Der Minirock

Wenn man es genau nimmt, existiert der Minirock bereits seit der Antike. Allerding wurde er damals nicht von Frauen getragen, sondern von Männern. Es war der Männerrock, der im alten Ägypten und Griechenland weit verbreitet war. Die Jungs trugen ihn als Lendenschurz zum Beispiel beim Sport. Die praktische Bekleidung wurde um die Hüften gebunden um schlicht und einfach die primären Geschlechtsmerkmale zu verhüllen und sich trotzdem frei bewegen zu können. Die Krieger vom Stamme der Massai in Ost-Afrika tragen bis heute einen weithin sichtbaren, roten Minirock, der zu ihrer traditionellen Stammestracht gehört.

Den Sprung in die Neuzeit schaffte der Minirock in Form eines Bühnenkostüms erstmals getragen von Nora Weindl, die in der deutschen Operette „Der Zarewitsch“ von Lehár im Jahre 1932 dazu wadenhohe, hochhackige Lederstiefel trug. In der Zeit danach wurde der Minirock immer wieder gerne von Schauspielerinnen und Tänzerinnen auf der Bühne oder in Revuefilmen getragen aber niemals in der Öffentlichkeit!

Den Einzug auf die Laufstege und schließlich auch in alle Warenhäuser der westlichen Welt ermöglichte dem aufreizenden Stückchen Textil die britische Modedesignerin Mary Quant als eine Reaktion auf eine Aussage der Mode-Ikone Coco Chanel. Diese meinte, das Knie sei das häßlichste Körperteil einer Frau. Darüber ärgerte sich Mary Quant so dermaßen, daß sie kurzerhand alle Röcke ihrer damaligen Kollektion von 1962 über dem Knie abschnitt.
Die Geburtsstunde des modernen Minirocks, den bis heute in allen erdenklichen Formen, Farben und Längen getragen wird.
Sogar die Vogue bildete ihn ab. Nur drei Jahre danach avancierte das skandalöse Röckchen zum weltweiten Verkaufsschlager. Der französische Modedesigner André Courrèges half bei der Etablierung des Minirocks, indem er ihn auch in die Pariser Modewelt einführte.

Die 1960er Jahre waren der perfekte Zeitpunkt für den Minirock um neu erfunden zu werden, da die damalige Jugend sowie so gerade dabei war sich gegen Eltern, Lehrer und alt ehrwürdige gesellschaftliche Konventionen aufzulehnen und an jeder Ecke zu protestieren und zu provozieren, war der Mini das perfekte Outfit um den gemeinen Spießbürger auf die Palme zu treiben.
Was für die einen als ein Ausdruck von allgemeiner Respektlosigkeit galt, war für die anderen ein Zeichen eines neuen Selbstverständnisses und vor allem eine Befreiung von alten, auferlegten Zwängen. Immer mehr junge Frauen feierten ihr neues Selbstbewusstsein und ihre Freiheit eigenständig zu sein und trugen mit Stolz den Minirock sogar im Winter… allerdings mit dicken Strümpfen.

Sogar das britische Königshaus hatte dem Trent bald nichts mehr entgegen zu setzen und akzeptierte offiziell eine Länge des Rocks von penibel und exakt nachgemessenen sieben Zentimetern über dem Knie.
1966 wurde Mary Quant sogar für ihre mutige Kreation mit dem „Order oft he British Empire“ ausgezeichnet. Zur Verleihung des Ordens im Buckingham Palace erschien sie dem Anlass nach entsprechend gekleidet: natürlich im Minirock.

Text:  Nadja von der Hocht
Foto: von Ed Uthman from Houston, TX, USA (Rhodes 1970s D05.jpg) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

[affilinet_performance_ad size=728×90]