verteilt. Vielleicht werden die Verantwortlichen ja mal wach, wenn das Gemüse zurückbeißt und die Vegetarier frißt… doch ich schweife ab.
Für mein zu Beginn angesprochenes Problem habe ich immer noch keine Lösung. Wem geb ich als nächstes meine Stimme? Es ist nicht besonders hilfreich, wenn man weiß, wem man sie nicht, auf gar meinen Fall und unter gar keinen Umständen geben will. Aber irgendwo muss man doch sein Kreuzchen machen!! Ich für meinen Teil bin jedenfalls ratlos.
Wählen wir alle am Ende nur das kleinere Übel?

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