Der Wasserkocher

Ich habe zur Zeit einen, was das leibliche Wohl angeht, ziemlich unkomfortablen Arbeitsplatz. Essen und Getränke muß man sich frühzeitig noch vor Arbeitsbeginn besorgen, da ich in meiner Schicht immer alleine bin, den Laden nicht verlassen darf und somit niemanden bitten kann, mir schnell einen Kaffee zu holen. Jetzt brauche ich aber spätestens gegen 15:00 Uhr meinen Wachmacher-Kaffee, um mich über meinen All-Nachmittäglichen Hänger herüber zu retten. Außerdem gestaltet sich so ein Arbeitstag viel angenehmer, wenn man sich ab und zu was Warmes über den Gaumen laufen lassen kann.

Also habe ich mir einen kleinen Wasserkocher besorgt, den ich in unser kleines Lager gestellt habe, in das ich mich zurückziehe, wenn ich mal schnell zwischen zwei Kunden in mein Brötchen beißen will. Danach habe ich mich auf die Suche nach Instant-Getränken und Snacks gemacht, die man mit Hilfe von heißem Wasser zubereiten kann. Jetzt stehen neben meinem kleinen Wasserkocher hübsch ordentlich aufgereiht eine Dose Cappuccino-Pulver und für jeden Tag der Arbeitswoche je eine 5-Minuten-Terrine. Was will man mehr? Für meine einsamen Schichten bin ich nun kulinarisch bestens gerüstet.
… Natürlich darf die neue Kollegin, die die zweite Schicht übernimmt, den Wasserkocher gerne mitbenutzen. Ich kam jedoch noch nicht dazu, ihr das mitzuteilen. Nach meinem freien Tag entdeckte ich allerdings, daß sie sich ebenfalls mit Kaffeepulver eingedeckt hatte. Nun gut, vielleicht dachte sie, der Chef hätte uns netterweise den Wasserkocher zur Verfügung gestellt. Über den Irrtum wollte ich sie gleich mal aufklären, wenn wir uns beim nächsten Schichtwechsel begegnen würden. Doch dazu kam es erst mal nicht. Ich wurde gebeten, für zwei Tage in der Woche eine andere Filiale zu übernehmen und damit fing mein Dilemma an:
Ich hatte mir den Wasserkocher besorgt, um mir den Arbeitstag angenehmer zu gestalten. Normalerweise hätte ich ihn jetzt mitgenommen, um ihn in der anderen Filiale zu benutzen. Jetzt hatte sie den Wasserkocher aber schon gesehen, ihn bestimmt auch schon benutzt und fälschlicherweise angenommen, daß der immer da steht.
Für was für ein Riesenarschloch wird die Neue mich halten, wenn ich das Ding jetzt einfach wieder weg nehme? Vor allem, wenn man sich schon auf seinen Cappuccino gefreut hat, nur um zu entdecken, daß der Wasserkocher plötzlich weg ist? Ich kann das total nachvollziehen.
Die andere Filiale ist links und rechts gesäumt mit Hotels, Sandwichbuden und Cafés. Ich könnte verbotenerweise mal schnell rüber huschen, 1,50 € bezahlen und mir von den netten Nachbarn ein Tässchen Kaffee bringen lassen. Dann verzichte ich halt für zwei Tage auf meinen warmen Mittagssnack.
Andererseits … es ist mein Wasserkocher und ich kann damit machen, was ich will und wenn ich ihn von einer Filiale in die andere schleppen will, um ihn zu benutzen, dann darf ich das! … Aber dann sitzt die arme Kollegin bei dem naß-kalten Wetter, daß wir zur Zeit haben ganz alleine, ohne die Möglichkeit auf ein Schälchen Heißes in der trostlosen Filiale und darbt vor sich hin. Kann ich das verantworten?
Ich glaube, das ist nicht die Frage. Die Frage ist: Warum kann ich mich nicht einmal gepflegt um mich selber kümmern, ohne mir ständig ´nen Kopp um andere Leute und deren Belange zu machen?!?
Alle anderen sehen zu, daß es ihnen selber gut geht, auch ohne daß man sie für Egoisten hält; nur „Frau von Kontrollzwang“ muß wieder der ganzen Welt dienlich sein und dabei selbst immer zurückstecken! Es heißt zwar: „Gib, so wird dir gegeben“, aber bei mir ist noch nie ein Scheck angekommen …

Medizinische Versorgung in Spanien

Jetzt lebe ich schon eine Weile in Spanien, gehe brav zur Arbeit und genieße die Sonne und darum, was hier in Spanien zu tun ist, wenn man mal einen Arzt braucht, hab´ ich mich nie gekümmert. Ich geh´ ja nie zum Arzt und Unfälle passieren mir doch nicht! … Bis auf gestern. Da hab´ ich mir im Eifer des Gefechts beim Fenster putzen mit der rostigen Klinge des Glasschabers mit Schmackes in den Daumen gesäbelt.
„Halb so wild“, war für den Bruchteil einer Sekunde mein erster Gedanke. Das Blut spritzte ja nicht … aber es quoll unaufhörlich aus dem Schnitt, der sich über die ganze Innenseite meines linken Daumens lang zog und die Tatsache, daß kein Pflaster halten wollte, weil immer mehr Blut nachströmte und ich die Blutung einfach nicht gestoppt bekam, hat mich dann doch etwas nachdenklich gemacht. Eine halbe, abgewickelte, durchgeblutete Küchenrolle später, fing ich tatsächlich mal an, zu überlegen, ob es nicht besser wäre, den Schnitt einem Arzt zu zeigen. Vielleicht muß was genäht werden und außerdem war die Klinge schon ziemlich rostig. Ich muß bestimmt eine Tetanusspritze kriegen. An meine letzten Impfungen kann ich mich kaum erinnern. Mein TÜV war sicher auch schon längst abgelaufen.
Meine Suche nach dem erst besten roten Kreuz am Straßenrand führte mich in eine kleine Privatklinik, in der ich prompt abgewiesen wurde. Aber die nette, junge Dame am Empfang erklärte mir, daß es in jedem größeren Wohnort ein Ärztezentrum gäbe, die für mich zuständig wären. Aha! Naja, trotzdem Danke. Das wäre zum Beispiel so einer der Gründe, warum ich Ärzte meide, so oft es geht. Egal, ob du dich blutüberströmt, mit geplatzter Fruchtblase oder bewußtlos bei der Empfangsdame eines Krankenhauses, einer Arztpraxis oder sonst wie gearteten Klinik vorstellst, zuerst mußt du mal finanziell die Hosen runter- und dich beurteilen lassen. Bist du Melkkuh erster, zweiter oder dritter Klasse? Privat, gesetzlich oder womöglich gar nicht versichert?
„Das tut mir leid, mit ihrem Schädelbasisbruch, aber wir nehmen nur Privatpatienten!“ Das scheint echt überall so zu sein. Doch nun gut, macht ja nichts. Ich bin es gewohnt, meine Rechnungen selbst zu zahlen. Und eine Privatklinik wäre mir eh zu teuer gewesen. Also suchte und fand ich das Medizinische Zentrum in meinem Wohnort, daß übrigens 24 Stunden geöffnet hat. Doch auch hier fragte mich der nette Herr im weißen Kittel hinter der Theke zuerst nach meiner grünen Karte. Da musste ich ihn leider enttäuschen. Ich habe zwar Arbeit, bin ordnungsgemäß angemeldet, im Besitz einer Sozialversicherungsnummer und somit auch irgendwie versichert, aber eine grüne Karte hab ich trotzdem nie bekommen.
So schnell gab der Herr aber nicht auf. Die Befragung ging weiter: ob ich denn eine NIE hätte. Na, logisch hatte ich die! Ich lebe und arbeite schließlich hier und ohne NIE geht nichts. Sein Gesicht erhellte sich etwas und ich fahndete in den unergründlichen Tiefen meiner nicht sehr damenhaften Handtasche, die eigentlich mehr ein Beutel ist, nach einem Papier, auf dem meine NIE zu finden war. Genau für solche Fälle sollte man den Wisch immer mit dabei haben. Was mir zwischen meiner Zettelwirtschaft als erstes in die Hände fiel, war mein Arbeitsvertrag, den ich auch immer mit mir herum schleppe. Das war natürlich noch viel besser. Auf dem stand nun wirklich alles drauf: NIE, Sozialversicherungsnummer, Name und Adresse. Der weiß-bekittelte Herr wurde mit jeder Information, die er abschreiben und in seinen Computer hacken durfte entspannter. Zu guter Letzt erklärte er mir sogar noch, wie ich denn endlich zu meiner grünen Versicherungskarte kommen würde, die dann 5 Jahre gültig wäre und die hier in Spanien nicht automatisch zugeschickt wird, sondern um die man sich selber kümmern muß: Man braucht ein Passbild, die NIE und die Anmeldung vom Einwohnermeldeamt, die bestätigt, daß du da wohnst, wo du wohnst. Dann geht man damit in das Medizinische Zentrum, seines Wohnortes und bekommt endlich seine grüne Karte, die man beim nächsten Zipperlein dann mit stolz geschwellter Brust vorzeigen darf, damit der Amtsschimmel sein Leckerchen bekommt.
Endlich war der Computer mit allem Nötigen gefüttert und jetzt war es an der Zeit, sich um meinen Daumen zu kümmern. Der bemühte Herr hinter der Theke war nämlich zu später Stunde Empfangsdame, Krankenschwester und Arzt in einer Person. Er führte mich in einen Behandlungsraum und befreite meinen Daumen vom notdürftig herum getüddelten Druckverband. Das Pflaster darunter pulte ich lieber selber ab. Ich erwartete eigentlich einen erneut einsetzenden Blutstrom, doch die Wunde blieb trocken. Wunderbar! Das war mal wieder so klar! Zu Hause bin ich fast verblutet und kaum sitzt man beim Arzt, wird man vom eigenen Körper verhöhnt. „Ätsch-Bätsch! War ja gar nicht so schlimm!“ Der Arzt säuberte die Wunde sehr gründlich und zog dann die Schnittkanten vorsichtig auseinander. Nicht mal jetzt blutete es mehr! Trotzdem erschien mir der Schnitt recht tief und lang. Aber der Onkel Doktor meinte:
„Ist nicht so schlimm.“
Auf meine Frage, ob es vielleicht genäht werden müsse, sagte er nur:
„Nein, wie schade … nichts zu tun für mich“ und grinste.
Einerseits erleichtert und andererseits peinlich berührt, weil ich mir wie ein Simulant vorkam, versuchte ich abzulenken und lobte seine Kreativität beim Verbandzeug zuschneiden. Nach der Säuberung kam noch etwas Jod auf den Schnitt, dann wurde er mit schmalen Klebestreifen zugeklebt und mit einem ordentlich zugeschnittenem Pflaster wurde der Daumen umwickelt, damit kein Schmutz drankommt. Ich bekam noch weitere Pflaster mit, weil ich den Verband täglich wechseln sollte und nach drei Tagen könne ich auch die Klebestreifen wieder entfernen. Als abschließende Krönung verpasste er mir tatsächlich noch eine Tetanusspritze, nachdem er gehört hatte, daß die Klinge, mit der ich mich verletzt hatte, nicht sauber und rostig gewesen war. Frisch geimpft und verpflastert war ich nun sehr gespannt, was mich der ganze Spaß kosten würde. Aber, oh freudige Überraschung, man wollte mein Geld nicht. Es sei alles erledigt, da man ja anhand der Daten auf meinem Arbeitsvertrag feststellen könne, daß ich angemeldet und versichert bin und die grüne Karte, könne ich mir nach Vorlegung der schon erwähnten Dokumente dann ja noch später besorgen. Ich bedankte mich überschwänglich und freute mich über diesen ungewohnt unkomplizierten Arztbesuch. Trotzdem geh´ ich gleich morgen mal los und besorge mir in der Apotheke professionelles Verbandszeug und ´ne Pulle Jod. Dann kümmere ich mich demnächst doch lieber wieder selbst um meine Kratzer, die sowieso immer dann aufhören zu bluten und so tun, als wären sie harmlos, wenn ein Arzt drauf guckt!

Schnelle Hilfe bei Menstruationsschmerzen

Viele Frauen kommen selten schmerzfrei durch ihre „Tage“. Unterleib und Rücken schmerzen mitunter so sehr, daß frau kaum noch aufrecht stehen, geschweige denn irgendeiner Arbeit nachgehen kann.
In ihrer Not greifen viele dann zu Schmerztabletten. Aber der Körper gewöhnt sich irgendwann an den Wirkstoff, was zur Folge hat, daß man immer mehr und immer stärkere Tabletten schlucken muß, bis der Schmerz endlich nachlässt. Der erhöhte Tablettenkonsum schädigt irgendwann auch Leber und Nieren.
Um zu verhindern auch noch Pillen gegen die Nebenwirkungen der Tabletten einnehmen zu müssen, lässt man, bzw. frau die Schmerztabletten am besten ganz weg und versucht mal einen schonenderen Weg um gegen die Regelschmerzen anzukämpfen:
Ein guter Liter leicht gekühlter Yoghurtdrink wirkt Wunder. Bei den ersten Anzeichen der Beschwerden sofort zur „Flasche“ greifen und innerhalb der nächsten halben Stunde leer trinken. Dabei geht man weiter entspannt seinem Tagewerk nach.
Magnesium-Brausetabletten helfen ebenfalls:
Einfach 2 Tabletten in 1,5 bis 2 Liter stillem Wasser auflösen und die Flasche über den Tag verteilt leer trinken. Nebenbei tut man seinem Teint noch was Gutes, bedingt durch die erhöhte Zunahme von Extra-Flüssigkeit. Frau sollte ohnehin verstärkt darauf achten, jeden Tag ihre 2 bis 3 liter Wasser zu sich zu nehmen. Figur, Fitness und Hautbild verbessern sich zusehends.

Von der Depression über Versicherungen zum Streben nach Glück

Wenn man den Zahlen auf den unzähligen Seiten im Internet Glauben schenken kann, dann scheint die Depression die neue schleichende Volkskrankheit zu sein. Niemand spricht darüber, aber jeder zweite scheint leicht bis mittelschwer von ihr befallen zu sein. Es gibt sogar Schnelltests, mit denen man rausfinden kann, ob man selbst betroffen ist.

Wenn man Aussagen wie: „Ich grüble sehr viel“, „Ich habe Probleme Entscheidungen zu treffen“ oder „Ich leide unter körperlichen Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen“ auf sich beziehen kann, könnte man schon depressiv sein! Man hört in den Nachrichten von Prominenten, die sich aufgrund einer Depression (oder wegen Drogen) das Leben genommen haben und fragt sich, wenn die mit all ihrem Erfolg, dem vielen Geld und dem luxuriösen Lebenswandel nicht glücklich waren und depressiv geworden sind, wie soll ich denn da zufrieden bleiben?!
Jetzt kann man wieder Statistiken zu Rate ziehen und stellt fest, dass die Depressionen erst in jüngster Zeit überhandgenommen haben und das unsere Großeltern und die Generationen davor wohl weniger Probleme mit Stimmungstiefs gehabt haben. Woran mag das liegen? Ich wage hier mal eine Theorie:

Unser Lebenswandel hat sich in den letzten hundert Jahren radikal verändert. Alles ist schneller geworden, es gibt keinen Familienverband mehr. Die Alten werden aussortiert und niemand will mehr von ihren Erfahrungen partizipieren oder noch lästiger, sie wieder in die Familie integrieren. Es gibt ja Altenheime.
Wir alle sind nur noch als Einzelkämpfer unterwegs. Selbst in so mancher Ehe läuft ein Wettstreit darüber, wer den meisten beruflichen Erfolg hat und wer das meiste Geld nach Hause bringt. Kinder werden nur noch aus Versehen geboren, weil die Eltern vergessen haben, ihre Teenager rechtzeitig aufzuklären, bevor sie sexuell aktiv wurden, oder man bekommt Kinder, weil es gerade In ist, oder die Nachbarin oder die Schwester auch eines hat. Leider stört es im Alltag und bei der beruflichen Selbstfindung und wird, kaum dass es alleine sitzen kann, in der nächstbesten Kinderkrippe oder bei einer Tagesmutter abgestellt.
Denn der Beruf, bzw. das Geldverdienen verlangt heute die ungeteilte Aufmerksamkeit! Man muss schließlich seine Miete bezahlen. Strom, Wasser, Müllentsorgung, Lebensmittel, alles kostet immer mehr Geld und bald ist eine warme Wohnung mit fließend, warmen Wasser keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern purer Luxus. Auch reicht es nicht mehr, einen Festnetzanschluß zu haben. Nein! Man muss jederzeit mobil erreichbar sein und immer das neueste „Schmierhandy“ besitzen. Alles wird schneller und hektischer. Man muss ständig der Welt posten, wo man gerade ist, was man macht, oder ißt, wen man trifft und ob einem das gefällt. Die Menschen schauen sich nicht mehr um. Egal, wo sie gehen und stehen und manchmal sogar fahren!, sie starren auf ihre kleinen beleuchteten Displays, um ja nichts zu verpassen, was in der digitalen Welt vor sich geht. Willkommen in der Matrix!
Mag sein das jetzt so mancher Leser an dieser Stelle denkt: „Wow! Jetzt ist sie aber weit abgeschweift!“ Nein, nein! Nicht ich bin vom Kurs abgekommen, sondern der allgemeine Lebenswandel. Die heutige Welt erlaubt es einem nicht mehr, mal kurz inne zu halten und zu verschnaufen. Dafür ist einfach keine Zeit. Man muss weitermachen und sich abhetzen, denn man muss alles alleine schaffen. Und da man heute die Aufgaben von mehreren Personen alle allein gewältigen muss, verwundert es nicht, dass sich viele Menschen allein gelassen oder minderwertig fühlen, denn das Pensum ist auf Dauer einfach nicht zu schaffen!

Hier ein kleiner Appell: Ihr müsst innehalten. Bleibt mal kurz stehen und schaut euch um. Das Leben ist ziemlich kurz und wenn ihr nicht ab und zu stehen bleibt und euch umschaut, dann könnt ihr es verpassen!

Ich sage nicht: „Früher war alles besser“, aber vielleicht sollten man sich doch die ein oder andere Tugend aus vergangenen Tagen wieder zu Eigen machen. Um das Leben zu stemmen, braucht man Manpower und eine gut durchdachte Arbeitsaufteilung. Leider funktioniert das alte System heute nicht mehr: der Mann besorgt das Geld und die Frau kümmert sich um Haus und Kinder. (Nein! Umgekehrt klappt das auch nicht!) Denn das Geld, das einer alleine mit einer normalen Tätigkeit verdienen kann, reicht heute schlichtweg nicht mehr, um eine Familie zu ernähren! (Es sei denn man vertickt Waffen oder Drogen) Vielleicht ist das schon der Kern der Sache. Früher waren die Menschen einfach zufriedener, weil jeder im Leben irgendwann seine Aufgabe und seinen Platz gefunden hatte. Man war Ernährer, Vater, Mutter, Großmutter, Großvater, Tante, Onkel, Hausfrau oder Hausmann und damit das Leben rund lief, trug jeder seinen Anteil dazu bei.
Heute kann man sich fünfzig Stunden die Woche den Arsch abschuften und muss trotzdem noch Schulden machen, weil es einfach nicht reicht! Die Angst vorm Versagen ist und bleibt ein ständiger Begleiter.

Alles was man will, ist zu leben. Warum wird einem die bloße Existenz heute so verdammt schwer gemacht?! Kaum erreicht man die Volljährigkeit, stehen die „grauen Herren“ vor der Tür und erklären dir, dass du jetzt mit deinem lächerlichen Lehrlingsgehalt zu allererst in eine Versicherung investieren musst! Die Angst vor dem Leben wird schon sehr früh und systematisch von Regierung, Wirtschaft, der Werbung und den Medien geschürt. Und natürlich reicht eine Versicherung nicht aus! Nein, nein, nein! Ha,ha! Was dachtet ihr denn?! Das komplette Paket muss her: Unfall, Krankheit, Berufsunfähigkeit, das Auto, und nicht zuletzt, das Leben. Alles muss für den Fall der Fälle abgesichert werden. Das kostet ein Vermögen. Nur um allein die blöden Versicherungen jeden Monat zu bedienen ist das halbe Gehalt schon mal weg und der Kühlschrank und der Tank, um überhaupt zur Arbeit zu kommen, sind immer noch leer. Man kann sich auch nicht einfach weigern, in so eine Sekte, wie eine Versicherung zu investieren, weil es ja von Gesetz wegen vorgeschrieben ist! Ade, freie Entscheidung! Dabei denkt niemand daran, dass so eine Versicherung nicht verhindert, dass du krank wirst… sie verhindert auch nicht, dass du einen Unfall hast und sie verhindert auch nicht, dass du stirbst! Was soll mit dem Geld passieren, das viele Geld, das du über Jahre eingezahlt hast, wenn du eines Tages den Löffel abgibst… vererben?! Und wenn du krank wirst, sei dir sicher, dass deine Versicherung vorher in dem schlecht verständlichen Vertrag genau festgelegt hat, für welche Krankheiten sie nicht aufkommen wird! Und dann ist da ja noch die Selbstbeteiligung!
Also wenn allein dieses Thema nicht Grund genug ist, um depressiv zu werden, dann weiß ich auch nicht.

Zu guter Letzt hilft als letzter Ausweg vielleicht doch nur eines: reden! Wenn man nicht darüber reden möchte, was einen traurig macht und man sich nicht mehr erinnern kann, wann man sich zuletzt über etwas gefreut hat, dann redet man halt über Sachen, die einen wütend machen! Vielleicht findet man ja Waffenbrüder und man kann endlich wieder gemeinsam ein Projekt bestreiten oder zusammen gegen etwas kämpfen. Und auch wenn es am Ende nur beim Reden bleibt, hilft es doch, sich endlich wieder verstanden und dazugehörig zu fühlen. Der Mensch ist kein Einzelgänger. Wir sind Rudeltiere und folgen gerne einer vorher streng ausgefochtenen Rangordnung. Und auch die Welt, in der wir leben, schaffen und gestalten wir uns selber. Der größte Fehler ist es, gegebene Umstände, welcher Art auch immer einfach hinzunehmen. Wenn man Lebensumstände, in die man nicht hineinpasst, einfach als unabänderbar hinnimmt, wird man schnell depressiv. Aber es gibt ja noch zwei andere Möglichkeiten: entweder man kämpft dagegen an und ändert endlich etwas oder man weicht der Situation aus und findet irgendwo anders ein Rudel, mit dem man zwar nicht verwandt ist, in das man von der inneren Einstellung her aber besser hinein passt. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Also alle Mann ran an den Amboss! Der Mensch hat ein Recht auf Glück, auch wenn es nicht im deutschen Grundgesetz verankert ist! Also nichts wie hin zum Bundestag, zu den Mädels und Buben mit den herunterhängenden Mundwinkeln und dieses wichtige Grundrecht gleich mal nachtragen lassen, damit wir endlich wieder lernen, nach dem Glück im Leben zu streben!!!

Leben mit Neurodermitis

Als ich ca. zwei Jahre alt war, traten bei mir diese juckenden  Hautveränderungen das erste Mal auf. Pünktlich zur Geburt meiner kleinen Schwester. Damals konnte sich niemand diese juckenden und nässenden kleinen Pusteln erklären und so riet der Kinderarzt meiner Mutter, sie solle mich mit Penaten Creme einschmieren. Natürlich brachte das keinerlei Besserung und ich trieb meine Eltern mit nächtlichen Brüllattacken zum Wahnsinn, weil es einfach nicht aufhören wollte zu jucken. Ich kratzte mich Nacht für Nacht blutig. Die Schübe kamen und gingen und niemand erkannte lange Zeit den Zusammenhang zwischen Stress und Hautveränderung.
Als ich so sieben, acht Jahre alt war, verbrachte ich ein paar Wochen bei meiner Großmutter. Sie bemerkte meine aufgekratzten und rot angeschwollenen Hände, Armbeugen, Kniekehlen und Füße und fackelte nicht lange. Sie rieb mich jeden Abend gründlich mit ihrer eigenen Creme ein, die ihr Apotheker extra für sie zusammengestellt hatte. Denn mit Allergien kannte sie sich aus. Wahrscheinlich hat sie sie mir vererbt, denn zu meiner Neurodermitis, die bis zu diesem Zeitpunkt immer noch kein Arzt diagnostiziert hatte, gesellten sich später noch allerlei andere Allergien hinzu. Von Lebensmitteln bis hin zu Farb- und Duftstoffen in Deos, Cremes, Make-up und so weiter. Als mich meine Eltern wieder abholten, war der Ausschlag an Kniekehlen und Füßen restlos verschwunden und kam auch später nie wieder. Nur Hände und Armbeugen machten weiter Ärger. Kurze Zeit später zogen wir nach Südamerika und da machte ein Arzt endlich die richtige Diagnose und verschrieb mir eine cortisonhaltige Creme, die etwas Linderung verschaffte. Aber ganz weg bekam auch diese Creme meine Beschwerden nicht, denn dass diese Krankheit was mit den Nerven zu tun hatte, war immer noch nicht ganz klar geworden. Ich war meine ganze Kindheit lang durch mehr oder weniger gestresst. Alle drei bis vier Jahre lang, mussten wir umziehen, weil mein Vater im auswärtigen Dienst tätig war und das hieß für mich, schon wieder die Neue sein in einer anderen Schule, ständig die zaghaft geknüpften Freundschaftsbande wieder abreißen und neue Leute kennen lernen. Neue Lehrer, neue Sprache, neues Land, neues zu Hause. Ich war oft an Orten an denen ich nicht sein wollte und musste damit klarkommen. Ich war ständig damit beschäftigt, meine Hände zu verstecken, weil sich die Leute ekelten. Ich beneidete Mädchen mit schönen Händen, die Nagellack und Ringe trugen. In der Pubertät kamen zu allem Überfluss auch noch die Pickel dazu und ich konnte sie kaum mit Wässerchen und Cremes bekämpfen, wie meine Altersgenossen, weil ich ja nicht jede Creme vertrug. Selbst Deos waren pures Gift für mich. Es hat jede Menge Zeit und Tränen gekostet, ein hautfreundliches Deo zu finden, das mir nicht die Achseln wegätzte. Ein Arzt machte mir Hoffnung: Er sagte, dass die Neurodermitis im Erwachsenenalter mehr und mehr verschwinden würde und ich sehnte das Ende meiner „Mutation“ herbei. Und tatsächlich verschwand dann irgendwann der hässliche Ausschlag in meinen Armbeugen. Allerdings nur, um kurze Zeit später wieder an den Handgelenken, am Hals und sogar im Gesicht wieder aufzutauchen! Als der Ausschlag zum ersten Mal in meinem Gesicht auftauchte, bekam ich fast Panik. Hände und Arme konnte man verstecken. Aber das Gesicht? Ich verfiel zusehends in Selbstmitleid und der Ausschlag wurde wieder schlimmer. Ich wachte nachts auf, weil ich mich kratzte. Ich hatte zwar jeden Abend meine Hände dick eingecremt und bandagiert aber im Schlaf riss ich sie jedes Mal wieder herunter und wachte mit nässenden und blutenden Händen auf. Irgendwann begann ich sogar Schmerzen dem rasenden Juckreitz vorzuziehen. Nur um mich nicht schon wieder blutig zu kratzen, hielt ich meine Hände unter dampfend-heißes Wasser. Das half eine Weile, war aber natürlich keine Dauerlösung.

Ich fragte mich regelmäßig: Warum ich?! Was habe ich schlimmes verbrochen, um mit dieser Hautkrankheit bestraft zu werden?! Ich wäre wahrscheinlich noch tiefer im Selbstmitleid versunken, hätte ich nicht eines Tages diese Reportage im Fernsehen gesehen. Es wurde von einem Mädchen berichtet, das an einer Erbkrankheit litt. Sie war am ganzen Körper mit Muttermalen übersät, die größer und größer wurden. Sie war einfach voll davon. Sogar im Gesicht! Sie war braun! Braun und warzig. Auf dem Rücken hatte sie einen enormen Buckel. Es war ein riesiges Melanom. Diese Dinger mussten ihr regelmäßig operativ entfernt werden, weil sie immer wieder nachwuchsen und trotzdem hatte sie ihren Humor nicht verloren! Da hat es bei mir „Klick“ gemacht. Dieses Mädchen war noch viel, viel schlimmer dran als ich. Und ich saß hier mit meinem hübschen Gesicht, das nur ab und zu ein bisschen rot und schuppig wurde und mit meinen nässenden Händen, mit denen ich aber wunderbar zeichnen, malen und schreiben konnte und beklagte mein ach so schlimmes Schicksal! Ich hatte Mitleid mit diesem Mädchen aber komischer Weise fühlte ich mich plötzlich besser. Ich haderte nicht mehr mit meinem Schicksal und schaute ein bisschen optimistischer in die Welt.

Trotzdem wurde es eines Tages plötzlich so schlimm, dass ich nicht zur Arbeit gehen konnte. Ich setzte mich bei meinem Hautarzt ins Wartezimmer und habe Unmengen an Taschentüchern verbraucht, um meine Hände trocken zu halten. Ich bekam eine Cortisonspritze. Zum ersten Mal verabreichte man mir eine größere Menge von dem Zeug und in den Tagen danach verbesserte sich mein Hautbild zusehends. Ich freute mich riesig und dachte: Das war der ganze Trick? Eine Spritze und alles ist gut? Warum hab ich all die Jahre so leiden müssen?! Aber natürlich war nicht alles gut. Der Ausschlag kam wieder. Mal mehr, mal weniger schlimm.

Dann lernte ich meinen Mann kennen. Er ekelte sich nicht vor mir. Er liebte mich vom ersten Tag an über alles und legte sich sogar zu mir ins Bett, als ich mit über zwanzig tatsächlich noch die Masern bekam! Er hat viele schlaflose Nächte wach gelegen, die er damit verbracht hat, meine Hände festzuhalten und mir beruhigend über den Rücken zu streicheln. Ich habe davon nie etwas mitbekommen. Aber ich konnte endlich durchschlafen und es ging mir von Tag zu Tag besser. Er hat mir in langen Gesprächen meine Ängste genommen und mir dabei geholfen, den Stress abzubauen. Wir haben gemeinsam herausgefunden, was ich essen darf und was nicht. Ich weiß jetzt, dass ich von rohen Äpfeln und Kartoffeln die Finger lassen muss, dass ich sie aber gekocht ohne Bedenken essen kann. Ich muss um Nüsse einen großen Bogen machen und ganz besonders um Make-up. Für manch andere Frau käme das gleich mit dem Weltuntergang. Aber mein Mann hat mir von Anfang an klar gemacht, dass er mich so liebt, wie ich bin und dass er Make-up und Parfüms so wie so nicht leiden kann und mich sehr gut riechen kann, sogar ohne Deo! Mit zunehmendem Alter habe ich gelernt, Risikolebensmittel und Kosmetika, die die Neurodermitis gerne mal wieder auslösen, zu vermeiden und vor allem viel ruhiger zu werden. Das ist das ganze Geheimnis. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich rege mich nicht mehr über alles auf und vermeide Stress. Das hatte zwar zur Folge, dass ich dem regulären Berufsleben den Rücken gekehrt habe und nicht mehr Teil der Gesellschaft da draußen bin, aber das ist mir nur recht. Manchmal kommt das altbekannte Jucken zurück und dann weiß ich, dass ich mich in letzter Zeit wieder zu viel geärgert habe und mich habe stressen lassen. Dann muss die Ursache dieser negativen Emotionen sofort eliminiert werden. Das bedeutet in der Praxis: entweder hat man seine Gefühle fest im Griff oder man entzieht sich der nervenden Situation. Es mag sein, dass ich meinen Mitmenschen manchmal etwas uninteressiert und oberflächlich erscheine. Aber das ist purer Selbstschutz. Denn wenn ich mich zu sehr in unangenehme Situationen hineinsteigere, rächt sich das sofort. Denn am nächsten Tag sind die Pusteln wieder da! Je älter ich werde, umso ruhiger werde ich. Heute erinnern nur noch die vielen kleinen Fältchen, die meine Hände älter aussehen lassen, als sie sind an meine Neurodermitis. Und nur manchmal, bei extrem starkem Pollenflug habe ich wieder mit Allergien zu kämpfen. Aber ich bin ja schon ein alter Hase auf diesem Schlachtfeld und so bringt mich so leicht nichts mehr aus dem seelischen Gleichgewicht. Denn das ist wichtig, um gesund zu werden und sich wieder wohl in seiner Haut zu fühlen. In sich selbst ruhen und mit sich selbst im Reinen sein. Irgendwann bringe ich auch das zur Perfektion. Vielleicht, wenn ich endlich einen Arzt dazu gebracht habe, mir zu bestätigen, dass mich das  ständige Eincremen und Spritzen mit Cortison unfruchtbar gemacht hat…

Schleudertraining

Eines Nachts, im tiefsten, dunklen, verschneiten Winter lief mal wieder nichts im Fernsehen und mein Mann nahm dies zum Anlass mich vom Sofa zu ziehen mit den Worten:
„Komm, Schatz! Ich mach´ jetzt mit dir ein Schleudertraining!“
Ich dachte erst, er macht Witze. Aber es war sein voller Ernst. Wir stiegen in unser kleines, tiefer gelegtes Cabrio und machten uns auf den Weg zum Supermarkt. Der Parkplatz war nicht geschlossen und dick zugeschneit. Prima Voraussetzungen. Wir waren ganz alleine und ungestört und so tauschten wir die Plätze und ich klemmte mich hinters Steuer.
„Und was jetzt?“ fragte ich unsicher.
„Losfahren“, war die Antwort. Also gurkte ich vorsichtig und zaghaft immer im Kreis über den zugeschneiten Parkplatz.
„Schneller!“ kam von rechts. Also stieg ich aufs Gas und hatte Spaß… solange bis mein Mann ohne Vorwarnung die Handbremse anzog.
Das Heck brach aus und der Wagen begann zu schleudern.
„Gegenlenken!“
Das brauchte er mir nicht erst zu sagen, ich war am Kurbeln und legte mich mächtig ins Zeug, denn immer wenn ich dachte, gleich hab ich ihn, haute mir das Heck in die andere Richtung ab. Schließlich verringerte sich die Geschwindigkeit und ich hatte den Wagen wieder unter Kontrolle, ohne irgendwo gegen gebummst zu sein. Ich war schweißnass und etwas zittrig aber stolz wie Oskar.
„Nochmal?“ wollte mein Mann wissen. Logo wollte ich nochmal. Man glaubt es kaum, aber das hat riesig Spaß gemacht. Ich kann das nur jedem empfehlen. Allerdings, wenn kein verlassender Parkplatz in der Nähe ist, würde ich mich dann doch lieber beim ADAC für ein Training anmelden.
Kaum ein halbes Jahr später hat sich der Schleuderkurs bezahlt gemacht:
Ich war bei strömendem Regen auf der Autobahn unterwegs. Ich kannte die Strecke und war zügig unterwegs. Ich wechselte die Autobahn und auf dem Zubringer unterschätzte ich die Enge der Kurve. Ich bremste ab, weil ich zu schnell war. Böser Fehler! Denn sofort merkte ich, wie mir auf der nassen Fahrbahn das Heck ausbrach. Ich nahm augenblicklich den Fuß von der Bremse und konzentrierte mich nur noch aufs Gegenlenken. Ich schaffte es sogar die Spur zu halten und würgte den Wagen schließlich ab. Zeit zum Verschnaufen blieb mir nicht, denn ich stand ja immer noch auf der Autobahn. Ich hatte außerdem riesiges Glück, dass sonst niemand in der Nähe war. Weder vor noch hinter mir. So startete ich mit klopfendem Herzen wieder den Wagen und fuhr im Schneckentempo unversehrt nach Hause.
Egal, wie lange man den Führerschein schon hat und egal, wie viel Routine man über die Jahre bekommen hat. Ab und zu kann so ein kleines Fahrtraining echt nützlich sein, wenn nicht sogar Leben retten. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an meinen Mann, der immer darauf achtet, dass ich im Notfall auch alles alleine schaffe!

Der ADAC und ich

Eines Tages wollte ich mit unserem alten 124-er Mercedes in den nächsten Ort fahren um einzukaufen. In letzter Zeit hatte der Wagen eine lästige Macke entwickelt: er ging manchmal mitten während der Fahrt aus und ließ sich nur schwer wieder starten. Er war deswegen schon ein paar Mal in der Werkstatt, aber immer wenn wir ihn vorführten, lief der Motor vorbildlich und schnurrte wie ein Kätzchen. Also schickte man uns immer wieder unverrichteter Dinge nach Hause, weil ja nichts gefunden wurde. Groß gesucht wurde allerdings auch nicht.
Also war ich an besagtem Tag allein mit dem Wagen unterwegs, um ein paar notwendige Besorgungen zu machen. Ich hoffte inständig, dass ich in keinen Stau geriet und nicht zu lange an irgendwelchen Ampeln anhalten musste. Denn immer, wenn man vom Gas ging, fing der Motor an zu stottern und verendete, wie ein krankes Hühnchen. Das machte er, wie gesagt, nicht immer, aber immer öfter.
Ich hatte es bis in den nächsten Ort geschafft und es war nicht mehr weit, bis zu meinem Ziel, als ich doch noch an einer Ampel halten musste. Ca. 10 Meter vor der Ampel musste ich hinter zwei weiteren Autos stehen bleiben. Der Wagen stand, ging aus und ließ sich nicht mehr starten. Die Ampel wurde wieder grün und ich bekam den Wagen nicht vom Fleck. Hinter mir ging schon das Gehupe los. Jetzt nur nicht nervös werden! Warnblinkanlage an und ganz ruhig versuchen, den Motor wieder zu starten. Es half nichts. Nach vier Mal Schlüssel umdrehen, gab der Wagen nicht mal mehr ein Geräusch von sich. Nach weiteren Fehlversuchen ließ sich nicht mal mehr der Schlüssel bewegen und auch der Automatikschalter klemmte. Es ging nichts mehr. Ende. Ich stand mit meinem Kombi mitten auf der Straße und blockierte die Ampel. So, was jetzt… Ich stieg aus und kramte das Warndreieck aus dem Kofferraum. Ich brachte es einige Meter hinter meinem Wagen in Position, damit die anderen Verkehrsteilnehmer früh genug mitbekamen, dass sie mich auf der Gegenfahrbahn überholen müssen, wenn sie über die Ampel kommen wollen. Klappte auch alles ganz gut. Niemand hupte mehr und der Verkehr floss mehr oder weniger zügig weiter. Allerdings braucht hier keiner zu meinen, dass auch nur irgendjemand angehalten hätte um zu helfen!
Ich stieg wieder ins Auto und wühlte in meiner Tasche nach meinem Handy. Ich hatte es tatsächlich dabei! Und es war sogar aufgeladen! (Ich stamme noch aus der Generation, die weiß, wie eine Telefonzelle ausgesehen hat und ich habe mich nie daran gewöhnt, diese lästige Strahlenschleuder namens „Handy“ ständig mit mir rumzuschleppen.) Fein! Wen rufe ich jetzt an? Mein Mann war geschäftlich außer Landes. Vielleicht meine Eltern? Ob die kommen, um mich abzuschleppen? Aber einen Automatikwagen darf man doch gar nicht abschleppen! Naja, ich kann ja wenigstens mal durch klingeln und Bescheid sagen, was mir passiert ist. Aber es war vergebens. Meine Eltern haben zwar beide ein eigenes Handy. Aber die haben sich noch viel weniger als ich daran gewöhnt die Dinger immer in Reichweite zu haben. Die Teile waren noch nicht mal an. Ich habe zwar eine Nachricht hinterlassen, aber ich bin ziemlich sicher, dass die bis heute nicht abgerufen wurde.
Da saß ich also allein in meinem toten Auto, während der Verkehr um mich herum floss und sich niemand die Mühe machte, mal nach dem Rechten zu fragen. Also schön! Wie geht’s jetzt weiter? Der Wagen muss hier weg. Wer hilft? Na klar! Der ADAC!! Wozu zahlen wir denn seit Jahren brav unseren Beitrag? Wir mussten die Gelben Engel noch nie in Anspruch nehmen. Heute war also der große Tag. Gut, dass ich das Kärtchen mit der Telefonnummer immer im meinem viel zu dicken Portemonnaie mit mir herumschleppe. Mein Mann lacht mich immer aus, weil darin mehr Visitenkärtchen als Geldscheine stecken. ( Und auf die Idee, die Nummern alle in mein Handy zu tippen, bin ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen.) Ich wählte also die Nummer des ADAC und war gespannt, was jetzt passieren würde. Es meldete sich sofort eine sehr nette Frauenstimme am anderen Ende. Ich erklärte ihr meine Situation und Position und sie versprach sofort Hilfe. Sie würde gleich einen Wagen zu meinem Standort schicken, der in ca. einer Stunde ankommen würde. So lange sollte ich zu meiner eigenen Sicherheit außerhalb des Fahrzeugs warten. Ich war wenig begeistert, weil es zu allem Überfluss auch noch zu regnen begann. Aber ich befolgte den guten Rat und wartete brav draußen auf dem Bürgersteig in meine dünne Jacke gewickelt. Das konnte ja noch lustig werden. Ich versuchte mich ein wenig vor dem Regen unter dem schmalen Dach eines Schaufensters zu schützen. Und dann passierte so etwas wie ein Wunder: Die Verkäuferin aus der Boutique, vor der ich stand, kam doch tatsächlich raus und fragte, was mir denn passiert sei und ob sie helfen könne und ob sie vielleicht jemanden für mich anrufen soll! Ich schenkte ihr mein strahlendstes Lächeln und erklärte, dass der ADAC bereits unterwegs wäre. Erleichtert wünschte sie mir noch viel Glück und verschwand wieder in ihrem Laden. Nach ziemlich genau einer Stunde kam er dann tatsächlich, der Gelbe Engel. Er parkte sein „Rettermobil“ auf dem Bürgersteig schräg hinter meinem Wagen und … blieb drin sitzen. Vielleicht war er wasserscheu? Es regnete ja immer noch. Mir war das egal, ich war ja schon durchnässt und ich war so froh, ihn zu sehen, dass ich zu seinem Wagen lief, um ihn zu begrüßen. Zögerlich öffnete sich die Fahrertür und ein ziemlich missmutiger und wie sich später herausstellte extrem überheblicher Gelber Engel stieg aus. Meine Hand, die ich ihm entgegenstreckte, übersah er geflissentlich. Er fragte auch nicht nach, wo das Problem mit dem Wagen lag. Vielleicht war er nur schüchtern? Oder er war genervt, dass er so weit von der nächsten Autobahn in die Pampa fahren musste. Was weiß ich. Ich wollte jetzt dass der Kerl mir hilft, den Wagen von der Straße zu kriegen also übersah ich seinen Mangel an guten Manieren und erklärte ihm unaufgefordert, dass der Wagen nicht mehr ansprang, dass der Schlüssel klemmte und dass sich auch der Automatikschalter nicht mehr bewegen ließ. Er ging während ich redete vor mir her, setzte sich ins Auto, ruckelte ein paar Mal am Schalthebel, drehte den Schlüssel, der sich plötzlich wie durch Zauberhand wieder bewegen ließ, im Zündschloss und startete den Wagen! Da stand ich nun mit offenem Mund und kam mir sowas von bescheuert vor!! Du blöde Mistkarre! Wieso springst du jetzt ohne Mucken an! Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich sah, wie mein Engel die Mundwinkel verzog. Spitze! Was hält der jetzt von mir? Ruft die blöde Blondine doch tatsächlich den ADAC, weil sie zu doof ist, ihren Wagen anzulassen?! Ich lächelte tapfer weiter und gab meiner Verwunderung in blumigen Worten Ausdruck und versicherte nachdrücklich, dass sich bis eben weder Zündschlüssel noch Schalthebel gerührt haben. Er sagte nur, ich solle erst mal den Wagen von der Straße in die nächste ruhige Seitengasse fahren. Also packte ich mit vor Scham hochrotem Kopf mein Warndreieck wieder ein und steuerte den Kombi über die Kreuzung in die nächste Querstraße. Ich hielt am nächsten Bürgersteig an, weil ich den Wagen auf dem kurzen Stück bereits zwei Mal neu starten musste. Mein Engel hielt ebenfalls an und fragte leicht gereizt, warum ich nicht weiterfahren würde. Ich erklärte ihm, dass der Motor immer wieder ausgehen würde und schlug vor, zu versuchen das Auto auf dem öffentlichen Parkplatz gegenüber abzustellen und zu untersuchen. Ich schaffte es auch tatsächlich ihn noch mal anzulassen und ihn auf dem Parkplatz im Schatten eines Baumes abzustellen. Ich stieg aus und öffnete vorsorglich die Motorhaube, denn ich war der irrigen Annahme erlegen, dass mein hilfsbereiter Engel jetzt in seine Trickkiste greifen würde, um dort diverse Diagnosegeräte hervorzuzaubern, mit denen er dann feststellen würde, was meinem alten Kombi denn fehlen würde. Und vielleicht hätte er sogar das passende Ersatzteil dabei, um mein heiliges Blechlein wieder fahrtüchtig zu machen… Ich hab einfach zu viel Phantasie. In der wirklichen Welt passierte nämlich folgendes: Mein schlechtgelaunter Engel warf einen kurzen, leicht angewiderten Blick auf den Motorblock und erklärte mir, was ich denn für ein altes Modell fahren würde und wie anfällig es für dieses und jenes sei und dass da wohl ein neues Auto fällig wäre. Ich traute meinen Ohren nicht! Machte der blöde Westenträger etwa gerade mein Auto schlecht!? Meinen treuen 124-er, der schon ohne Murren ganze Wohnzimmerlandschaften auf seinem Dach kilometerweit transportiert hat? Meinen Sechszylinder, der immer noch mit Leichtigkeit jeden Hausfrauenporsche auf der Bahn versägt?! Meinen geliebten Benz, das meist geklaute Auto der Welt?!!! Ich hatte ernsthafte Schwierigkeiten die Kontrolle über meine Mimik und meine Fäuste zu behalten! Was hätte ich dieser unnützen Person gerne die Milchzähne geputzt! Aber … sowas tut man ja nicht. Mein Superengel machte keinerlei Anstalten, den Motor auch nur anzufassen. Stattdessen empfahl er mir, jetzt nach Hause zu fahren. Er würde vorsichtshalber noch ein Stück hinter mir her fahren. Völlig desillusioniert stieg ich ein und startete den Motor. Ich trat ein paar Mal kräftig aufs Gas und ließ den Motor aufheulen. Dann trat ich vorsichtig den Heimweg an. Immer wenn ich das Gefühl hatte, gleich stirbt er mir wieder ab, trat ich im Leerlauf aufs Gas. Das ging auch eine Weile gut. Im Rückspiegel behielt ich immer den ADAC-Wagen im Auge. Noch war er da. Doch dann ließ er sich immer weiter zurück fallen und bei der nächsten Gelegenheit bog er ab und ward nicht mehr gesehen. Keine Zwei Minuten später ging der Motor wieder aus. Irgendwie schaffte ich es ganz allein nach Hause. Auf dem Weg starb der Wagen noch zwei Mal ab. Immer mitten während der Fahrt. Als ich endlich in die Garage fuhr machte ich drei Kreuzzeichen und hab den Wagen bis zur Rückkehr meines Mannes nicht mehr bewegt. Das war eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte und was den ADAC angeht: ich kann nur hoffen, dass ich an diesem Tag das einzige schwarze Schaf aus der Flotte erwischt habe und dass der Rest der Gelben Engel mit ein bisschen mehr Enthusiasmus an ihre Arbeit geht. Vor allem wenn das nächste Mal eine Frau mutterseelenallein auf der Straße steht und nicht weiter weiß. Ein wenig Zuspruch hätte da schon geholfen auch wenn der Wagen nicht mehr zu retten ist!

Mein erstes Auto

Was war ich stolz, als ich meinen Führerschein in der Tasche hatte. Sogar mit Null Fehlerpunkten! Dazu bekam ich dann gleich von meinen Eltern das erste Auto spendiert. Einen uralten SEAT. Er war knallrot, hatte fünf Türen, 85 PS und startete nur mit Choke. Er hatte weder ABS, noch Airbags oder eine Servolenkung. Aber das war egal. Es war mein Auto und ich hätte dieses erwachsene Gefühl, wenn man plötzlich in ein Auto auf der Fahrerseite einsteigt um nichts in der Welt eintauschen wollen.
So fuhr ich dann mit meinem kleinen, tückischen Spanier jeden Tag zur Schule. Wurde man vorher auf dem Schulhof kaum beachtet, fiel es nun doch auf, dass die blasse Blondine plötzlich mit dem Auto zur Schule kam. Entsprechend groß war der Druck beim Einparken. Man kennt ja die ganzen Sprüche: „Frau am Steuer – Ungeheuer“, oder „Holt die Kinder von der Straße! Schon wieder ´ne Frau mit Führerschein!“ oder „Jetzt muss die Stadt überall Gummibäume pflanzen.“ Dazu kam noch mein blondes Haar und so wurde bald ein Sport daraus, sämtliche Blondinenwitze mit Fahranfängerwitzen zu kombinieren.
Das war über die Massen ärgerlich. Ich wollte auf keinen Fall zu einem Klischee werden. Aber was sollte ich machen?! Ich hatte auf Golf gelernt und war super im Einparken. Ich konnte sogar ziemlich lässig nur mit einer Hand am Lenkrad kurbeln und schwup-wupp, war ich drin in der Parklücke. Natürlich mit beiden Reifen parallel zum Bordstein. Null Problemo! Aber mit dem alten Spanier war nix mehr mit schwupp-wupp und lässig am Lenkrad gedreht. Wie gesagt, das Teil hatte keine Servolenkung und wog knapp eine Tonne. Da war´s aus mit der Lässigkeit. Mir standen jedes Mal beim Einparken die Schweißperlen auf der Stirn. Erstens von der Anstrengung, den schweren Wagen in die richtige Position zu kurbeln und zweitens, weil ich durch die geschlossenen Fenster die komplette Oberstufe lachen hören konnte! Das ging mir dermaßen gegen den Strich, dass ich mir eines Tages den Typen mit der dreckigsten Lache geschnappt habe und ihn einlud, den Wagen für mich zu parken, da er ja ein „Mann“ wäre und somit laut Hörensagen der bessere Fahrer. Da seine Kumpels zusahen, konnte er nicht kneifen und stieg mit breitem Grinsen in mein Auto. Dann war es endlich an mir zu lachen, denn er schaffte es nicht mal den Wagen zu starten, da er keinen Schimmer hatte, was ein Choke ist. Er hielt das Ding für den Zigarettenanzünder…

Wieso werden immer die Anderen schwanger?

Da gibt es dieses Phänomen: Wenn man keine Kinder hat, sich aber dringend eines wünscht, fängt man irgendwann an, überall Schwangere zu sehen. Man fragt sich, wo die plötzlich alle herkommen. Ist vielleicht eine Epidemie ausgebrochen? Ist Schwangerschaft am Ende etwa ansteckend? Und wenn es so ist, wieso bin ausgerechnet ich immun?!
Dann sieht man diesen beneidenswerten Geschöpfen ins Gesicht und bekommt den nächsten Stich versetzt: Das sind alles noch Schulkinder! Jedenfalls die meisten. Die wohnen wahrscheinlich alle noch bei Mami und die freut sich schon unheimlich auf die baldige Mehrbelastung. Eigentlich hatte sie sich heimlich gefreut, dass sie ihr eigenes Kind bald aus dem Gröbsten raus hat und nun kommt sie vom Regen in die Traufe!

Und jetzt geht´s los: Sämtliche negativen Emotionen starten einen Frontalangriff. Man wird gehässig und es ist einem schnurzpiepenhagen, ob man das, was man gerade denkt, laut sagen darf! Wieso ist das Leben, das Schicksal oder meinetwegen auch der „Liebe Gott“ so ungerecht?! Warum dürfen diese frühreifen Früchtchen schwanger werden und man selber nicht?! Was wollen diese kleinen Partymäuschen ihren Kindern beibringen? Vielleicht wie man verhütet? ( Ha, ha! Scherz am Rande) Wieso dürfen die Kinder haben und man selber nicht?! Es liegt doch wohl auf der Hand, dass man selbst die viel, viel bessere Mutter wäre! Gar kein Zweifel!
Man würde alles für sein Kind opfern. Das gemütliche Leben aufgeben um ganz für´s Kind da zu sein. Auf Freizeit und Hobbies verzichten, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen. Nachts aufstehen, wenn es schreit, die über Jahre liebevoll eingerichtete Wohnung kindersicher machen, damit auch ja nichts passiert. Alle Steckdosen abdecken, Treppen vergittern und die angesammelten Dekogegenstände einmotten, damit das Kind, wenn es anfängt zu krabbeln und sich überall hochzieht, nichts runter schmeißt und sich womöglich noch verletzt.
Man geht nur noch raus um Lebensmittel, Kinderklamotten und Spielzeug einzukaufen, mit dem Kind spazieren zu gehen oder den Kinderarzt zu konsultieren. Man muss das Kleine impfen lassen, auch wenn man selbst nichts von Impfungen hält. Der Gesetzgeber schreibt einem vor, ab wann man sein Kind zur Schule schicken muss. Und spätestens dann werden all deine Bemühungen, dein Kind zu einem guten Menschen zu erziehen, zunichte gemacht. Wenn man sein Kind in einem Kindergarten abgestellt hat, schon viel früher. Dann kommt es mit Schimpfwörtern, sinnlosem Bastelkram, ansteckenden Krankheiten und Kopfläusen nach Hause und man hat alle Hände voll zu tun, seine kleine, heile Welt wieder zurecht zu rücken.
Und später dann, wenn es in die Pubertät kommt, geht der Spaß erst richtig los. Wenn ich da so an meine Flegeljahre zurückdenke …
Ich glaub´, ich geh´ gleich mal los und besorg mir doch wieder die Pille!