Mein Mann und der Computerexperte

Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich uns entschieden, für unsere Computerarbeit mal die Marke mit dem angeknabberten Fallobst auszuprobieren. Für ordentlich viereckig Geld haben wir uns die neueste, schnellste und größte Festplatte, Arbeitsbausteine und Grafikkarten zusammengestellt. Alles hübsch verpackt im wohlbekannten, schicken, copyright-geschützten weiß-silber-schwarzen Design. Das gute Stück hat jahrelang treue Dienste geleistet und auch diverse Umzüge schadlos überstanden. Aber nach mehreren Jahren auf unserer staubigen Mittelmeerinsel hat unser stolzes Flaggschiff plötzlich den Geist aufgegeben. Mitten in der Arbeit beschloss er unvermittelt, sich selbst abzuschalten.
Jetzt ist mein Mann niemand, der gleich in Panik gerät, wenn mal was kaputt geht. Er stellte fest, daß der Rechner ziemlich heiß gelaufen war, ließ ihn abkühlen und genehmigte sich erst einmal einen Kaffee. Eine halbe Stunde später startete er einen neuen Versuch. Der Rechner ließ sich zwar hochfahren, hielt aber nicht lange durch. Er wurde immer wieder zu heiß und schaltete ab. Erster Verdacht: ein Lüfterproblem. Das Diagnoseprogramm, das er in den fünf Minuten laufen ließ, in denen er nicht abstürzte, bestätigte das Dilemma. Ein Lüfter funktionierte tatsächlich nicht mehr. Jetzt hat das Ding aber drei davon und ausgerechnet der, der die Festplatte kühlen soll und sich natürlich ganz hinten versteckt, hatte die Arbeit eingestellt. Um an ihn ran zu kommen, muss man erst sämtliche Eingeweide, die davor geschraubt wurden, entfernen, sich die richtige Reihenfolge merken und bloß kein Schräubchen vergessen! Dank YouTube-Tutorials weiß man Mann ganz genau, wie sein heiliges Blechle von Innen aussieht und wie man das ein oder andere reparieren kann. Auch war er bereits so tollkühn unseren enddesignten High-Tec-Rechner eigenhändig zu öffnen, obwohl das die Herstellerfirma gar nicht gerne sieht…
Aber all das über die Jahre mühsam erworbene Wissen nützt nur leider absolut gar nichts, wenn man als Otto Normalverbraucher auf dem freien Markt für diese spezielle Marke keine Ersatzteile kaufen kann! Man muss sein liebgewonnenes Status-Symbol immer zu diesen sogenannten „Genies“ eines lizensierten Fachhändlers schleppen, um ihn dann dort in fremde Hände zu geben und ihn vielleicht oder vielleicht auch nicht reparieren zu lassen… oder sich ein aktuelleres Gerät aufschwatzen zu lassen.
Jetzt wohnen wir aber auf Spaniens größter Mittelmeer-Insel und auf dem ganzen Eiland gibt es nur einen einzigen „Experten“, der Geräte dieser Marke mit dem Obst repariert! Und natürlich hat der seinen Laden auf der anderen Seite der Insel, was jedes Mal über eine Stunde Fahrzeit bedeutet! Aber was nützt alles Maulen und Lamentieren? Wir entschieden uns, das Ersparte zusammen zu kratzen und den Rechner in Reparatur zu geben. Denn wozu hat man denn so eine teure Maschine, wenn man sie nicht benutzt?
Am nächsten freien Vormittag packten wir den Computer in seinen ebenfalls gut gehüteten Original-Karton und machten uns auf den Weg in die Hauptstadt. In den verstopften Straßen war es nahezu unmöglich einen Parkplatz zu finden. Dazu kam, daß die Tiefgaragen entweder überfüllt oder gesperrt waren. Als wir endlich einen freien Platz in einer der Tiefgaragen meilenweit weg vom Ladenlokal ergattern konnten, packte mein Mann sich unser bullenschweres Heiligtümchen auf die Schulter und wir machten uns daran, aus den modernen, nach Abgasen stinkenden Katakomben der Großstadt wieder ans Tageslicht zu gelangen. Da standen wir nun … mitten im Getümmel unter der brennenden Sommersonne mit einem unhandlichen und schweren Karton auf dem Buckel und hatten komplett die Orientierung verloren! Von wo waren wir jetzt gekommen? Links oder Rechts? Oder doch von der anderen Straßenseite? Wir irrten eine Weile in der brütenden Hitze durch die Gegend, fragten in Läden und sogar zwei Streifenpolizisten nach dem Weg aber alle Befragten kannten sich in ihrer eigenen Stadt nicht aus! Unsere Laune verschlechterte sich sekündlich und so machten wir Kehrt, stiegen wieder ins Auto und starteten einen neuen Versuch einen Parkplatz in der Nähe des IT-Ladens zu bekommen. Diesmal landeten wir auf der richtigen Fahrbahn, die direkt am Laden vorbei führte. Hätte ich in dem hektischen Verkehr fahren müssen, ich wäre längst von Heulkrämpfen geschüttelt mitten auf der Straße zusammengebrochen. Zum Glück saß meine stärkere Hälfte am Steuer und er hatte kein Problem mit all den rücksichtslosen, wild hupenden Verkehrsrowdys. Er schlängelte sich an all den Autos, Motorrädern und Bussen vorbei und huschte in die nächstgelegene Tiefgarage, die zum Glück nicht gesperrt war. Zurück im Tageslicht fanden wir uns nur wenige Schritte vom Laden entfernt wieder. Erleichtert stellten wir endlich unsere wertvolle Last im klimatisierten Vorraum des Computerladens ab.
Wir mußten ein wenig warten, denn vor uns erklärte der Jungspund hinterm Tresen einem am Boden zerstörten Kunden gerade, daß sie nichts mehr für sein Gerät tun konnten. Das stimmte nicht gerade zuversichtlich. Mit nur mühsam zurückgehaltenen Tränen in den Augen verließ der große Mann mit seinem für tot erklärten Liebling unterm Arm das Geschäft.
Jetzt waren wir an der Reihe. Da wir genau wußten, was mit unserem Rechner nicht stimmte, machten wir direkt klare Ansagen:
„Bitte den Festplattenlüfter austauschen und von innen das Gerät einmal komplett grundreinigen.“
Für den Text hatte ich mich extra zu Hause schlau gemacht, was „Festplatte“ und „Lüfter“ auf Spanisch heißen. Der junge Mann guckte etwas kariert aus der Wäsche. Wahrscheinlich war er es gewohnt, daß die Leute ihm ihre Sachen mit dem einfachen Wort „roto“ – kaputt über den Tresen reichen und er dann erstmal für teuer berechnete Arbeitsstunden ausknobeln durfte, was genau denn jetzt defekt ist. Vorsichtshalber wiederholten wir noch mal unser Anliegen:
Den Festplattenlüfter austauschen – den Lüfter – nicht die Festplatte und sauber machen. Erst ich auf Spanisch, dann mein Mann noch mal auf Englisch. Ich konnte meinem Angetrauten regelrecht ansehen, daß er den Jungspund am liebsten gefragt hätte, ob er ihm nicht einfach den Lüfter verkaufen wolle, damit er seinen Rechner selber reparieren kann. Aber er sollte ja auch mal gründlich gereinigt werden und von Staub und dem ein oder anderen Tierhaar befreit werden, das garantiert darin zu finden war. Denn unsere frostbeulige, alte Mietze-Katze liegt im Winter gerne vor genau diesem Lüfter…
Der Fachmann für angedötschtes Kernobst nickte beflissen und notierte den Auftrag, nebst all meiner Daten inklusive E-Mail-Adresse und ließ mich einen mangelhaft ausgedruckten Wisch unterschreiben.
Wir würden eine E-Mail bekommen, ließ er uns wissen, in der wir dann den Auftrag bestätigen sollen und schleppte unseren Schatz in einen der hinteren Räume. Als er wieder zurück kam, wiederholter er noch mal, daß wir spätestens morgen diese Mail mit der Diagnose bekommen würden und entließ uns huldvoll aus seinen Diensten. Ich fragte mich noch beim Rausgehen, von welcher Diagnose er sprach, wir hatten ihm doch gerade gesagt, was er tun sollte! Doch nun gut, wir ließen also unser gutes Stück allein bei dem fremden Onkel und verließen nur mit einem blassen Ausdruck, auf dem man kaum etwas entziffern konnte, den Laden und fuhren wieder nach Hause.
Schon am nächsten Nachmittag fand ich tatsächlich eine E-Mail auf meinem Laptop. Darin stand nicht, daß die verlangten Arbeiten bereits ausgeführt und das Gerät zur Abholung bereit wäre, sondern daß deren Diagnose ergeben hatte, daß nicht nur der Lüfter, sondern auch die Festplatte fehlerhaft sei und daß der Austausch samt Reinigung insgesamt etwas über vierhundert Euro kosten würden. Wenn wir die Reparatur in Auftrag geben wollen, sollten wir auf den unten stehenden Link klicken! Vierhundert Euro! Von denen alleine die neue Festplatte zweihundert fressen würde! Natürlich würden sie auch alle Daten sichern – das volle Programm eben.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich todesmutig auf diesen Link geklickt habe, der uns um vierhundert Euro ärmer machen würde. Mein Mann war zwar der festen Überzeugung, die Festplatte sei nicht kaputt, das hätte er gemerkt, aber im Prinzip hatte er gegen ein neues Speichermedium nichts einzuwenden. Trotzdem bestand er darauf, daß er die alte Festplatte zurück bekam. Also setzte ich mich an meinen Schleppi und formulierte eine Mail in der ich ausdrücklich darum bat, daß man die ausgebaute Festplatte nicht entsorgte, sondern sie uns wieder aushändigte. Und um ganz sicher zu gehen, rief ich ein paar Minuten später noch mal an, um mir bestätigen zu lassen, daß die Mail angekommen, gelesen und verstanden worden war. Ja – im Umgang mit unserer Technik verstehen wir keinen Spaß!
Nur wenige Tage später war der Rechner zur Abholung bereit. Diesmal ging alles ganz flott. Wir huschten wieder in die richtige Tiefgarage, schoben mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht die Bankkarte über den Tresen, vergewisserten uns, daß die alte Festplatte mit im Karton lag und machten uns frohgemut auf den Heimweg. Wir hatten unser heiliges Blechlein zurück, jetzt konnten wir wieder beruhigt schlafen. Irgendwie fehlt halt was, wenn nicht alle „Kinder“ zu Hause sind.
Natürlich wurde der Computer gleich aufgebaut, eingestöpselt und angeschmissen. Er meldete sich mit dem vertrauten Singsang zurück und stürzte nicht gleich wieder ab. So weit, so gut. Aber mein Mann wäre nicht mein Mann, wenn er jetzt nicht sofort die ausgebaute Festplatte auf Herz und Nieren geprüft hätte. Er steckte sie in ein externe Gehäuse und stöpselte sie ein.
„Ich hab´s gewußt!“
Mit einer Mischung aus Triumph und Ärger tippte er mit dem Finger auf den Bildschirm … eine Tätigkeit, die mir immer strengstens untersagt wurde! War wohl ein Versehen im Überschwang der Gefühle …
„Da ist sie! Ich hab´ gewußt, daß die nicht kaputt ist! Da hat er uns jetzt mal eben ein Teil aufgedrückt, daß gar nicht nötig gewesen wäre! Dieser miese, kleine … !“
Den Rest des Satzes grummelte er in seinen Bart. Es war irgendwas mit Selbstbefleckung.
Irgendwann legte sich der Frust über die unnötige und ungeplante Ausgabe und wir freuten uns über den zusätzlichen Speicherplatz, den wir bei unserer stetig wachsenden Menge an Grafiken, Fotos und Videos zugegebener Maßen ganz gut gebrauchen konnten. Doch schon am nächsten Tag ging der Ärger weiter:
„Das darf ja wohl nicht wahr sein! Ich glaub´ ich steh´ im Wald! Was zum Geier hat dieser kleine, arrogante Wichtigtuer da angestellt?!“
Es folgte noch eine ganze Reihe von kernigen Kraftausdrücken, Verwünschungen und fragwürdigen Adelsprädikaten, die mich alarmiert aufhorchen ließen. Ganz offensichtlich war der Rechner immer noch nicht ganz in Ordnung und ich wagte es, leise nachzufragen, was denn los sei.
„Er ist schon wieder aus gegangen!“
„Wieso?!“
„Das finde ich gleich raus! Aber ich wette, der Blödmann hat den falschen Lüfter ausgetauscht! Oder er hat gar nichts ausgetauscht und nur mal ´nen Staubsauger gegen die Lüftungsschlitze gehalten! Sag ich dir gleich, wenn er wieder abgekühlt ist!“
Nachdem der Rechner eine gute halbe Stunde abkühlen durfte, startete er ihn erneut und ließ sofort das Diagnoseprogramm auf Fehlersuche gehen; und da stand es schwarz auf weiß:
„4MOT/4/40000002:HDD-0“
Es war wieder oder immer noch der Festplattenlüfter! Die Schimpfkanonade, die auf diese Erkenntnis folgte, erspare ich mir mal an dieser Stelle.
Mein erboster Ehemann machte von der Fehlermeldung auf seinem Bildschirm ein Foto mit seinem Handy, um es dem Schnösel in seinem Bastelladen unter die Nase halten zu können und packte den Computer wieder in seinen Karton.
Am nächsten Tag hieß es für uns wieder: früh aufstehen, einmal mehr in brütender Hitze quer bzw. längs über die Insel gondeln, sich durch den dichten Stadtverkehr kämpfen und den schweren Rechner wieder energisch im IT-Laden abstellen.
Der junge Mann war nicht erfreut uns zu sehen. Ich begrüßte ihn mit den Worten:
„Hallo! Er hat immer noch dasselbe Problem.“
Er entschied sich, einen auf unwissend zu machen und fragte:
„Wieso? Was macht er denn?“
„Er schaltet ab!“
„Ach sooo …“, meinte er gedehnt und versuchte uns zu erklären, daß das ja jetzt ein neues Problem sei, aber ein Blick in das Antlitz meines brodelnden Angetrauten, der gerade sein Handy zückte, ließ ihn verstummen.
„Es ist immer noch der Festplattenlüfter“, versuchte ich zu erklären und mein Mann hielt ihm, wie am Tag zuvor sorgsam geplant, das Handy mit dem Foto der Fehlernummer unter die Nase.
Im Gesicht des Computerspezialisten zeigte sich so etwas wie Verwirrung. Mein Mann hatte das Foto für ihn vergrößert, damit er ganz genau die Nummer ablesen konnte, aber er fing an, auf dem Touchscreen rumzufingern, um es wieder zu verkleinern. Mein Mann runzelte die Stirn, plusterte es wieder auf und er machte es wieder kleiner. Dreimal versuchte er, das Bild im Gesamten zu betrachten, daß den Computerbildschirm mit dem Diagnoseprogramm und der Fehlermeldung zeigte. Ich sah mir das Spielchen eine Weile an und konnte es mir nicht erklären. Er sollte sich doch die Nummer ansehen, die man nur vergrößert erkennen konnte. Warum fingerte er also da rum, anstatt sie sich abzuschreiben? War er vielleicht weitsichtig oder einfach nur überfordert? Oder war es vielleicht zu viel für ihn, daß ein unwürdiger User wußte, daß sein Rechner ein eigenes Diagnoseprogramm hat und er zu allem Überfluß auch noch damit umgehen konnte? Seit wann darf ein Kunde einem Computerschrauber sagen, was er an seinem Rechner zu schrauben hat und was nicht?! Ich glaube, in diesem Moment ist seine kleine Welt aus Einsen und Nullen zusammengebrochen.
Mein Mann war jetzt jedenfalls mit seiner Geduld am Ende.
„Tausch den Festplattenlüfter aus!“ wies er ihn auf Englisch an. „Es ist mir egal, was dein Diagnoseprogramm sagt, mein Rechner meldet, daß genau dieser Lüfter nicht arbeitet!“ Mit diesen Worten schob er ihm den Karton vor die Füße.
„Ja, ich mache noch mal einen Testdurchlauf, aber wenn unsere Diagnose nichts anzeigt, kann ich nicht machen…“
Er schluckte kurz, denn in diesem Moment durchbohrten ihn gleich zwei Paar eisige Blicke. Er tippte hastig etwas auf seiner Tastatur herum und druckte einen neuen Auftrag aus, den ich ihm unterschreiben sollte.
„Muß ich jetzt etwa wieder auf eine E-Mail warten?“ wollte ich wissen, während ich meinen Willi unter das Papier setzte.
„Wir lassen Sie wissen, wenn Sie ihn abholen können“, kam es förmlich zurück.
„Tausch einfach den Lüfter aus“, ordnete mein Mann zum Abschied ein letztes Mal an. Es klang wie die Prophezeiung der Apokalypse. Er haßt es, wenn er sich ständig wiederholen muß und sein Gegenüber auch noch einen auf stupide oder bockig macht. Wir verließen extrem angesäuert das Geschäft.
Auf dem Heimweg war es dann an mir, mich im Nachhinein noch mal in die gerade erlebte Situation hinein zu steigern.
„Hat er tatsächlich gesagt, wenn sein Programm keinen Fehler anzeigt, kann er nichts machen??! Was bildet der sich ein? Was ist so schwer daran, ein blödes Teil auszutauschen, wenn man ihm schon auf die Nase bindet, welches Teil er ersetzen soll?! Da ist man als erwachsener Mensch jetzt abhängig von so einem eingebildeten, arroganten, kleinen, von sich selbst überzeugten, blöden …!!!“
Mir wollte bei aller Mühe kein passender Titel für ihn einfallen.
„Ganz ruhig“, versuchte mein Mann mich wieder von der Palme zu holen. „Wir warten jetzt erst mal ab und sehen, was passiert.“
„Bleibt uns ja auch wenig anderes übrig“, grummelte ich vor mich hin.
Es ist absolut kein gutes Gefühl für Menschen, die es gewohnt sind ihre Probleme selbst zu lösen, sich auf andere verlassen zu müssen. Ganz besonders, wenn dieser Andere zwanzig bis dreißig Jahre jünger ist als man selbst und sich für einen erhabenen Experten hält, der auch noch ganz genau weiß, daß er am längeren Hebel sitzt, weil man sich ja, wie schon erwähnt, die dringend benötigten Ersatzteile für seinen Rechner nicht selber kaufen und somit auch nicht einbauen darf! Trotz aller Euphorie für Leistung und Design ein fetter Minuspunkt für die Marke mit der fehlerhaften Baumfrucht. Vielleicht sollte man mal eine Mail nach Amiland schreiben mit der Aufforderung, die Lizenzpartner besser zu schulen und zu überprüfen. Zu MacD. kommen ja auch ab und zu Testesser und bewerten die Leistung. Warum nicht auch hier?
Zu unserer großen Überraschung fand ich zwei Tage später eine Mail auf meinem Laptop, daß der Computer zur Abholung bereit sei. Noch am selben Nachmittag machten wir uns zum wiederholten Male auf den langen Weg in die Hauptstadt um hoffentlich ein letztes Mal die Grundlage unserer Existenz aus den unegalen Klauen eines unverbesserlichen Computerexperten zu befreien. Wir waren auf der Fahrt ein wenig am rätseln, was uns erwarten würde, denn in der Mail stand nicht, ob sie den Rechner denn nun repariert hatten oder nicht.
Als wir den Laden betraten, stand wieder das uns wohl bekannte Genie hinter der Theke und blickte uns freundlich entgegen … aber nur kurz, denn dann zündete in seinen Augen der Funke der Erkenntnis, als er uns erkannte. Ich schob ihm lächelnd den Auftrag über die Theke, damit er anhand der Auftragsnummer sehen konnte, welchen Rechner er denn aus seinem Hinterzimmer holen musste. Ich wollte es ihm jetzt auch nicht unnötig schwer machen…
Er verschwand mit dem Zettel hinter einer Tür und dann konnte man zwei Spanier hören, die vergeblich versuchten, leise miteinander zu diskutieren. Mein Mann sah mich fragend an. Ich konnte nicht jedes Wort verstehen, aber da wurde gerade jemand zusammen gefaltet. Kurz darauf kam unser lieb gewonnener, junger Freund mit unserem Schätzchen zurück und freute sich, uns mitteilen zu können, daß der Rechner jetzt wieder einwandfrei funktionierte. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu fragen:
„Und? Woran hat es gelegen?“
„Es war tatsächlich der Festplattenlüfter. Wir hatten ihn zwar ausgetauscht, aber aus irgendeinem Grund funktionierte er nicht. Wir wissen nicht, warum. Aber wir haben einen Neuen eingebaut und jetzt läuft wieder alles“, sprudelte es aus ihm heraus.
„Ja, ja“, dachte ich im Stillen und als ich den spanischen Redeschwall meinem Mann übersetzt hatte, konnte ich in seinem Gesicht ablesen, daß er dasselbe dachte… und noch einiges mehr! Aber er blieb still, sagte nichts und blickte ihn einfach nur an. Der junge Mann wirkte auf mich irgendwie erleichtert, als er mir ein weiteres Papier entgegen schob und wieder eine Unterschrift verlangte. Damit sollte ich bestätigen, daß ich den Rechner repariert zurück bekommen habe und es wurden auch keine weiteren Kosten erhoben. Das hätte ich ihm auch geraten! Wäre ja noch schöner.
Wir bedankten uns höflich und der Computerexperte beeilte sich, eine bereits wartende weitere Kundin zu enttäuschen … zu bedienen.
Zu Hause wurde direkt ein Diagnosecheck gemacht. Diesmal zeigte das Programm drei funktionale Lüfter an. Man Mann lehnte sich erleichtert in seinem Stuhl zurück und stellte dem Universum die wichtige Frage:
„Warum ist es immer so anstrengend, die Leute davon zu überzeugen, daß ich Recht habe?!“

Text und Grafik: Nadja von der Hocht

Angélique du Coudray

In einer Zeit als die Kindersterblichkeit extrem hoch, eine Schwangerschaft für Mutter und Kind tödlich enden konnte und eine Geburt alles andere als Routine war, wurde einer bedeutenden Mediziner-Familie im Frankreich des 18. Jahrhunderts ein Mädchen geboren. Ihr Name war Angélique Marguerite Le Boursier du Coudray und sie sollte im Laufe ihres Lebens tausende von einfachen Frauen und mehrere hundert bereits ausgebildete Ärzte in der Kunst der Geburtshilfe unterrichten.

Im Jahre 1740 schloss die fünfundzwanzigjährige Angélique ihre dreijährige Ausbildung zur Hebamme ab, die sie bei renommierten Hebammen ihrer Zeit absolviert hatte. Sie legte die Prüfung vor einem Gremium, bestehend aus Hebammen, Chirurgen und weiteren Mitgliedern der Pariser „Ècole de Chirurgie“, ab und war danach als lizensierte Hebamme in Paris tätig.

Im Jahre 1743 hielt man es für eine gute Idee, den Status von Chirurgen gegenüber den Hebammen zu ändern; und zwar insofern, daß der Stand der Chirurgen aufgewertet wurde, diese nun auch in der Geburtshilfe verstärkt tätig werden konnten und während einer Geburt nicht mehr den Anweisungen von Hebammen folgen mussten. Den im 18. Jahrhundert durchweg männlichen Ärzten war es anscheinend so sehr ein Dorn im Auge, bei einer medizinischen Handlung, Anweisungen von Frauen entgegen zu nehmen, daß sie es nötig hatten, ihren eigenen Berufsstand gleich mal aufwerten zu müssen, indem sie sich über die Hebammen stellten.
Madame du Coudray hingegen, war von dieser Idee keineswegs begeistert und kämpfte dagegen an. Sie unterzeichnete gemeinsam mit vielen Kolleginnen eine Petition, in der die Chirurgen beschuldigt wurden, ihre Pflichten zu vernachlässigen. Sie argumentierte, dass eine Hebamme nur von einer anderen Hebamme korrekt ausgebildet werden könne. Würden Ärzte diese Ausbildung übernehmen, würden zukünftige Hebammen schlichtweg falsch ausgebildet werden, was in der Zukunft zu einem Mangel an offiziell akkreditierten Hebammen führen würde. Sie rief die Ärzte dazu auf, sich um eine Lösung für das Problem zu bemühen, um potenzielle Schäden für die schwangeren Patientinnen zu vermeiden. Madame du Coudray erreichte mit ihrem Einsatz, daß junge Hebammen auch weiterhin eine fundierte Ausbildung erhielten und sie selbst zur leitenden Hebamme des Hôtel-Dieu in Paris ernannt wurde.

1759 veröffentlichte Angélique du Coudray eine Abhandlung über die Geburtshilfe: „Zusammenfassung über die Kunst der Geburtshilfe“. Es war eine überarbeitete Fassung eines Buches über Geburtshilfe von Francois Mauriceau aus dem Jahr 1668. Sie schien damit große Aufmerksamkeit erregt zu haben, denn noch im selben Jahr wurde sie von König Ludwig XV. beauftragt, Bauersfrauen in der Geburtshilfe zu unterrichten. Er erhoffte sich damit die hohe Kindersterblichkeit auf dem Land zu verringern.
Er stattete sie mit einem königlichen Befähigungszeugnis und einem regelmäßigen Gehalt aus und schickte sie in die Dörfer und Bauernhöfe des ländlichen Frankreichs. In den Jahren zwischen 1760 und 1783 war sie fast unentwegt auf Reisen und verbreitete ihr Wissen unermüdlich unter den armen Bäuerinnen und den Ärzten in den ländlichen Gebieten. Während dieser 23 Jahre besuchte sie über vierzig französische Städte und Dörfer und unterrichtete um die 4000 Hebammen persönlich. Sie praktizierte vor Ort eine sehr anschauliche Ausbildung, da die meisten der Frauen weder lesen noch schreiben konnten. Weiterhin überwachte sie das Training und die Ausbildung von weiteren 6000 Frauen, die von ihren ehemaligen Schülerinnen unterrichtet wurden. Dazu kamen noch um die 500 Chirurgen und Ärzte, mit denen sie ebenfalls ihr umfangreiches Wissen teilte.

Den großen Ausbildungserfolg erzielte du Coudray mit Hilfe einer Nachbildung eines weiblichen Torsos. Die Erfidung der „Maschine“, wie das Gebilde aus Stoff, Leder, Füllmaterieal, Seilen, Bändern und sogar menschschlichen Knochen, genannt wurde, ermöglichte es den Schülerinnen die erforderlichen Handgriffe immer und immer wieder zu üben. Man konnte sogar mit Hilfe der Seile und Bänder Kontraktionen simulieren. Zu der Maschine gehörte natürlich auch ein Säugling aus Stoff mit geformter Nase, Ohren, aufgemalten Haaren und ganz wichtig: einem geöffnetem Mündchen samt Zunge. Die Mundhöhle der Puppe war so tief, daß die Hebammen-Schülerinnen zwei Finger hinein stecken konnten. Diesen Griff zu üben, war wichtig, weil man so, den Kopf des Kindes in die richtige Richtung drehen konnte, sollte zum Beispiel eine Beckenendlage vorliegen.
Die Lehrkraft konnte den Fötus immer wieder in verschiedenen Positionen platzieren, um den Schülerinnen das Raumverständnis im inneren der Gebärmutter nahe zu bringen und den Tastsinn zu schulen.
Angélique du Coudray arbeitete sehr intensiv mit ihren Schülerinnen. Sie begann mit den Grundlagen der weiblichen Anatomie und der Fruchtbarkeit, fuhr mit den Vorgängen und Veränderungen fort, die sich durch eine Schwangerschaft ergeben und übte schließlich den Geburtsvorgang, wobei sie auch versuchte, komplizierte Geburten nachzustellen, wie Steißlagen, Zwillingsgeburten oder sogar Totgeburten. Auch die Nachsorge für Mutter und Kind wurde ausführlich behandelt. Hatte man sich bis dahin um wenig lebensfähige und schwache Säuglinge nicht groß gekümmert, sondern sie zum Sterben irgendwo liegen gelassen, so kümmerte sich du Coudray darum, dass nun auch diese Kinder durch intensive Pflege eine Überlebenschance erhielten. Durch ihren Einsatz konnten so viele Neugeborene gerettet werden.

Durch ihre Ausbildungsreisen wurde Madame du Coudray zu einer lokalen Berühmtheit und zum Symbol des medizinischen Fortschritts. Ihre Unterrichtsmethode revolutionierte die Lehre der Geburtshilfe im Frankreich des 18. Jahrhunderts.

Angélique Marguerite Le Boursier du Coudray starb in den Wirren der Französischen Revolution am 17. April 1794 in Bordeaux.
Die Umstände ihres Todes sind bis heute nicht geklärt. Niemand weiß, ob sie eines natürlichen Todes starb oder ob sie wegen der Unterstützung, die ihr König Ludwig XV. zukommen ließ, ermordet wurde.
Trotzdem bleibt ihr Name bis heute unvergessen. In Frankreich wurden nach ihr Entbindungskliniken und Straßen benannt.

La „machine“

Fotos, La „machine“ : Ji-Elle [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Text: Nadja von der Hocht

Das Korsett

Welches romantisch veranlagte, junge Mädchen hat nicht mit ungebrochener Begeisterung die alten Sissi-Filme mit Romy Schneider verschlungen? Und zwar nicht unbedingt wegen der Story, sondern wegen der aufwendig ausgestatteten Kostüme! Die Darstellerinnen der Hofdamen, Prinzessinnen und nicht zuletzt der jungen Kaiserin selbst trugen in fast jeder Einstellung ein anderes, wunderschönes, taillenbetontes Kleid mit weitem, verschwenderisch ausgestattetem Reifrock.
Um so eine schöne Silhouette mit aufrechter Haltung und schmaler Taille hinzubekommen, haben die Damen von damals keineswegs Sport getrieben, stundenlang den Bauch eingezogen, Flachatmung geübt oder sich womöglich das üppige Festbankett verkniffen. Nein, nein, nein! Unter den vielen Lagen von sündhaft teurem Stoff wurde der Körper in ein Korsett gezwängt und so lange fest verschnürt, bis die gewünschte Körperform, die gerade der Mode und dem gängigen Schönheitsideal entsprach, erreicht wurde. Nicht das Gewand wurde auf den Körper geschneidert, sondern der Körper wurde dem Gewand angepasst. Denn manche Körperformen, die ab und an als schön galten, wären ohne ein formendes Korsett nicht umzusetzen gewesen.
Sehr lange bestimmte der strenge spanische Modestil, wie eine Dame auszusehen hatte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts erforderte die Mode ein Korsett, das den Oberkörper zu einem Konus formte. Der Körper wurde so verschnürt und an bestimmten Stellen ausgepolstert, dass der Dame die Brust flach gedrückt wurde und die Bauchpartie spitz zulief.
Zu welchem Zeitpunkt genau das Korsett in Mode kam, ist heute schwer nach zu vollziehen. Man erkennt auf alten Gemälden, die so um das Jahr 1530 entstanden sind und auf denen adelige Damen abgebildet wurden, daß sich wohl unter den Schichten Stoff, geschmückt mit Perlen, Spitze und Brokat ein formendes Korsett verbarg. Denn anders hätte man so einen, damals als schön und schicklich geltenden, kegelförmigen Oberkörper wohl nicht hin bekommen.
Der Wunsch nach einer möglichst schmalen Taille ist aber schon viel älter, denn die vermutlich älteste Erwähnung einer „Wespentaille“ fand man bei einem Bibliothekar der Fatimiden, einer islamischen Dynastie, die von 909 bis 1171 im Maghreb, in Syrien und Ägypten herrschte. Dort gibt es ein Gedicht zu lesen, das sich auf christliche Mädchen bezieht, die einen sogenannten „Christengrütel“ trugen. Die Verse in diesem Gedicht beschreiben die zierliche Gestalt und die zarte, wespengleiche Taille dieser Mädchen.
Also kann man wohl getrost davon ausgehen, dass es für Frauen und Mädchen von jeher erstrebenswert war, um die Mitte herum möglichst schmal zu erscheinen und dass sie sich auch schon in Zeiten, bevor das Korsett erfunden wurde, die breiten Gürtel möglichst eng geschnürt haben.
Das älteste noch erhaltene Korsett wurde im Grab der Eleonora von Toledo entdeckt. Sie war die zweite Tochter des spanischen Vizekönigs von Neapel, herrschte 23 Jahre lang als Herzogin über Florenz und starb 1562. Auch ihre Kleidung war üppig und verschwenderisch ausgestattet und man erkennt auf Gemälden von ihr, den für diese Zeit typischen, konisch geformten Oberkörper. Das Korsett, das sie bei ihrer Beerdigung trug, war mit Rohr versteift.
Im streng konservativen Spanien hielt man sehr lange an dieser Mode fest, während in den übrigen europäischen Ländern ab dem frühen Barock, so um 1620 bis 1650 die Mode einen langsamen aber stetigen Wandel durchlief. Die weibliche Brust wurde nicht mehr versteckt. Man trug jetzt Dekolleté. Die Brust wurde nicht mehr in hoch geschlossenen Kleidern plattgedrückt, sondern mit Hilfe des Korsetts nach oben gehoben und in offenherzigen, weit ausgeschnitten Kleidern zur Schau gestellt. Taille und Rockansatz wanderten ein ganzes Stück nach oben.
Während der Regentschaft des französischen Königs Ludwig XIV. (1638 – 1750, auch bekannt als der Sonnenkönig), etwa nach 1660, wurde die Taille immer schmaler, bis hin zur Wespentaille. Nicht nur eine schmale Taille, auch eine gerade Haltung war nun erwünscht, da die Damen und Herren bei Hofe oft stundenlang dekorativ in der Gegend herum stehen mussten. So half nun das Korsett, dank seiner immer stabiler werdenden Stützkonstruktion, zusätzlich dabei, sich nicht hängen zu lassen und Haltung zu bewahren.
Im Rokoko, ab ca. 1725 kam endlich der Reifrock hinzu. Die sehr breiten Ausführungen damals, mit denen man kaum noch durch die Tür kam, ließen die ohnehin schon sehr eng geschnürte Taille noch schmaler erscheinen.
Hundert Jahre später, so gegen 1828/29 wurden metallene Schnürösen erfunden und das Korsett bekam seinen ersten Vorderverschluss mit Haken und Ösen. Bis dahin war es nämlich sehr schwierig, sich ohne Hilfe in so ein Ding zu quetschen. Hatte die Dame des Hauses den Ehrgeiz, die schmalste Taille der Welt zu besitzen, war die Hilfe einer Zofe unverzichtbar, die mit aller Kraft an den Schnüren zerrte und auch schon mal den Fuß auf dem Gesäß der Herrin abstellte, um noch fester ziehen zu können. Mit den neuen metallenen Ösen an der Vorderseite, reichte es, das Korsett einmal auf die gewünschte Weite, bzw. Enge einzustellen und hinten feste zu verknoten. Der Verschluss vorne erlaubte es der Trägerin endlich, das Korsett auch alleine, ohne fremde Hilfe an- und abzulegen.
Zwischen 1830 und 1870 kam so langsam die bekannte „Sanduhrform“ auf, die auch heute noch als klassische Korsettform gilt: eine relativ große Hüft- und Oberweite bei möglichst kleiner Taillenweite. Die Hüfte selbst war vom Korsett zunächst nicht betroffen, da ja die Krinoline mit den weiten Röcken schon für möglichst viel Volumen sorgte. Auch schien es für nicht so schlimm empfunden worden zu sein, dass durch das enge Schnüren der Taille sämtliche Organe sich einen neuen Platz im Körper suchen mussten und notgedrungen in den Unterbauch wanderten, der dadurch unschön hervorquoll, was aber sorgsam durch die weiten Röcke versteckt wurde.
Erst als die Modelinie immer schmaler wurde, wurden auch die Korsetts nach unten hin länger und formten nun auch Hüfte und Bauch.
Gegen 1900 wurde das „S-Korsett“ entwickelt, das die Brust raus- und den Bauch reindrückte und leider eine sehr unnatürliche Körperhaltung erzwang. Knapp zehn Jahre später wurde es durch das Unterbrustkorsett abgelöst, um kurze Zeit später im Zuge der immer stärker werdenden Frauenbewegung völlig aus der Mode zu geraten.
Ab 1919 durften jetzt nämlich auch Frauen wählen, ein eigenes Bankkonto besitzen und einem Beruf nachgehen, was sie auch verstärkt taten. Und da so ein Korsett den Körper sehr in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt, wurde es für lange Zeit ersatzlos aus dem Kleiderschrank verbannt.
Heutzutage wird wieder ab und zu ein Korsett getragen… allerdings über der Kleidung als optischer Hingucker. In der Gothik-Szene ist es sehr beliebt oder als Arbeitsutensil für Dominas.,. Und obwohl zu allen Zeiten Ärzte vor zu übermäßigem Tragen und zu engem Schnüren des Korsetts gewarnt haben, können manche Mädels es nicht lassen ihre ganz eigene Challenge zu starten, wer denn die schmalste Taille hat.
Das Guinness-Buch der Rekorde führt Ethel Granger (1905 – 1982) als die Frau mit der schmalsten, jemals gemessenen Taille mit einem Umfang von wahnsinnigen 33cm! In der Rubrik „Die schmalste Taille einer lebenden Frau“ hält bis heute Cathie Jung den Rekord mit 38 cm und die Dame hat das biblische Alter von 80 Jahren bereits überschritten!
So eine Passion kann auch gewaltig schief gehen, wie man am Beispiel einer jungen Pariserin aus dem 19. Jahrhundert sehen kann. Auch sie wurde wegen ihrer schmalen Taille von allen bewundert, bis sie eines Tages unerwartet mit nur 23 Jahren verstarb. Die Familie wollte wissen, woran das Mädchen gestorben war und ließ eine Obduktion durchführen. Der Befund war erschreckend: Gleich drei Rippen hatten die Leber durchbohrt! Und so stand auf dem Totenschein: Todesursache: Korsett!
Heute, in unserer modernen, schnelllebigen Welt, ist es sehr schwer ein Korsett in den Alltag zu integrieren. Wenn man sich darin wohlfühlt und schön findet, trägt Frau es vielleicht mal zu besonderen Anlässen, aber nicht mehr jeden Tag … es sei denn, Frau will einen neuen Rekord aufstellen … was nicht unbedingt ratsam ist, wenn man bei zu enthusiastischem Schnüren Gefahr läuft, dass einem der Dickdarm irgendwann um die Knie klatscht! Wenn man jedoch behutsam dabei zur Sache geht, hat eine schmale und fest verschnürte Taille durchaus etwas für sich, wenn man keine Lust hat, sich selbige durch Sport anzueignen…

Text: Nadja von der Hocht

Bild: Thylda [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Kajal

Der Kajal, oder auch Kohlestift oder Eyeliner, egal ob fest oder flüssig, ist heute fester Bestandteil der dekorativen Kosmetik und aus keinem Schminktäschchen mehr weg zu denken.
Der Brauch, sich die Augenlider schwarz zu umranden kommt tatsächlich aus der Steinzeit und hat ihren Ursprung in sehr heißen, sonnigen Ländern wie Indien, Arabien und Ägypten. Anfänglich wurden sich die Augen nicht bemalt, um sich schön zu finden, sondern aus ganz praktischen Gründen: die Öle, die in dem einfachen Kohlegemisch verwendet wurden, sollten Fliegen und andere Insekten vom Gesicht fernhalten. Außerdem hat die schwarze Farbe unter dem Auge, die Eigenschaft, Sonnenstrahlen zu absorbieren. So werden die Augen nicht geschädigt, wenn man seinen Blick längere Zeit durch die glühende Wüste schweifen läßt.
American-Football-Spieler greifen heute noch auf diesen Trick zurück, indem sie sich dicke, schwarze Balken unter das Auge malen. Jetzt darf man sich die Jungs allerdings nicht mit einem Handspiegel und einem filigranen Kajalstift in der groben Faust vorstellen, wie sie sich gegenseitig in der Umkleidekabine das Antlitz dekorieren, bevor sie aufs Spielfeld stürmen. Es gleicht eher einer Kriegsbemalung, die mit einer Paste, mittels zweier Finger in zwei Sekunden unter die Augen gewischt wird. Der Einfachheit halber wird auch schon mal zu ordinärer Schuhcreme gegriffen. Hauptsache, die Paste ist schwarz und hält während des ganzen Spiels die Sonnenstrahlen vom Auge fern.
Der Begriff „Kajal“ kommt übrigens aus der indischen Sprache Hindi. Indischer Kajal wird aus dem Ruß von verbranntem Butterschmalz hergestellt, welches für die Zeremonie des „Lebendigmachens“ in indischen Tempeln gebraucht wird. Die schwarze Paste wird der Statue der jeweiligen Göttin um die Augen gepinselt, um sie zu erwecken.
Die wohl ältesten Überlieferungen in Sachen Schminktipps für die Augen, kennen wir aus dem alten Ägypten. Auf unzähligen Wandmalereien, Statuen und anderen Kunstwerken kann man immer noch die kunstvoll, mit grüner oder schwarzer Farbe hervorgehobenen Augen der Pharaonen erkennen. Das schönste und faszinierendste Beispiel des altägyptischen Schönheitsideals ist die Büste der Königin Nofretete, die mit perfekt gezogenem Lidstrich in völliger Dunkelheit Jahrtausende lang geduldig ihren Entdeckern entgegenblickte.
Die Ägypter verwendeten Ruß und mischten Bleiglanz, Manganoxid, schwarzes Eisenoxid sowie Magnetit dazu. Um einen grünen Farbton zu bekommen, zerrieben sie den grünen Edelstein Malachit zu einem feinen Pulver, den sie unter die Mischung mengten. Diese durchaus giftige Kupferverbindung, hatte eine antiseptische Wirkung und sollte Augenkrankheiten vorbeugen. So wurde damals schon das Schöne mit dem Nützlichen verbunden.
Auch die letzte Pharaonin Ägyptens, die Königin Kleopatra VII. , wußte um die Wirkung ihrer stark betonten Augen. So ist es vielleicht nicht zuletzt dem Kajal zu verdanken, dass sich die Eroberung Ägyptens durch die Römer noch ein paar Jahre verzögert hat, als Julius Caesar zum ersten Mal vor der betörend geschminkten Ptolemäerin stand … der Rest ist Geschichte…
Der moderne Kajal-Stift besteht aus verschiedenen Pflanzenölen wie Mandel-, Kokosnuss- oder Jojobaöl. Dazu kommen Wachse wie Bienen-, Candelilla, und Carnaubawachs, sowie verschiedene Fette, Glycerin, Talkum, Glimmer, Vitamine, Kohle oder Eisenoxidpigmente.
Er ist entweder als Konturenstift erhältlich oder als Flüssigkeit, die mit einem feinen Pinsel aufgetragen wird und natürlich gibt es ihn nicht nur in grün oder schwarz, sondern in fast jeder beliebigen Farbe.
Er ist Grundbestandteil vom einfachen Tages – Make-up, über Abend- oder Disco-Make-up bis hin zu aufwendigen, malerischen Kunstwerken, die so mancher künstlerisch begabter Mensch auf seinem Gesicht entstehen lässt.

Foto: Nadja von der Hocht
Text: Nadja von der Hocht

Lolita-Mode

In den 1970-er Jahren ist in Japan ein interessanter Modestil entstanden, der sich aus verschiedenen Stilrichtungen wie dem Rokoko, dem viktorianischen Stil wie auch der Mode aus den 1950-er Jahren zusammensetzt und sich seither immer weiter entwickelt.
Die Rede ist vom Lolita-Stil, der sich sehr romantisch mit vielen Rüschen, bauschigen Röckchen, jeder Menge Spitze, Häubchen, Schleifen, Blümchen und Spangenschuhen präsentiert.
Der Begriff „Lolita“ ist in diesem Fall etwas irreführend, da die Vertreter dieser Stilrichtung nicht mit Kindfrauen oder dem Lolitakomplex in Verbindung zu bringen sind. Ihre Erscheinung soll keineswegs sexy wirken, sondern entweder niedlich oder elegant.
Die ursprüngliche Silhouette der Lolita bestand ganz bescheiden aus einem knielangen Kleidchen oder Rock, welches mithilfe eines Petticoats in die erstrebte Glockenform gebracht wurde. Mit der Zeit wurde dieser Look, der sehr an die 50-er erinnert, durch verschiedene andere Kleidungsstücke ergänzt: es werden Schnürkorsettes, Rüschenblusen, bodenlange Röcke, Kniestrümpfe, allerlei romantische bis witzige Kopfbedeckungen und Spangen- sowie Plateauschuhe getragen. Manche Kleidungsstücke erinnern mit ihren vielen Spitzen und Rüschen an Barock oder Rokoko.
Zur passenden Frisur gehört ein Pony, der die niedliche Optik unterstreichen soll, sowie Kopfschmuck wie spitzenbesetzte Haarbänder, Häubchen, Schleifen, Blumen oder Mini-Zylinder, die man schief aufsetzt. Dazu schleppt man Accessoires wie mit Spitze oder Rüschen besetzte Sonnenschirmchen, winzige Handtäschchen oder Puppen mit sich herum. Manche tragen auch Fächer oder Plüschtiere.
Dieser Look ist in Japan mittlerweile so populär, dass sich verschiedene Kleidungsstile entwickelt haben. Es gibt die „Classic Lolita“, die „Sweet Lolita“, die „Gothic Lolita“ oder die „Punk Lolita“ um nur einige zu nennen. Jede Menge Labels haben sich auf“ Lolita“ spezialisiert und man kann ihre Kleidung überall in Japan in ganz normalen Kaufhäusern erwerben.

Foto: Mian [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Lange Zähne

von Christopher Moore

Ja, man hat´s nicht leicht, so als neugeborener Vampir. Alles ist neu, alles ist anders und dauernd braucht man Hilfe von Sterblichen. Zum Beispiel, um eine Wohnung mit fensterlosem Schlafzimmer zu mieten, das abgeschleppte Auto aus der Verwahrstelle zu holen oder um andere Besorgungen zu erledigen, da Nachts ja selten was geöffnet hat und man pünktlich zum Sonnenaufgang aus den Latschen kippt, egal ob man gerade unter der Dusche steht…
„Lange Zähne“ ist ein erfrischend amüsanter Vampirroman, in dem mal kein glühender Vampir-Liebhaber oder eine keusche Teenager-Schönheit die Hauptrollen spielen.
Jody ist Mitte Zwanzig und hat auch nach ihrem plötzlichen und sehr unnatürlichen Tod mit allerlei weltlichen Problemen zu kämpfen. Sie würde auch alles ganz prima gebacken kriegen, wenn da nicht der Typ wäre, der sie überfallen, das Blut ausgesaugt und ihre Bluse mit lauter Hundert-Dollar-Scheinen vollgestopft hat und ihr ständig zu seinem Vergnügen Steine in den Weg legt, nur um zu sehen, wie sie damit fertig wird. Da landet dann schon mal eine überzählige Leiche in der Gefriertruhe…

Die Rose

Seit der griechischen Antike gilt die Rose als die Königin der Blumen. Die rote Rose steht seit dem Altertum als Symbol für Liebe, Freude und Jugendfrische und ihre Schönheit wurde gleich mehreren Göttinnen geweiht: unter anderen der griechischen Aphrodite, der ägyptischen Isis und der germanischen Freya.
Über die Rose wurden Lieder und Gedichte geschrieben, man findet sie in vielen Wappen und Städtenamen wieder und nicht wenige Mädchen und Frauen tragen noch heute die Rose in ihrem Namen.
Man unterscheidet zwischen Wildrosen und Kulturrosen. Letztere werden seit über 2000 Jahren als Zierpflanzen gezüchtet, deren Rosenöl, das man aus den Kronblättern gewinnt, noch heute ein wichtiger Grundstoff in der Parfumindustrie darstellt, während das bei der Gewinnung von Rosenöl anfallende Rosenwasser bei der Herstellung von Marzipan und Lebkuchen Verwendung findet.
Es existieren zwischen 100 und 250 verschiedene Arten von Rosen, alle verschieden in Form, Farbe und Gestalt. Manche duften, manche nicht, aber eines haben alle gemeinsam: sie sind die Krönung eines jeden Gartens.

Am besten pflanzt man Rosen schon im Herbst. So haben sie mehr Zeit, um anzuwachsen und man freut sich im Frühjahr schnell über die ersten Blüten. Um den besten Standort auszusuchen, wählt man eine Stelle, an der vorher noch keine Rosen gestanden haben, denn Rosen sind anfällig für Bodenmüdigkeit.
Die wurzelnackte Rose, die so ganz ohne Blätter und Blüten, aber ohne Ende Dornen ziemlich traurig aussieht, sollte vor dem Einpflanzen ordentlich gewässert werden. Dazu läßt man sie, am besten über Nacht, bis zur Veredlungsstelle im Wasser stehen, damit sie sich ordentlich vollsaugen kann.
Nach dem Wässern, schneidet man die Triebe auf etwa 20 Zentimeter zurück. Vorher entfernt man abgestorbene Triebe. Pro Trieb sollten danach noch mindestens fünf Knospen übrig sein.
Die Wurzeln untersucht man ebenfalls nach abgestorbenen Teilen und entfernt diese. Die restlichen Wurzeln kann man ein wenig kürzen, wobei man die ganz feinen Wurzeln aber nicht entfernen oder anschneiden darf.
Das Pflanzloch sollte ausreichend Platz für die langen, kräftigen Wurzeln der Rose haben. Es muss so tief sein, dass die Wurzeln nicht umknicken und die Veredlungsstelle ebenfalls mindestens fünf Zentimeter unter der Erde verschwunden ist.
Bevor man den Erdaushub wieder ins Pflanzloch füllt, kann man ihn vorher noch mit Hornspäne, Kompost oder lehmhaltiger Erde mischen. Rosen wachsen sehr gerne in lehmigem Boden.
Die aufgefüllte Erde sehr fest andrücken, zur Not den Fuß zu Hilfe nehmen, so daß keine Hohlräume im Boden zurück bleiben.
Es empfiehlt sich, um die Rose herum mit übriggebliebener Erde einen kleinen, kreisförmigen Wall zu errichten. So kann das Gießwasser direkt in der Nähe der Wurzeln einsickern und fließ nicht seitlich ab, um die nachbarliche ungewollte Spontanvegetation zu benetzen.
Immer darauf achten, dass die Rose genug Feuchtigkeit bekommt und nicht austrocknet.
Da nun der Winter vor der Tür steht und auch im Frühjahr noch mit Frost zu rechnen ist, werden die Triebe zirka 15 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt, um sie vor Bodenfrost und kaltem Wind zu schützen.
Sobald es wärmer wird und die Rose deutlich ausgetrieben ist, kann man den Erdhügel wieder entfernen.
Bald zeigen sich auch die ersten Knospen, die sich zu wunderschönen Blüten entwickeln werden, an denen man jeden Tag seine Freude hat.

Penne mit Tomaten-Zucchini-Soße

Nudeln mit Soße gehen eigentlich immer und es gibt unzählige Möglichkeiten, die Tomatensoße zu variieren. In diesem Fall bereiten wir sie mit Möhrchen und Zucchini zu.

 

Zutaten:

250 g Penne
eine dicke Zwiebel
drei bis vier große Möhren
eine Zucchini
zwei große Tomaten
zwei Packungen passierte Tomaten
Salz
Pfeffer
Olivenöl
(evtl. je nach Gusto einen Gemüsebrühwürfel)
geriebener Käse

Wir fangen mit der Soße an, den Tomatensoße darf gerne etwas länger einkochen. In einem mittelgroßen Topf, den Boden mit einem großzügigen Schluck Olivenöl bedecken und auf mittlere Hitze Stellen. Die Zwiebel schälen, in Würfel schneiden und in den Topf geben. Nicht anbrennen lassen, während man die Möhren schält und ebenfalls in Würfel schneidet. Die Würfel zu der Zwiebel geben und umrühren. Danach die Zucchini abwaschen, Strunk und Spitze entfernen und ebenfalls in große Würfel schneiden und in den Topf geben. Zwischendurch immer schön umrühren. Danach noch die Tomaten waschen, halbieren, die Stielansätze herausschneiden und ebenfalls gewürfelt zu dem anderen Gemüse in den Topf geben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Zuletzt noch die zwei Packungen passierte Tomaten in den Topf geben und alles schön miteinander vermengen. Die Hitze runter schalten und immer mal wieder umrühren. Wer möchte, kann die Soße mit einem Gemüsebrühwürfel aufpeppen …. Aber erst vorher probieren!
Während die Soße vor sich hin köchelt, in einem großen Topf Wasser mit etwas Salz und einem Schuß Öl erhitzen. Wenn das Wasser kocht, die Penne hineinschütten und nach Kochanweisung auf der Verpackung kochen lassen. Immer mal umrühren, damit nichts zusammenklebt. Nach ca. zehn bis elf Minuten sind die Nudeln meistens gar und die Soße hat lange genug gekocht. Das Kochwasser abschütten und die Nudeln auf einem tiefen Teller anrichten. Darüber einen oder zwei großzügige Löffel Soße geben und mit dem geriebenen Käse, den es in verschiedenen Variationen fertig im Beutel zu kaufen gibt, garnieren.
Guten Appetit!

Der Knastköter

Ich kann nicht einmal ansatzweise das Gefühl beschreiben, das einen überfällt, wenn man ahnungslos nach einem langen Gewaltmarsch mit dem eigenen Jagdhund nach Hause kommt und dann feststellt, daß der alte Pflegehund, um den man sich seit Monaten kümmert, spurlos verschwunden ist! Zuerst glaub man es nicht und schaut in jeder möglichen und unmöglichen Ecke nach, bis man endlich fassungslos vor dem Loch im Zaun steht, durch das es sich buchstäblich durchgefressen hat! Da hat sich der Drecksack also doch tatsächlich aus dem Staub gemacht. Ausgebrochen aus dem eigenen Zuhause, wo er sich doch so super in unser Rudel integriert hatte und sogar aufgehört hatte, die Katzen zu jagen. Weggelaufen aus heiterem Himmel… Der dir anvertraute Hund … einfach weg!
Nein, er war natürlich nicht einfach so weggelaufen. Er hatte einen guten Grund: er wäre auch gerne bei dem langen Marsch dabei gewesen. Aber weil er schon etwas betagt und nicht mehr der Fitteste ist, wollte mein Mann ihm die lange Strecke nicht zumuten. Zumal der alte und mittlerweile ziemlich sture Hund die Angewohnheit hat, sich einfach hinzulegen und nicht mehr von der Stelle zu bewegen ist, wenn er erschöpft ist und nicht mehr weiter kann. Mit ihm darf man nur noch kurze Strecken gehen.
Aber weil er schon mal auf unseren viel jüngeren Pauli eifersüchtig ist, die Zuneigung seines neuen Herrchens nicht teilen will und ständig Angst hat, etwas zu verpassen, hat er sich an diesem Tag beharrlich durch den Zaun gebissen, sich durch das Loch gezwängt und ist seinem Rudelführer hinterher gelaufen.
Sich durch den Zaun zu zwängen hat wohl etwas länger gedauert. Er ist ein ziemlich breit gebauter mallorquinischer Schäferhund-Collie-Landstraßen-Mischling und der Zaun wird ihn einige Zeit aufgehalten haben, denn leider hat er die beiden nicht eingeholt, sondern hat schon auf dem ersten Drittel der Strecke schlapp gemacht. Unglücklicherweise ist er nicht wieder nach Hause gelaufen, sondern ist im erst besten Gasthof an der Strecke eingekehrt, um zur Begrüßung erst einmal eine gehörige Stange Wasser direkt an der Theke abzustellen und dann auf dem kühlen Fliesenboden zusammenzubrechen.
Und jetzt kommt das Bedenkliche: Jeder in dieser Gegend kennt diesen Hund. Ganz besonders die Besitzer und die Stammgäste des besagten Lokals wissen sogar wie er heißt und wo er hingehört. Aber hat sich einer mal bei uns gemeldet? Mitnichten! Was stattdessen getan wurde, war sein Foto bei Facebook hoch und runter zu posten und sich die Finger auf dem Schmierhandy wund zu tippen, während wir verzweifelt durch die Straßen und Wälder gelaufen sind und nach dem Hund gerufen haben!
Als wir endlich auf die Idee kamen auch im Gasthof zu suchen, war der Tierfänger schon verständigt worden und hatte den Hund 10 Minuten vor unserem Eintreffen bereits einkassiert.
Jetzt wurde es schwierig, denn als nächstes führte uns unser Weg zur örtlichen Polizei. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß wir auf der schönen Balearen-Insel Mallorca wohnen und die spanische Polizei prinzipiell von uns Deutschen ziemlich angenervt ist, besonders während der Sommermonate. Also immer schön freundlich bleiben, egal wie aufgebracht man selbst gerade ist, sonst kommt man bei den Jungs nicht weit.
Mein Mann war immer noch sauer, weil es niemand der Bekannten und angeblichen Freunde es für nötig gehalten hatte, ihn vor dem Tierfänger anzurufen und überließ es mir bei dem einzigen Beamten in der kleinen Amtsstube der Policia Local nach dem Hund zu fragen.
Ja, da war in der Nähe der Urbanisación ein Hund eingefangen worden. Aber den könne man nicht herausgeben, bevor nicht geklärt ist, ob er gechipt ist und alle Impfungen hat. Ob wir denn seine Papiere dabei hätten. Öhm …. nö… die hatten wir nicht. Es war nicht vorgesehen, die irgendwem zeigen zu müssen. Der Hund gehörte seit ewigen Zeiten zum Haus in dem wir wohnten. Und alles drum herum reden und erklären, warum und wieso wir die Papiere nicht hatten und auch nicht wussten, wo wir danach suchen sollten, weil er ja gar nicht uns gehörte und die Besitzerin aber gerade in Deutschland im Krankenhaus war, nützte nichts. Der Beamte blieb hart. Bis neun Uhr heute Abend sei das Büro geöffnet und bis dahin könnten wir ja wieder kommen, wenn wir die Papiere gefunden hätten. Hasta luego und Adios.
Zurück an der frischen Luft erklärte ich meinem Mann erst einmal das Dilemma, weil er kaum Spanisch versteht und sowie so immer noch die ganze Zeit damit beschäftigt war, vor Wut nicht in Flammen aufzugehen, während ich vergebens versuchte, mit meinem eigens für solche Situationen einstudierten Hundeblick den Polzisten zu erweichen.
Was jetzt? Wir konnten den armen, alten Köter doch nicht im Knast verschimmeln lassen ….
(Auch wenn er es nicht anders verdient hatte, dieser sture, alte X%Y&Z§!!! Was läuft der auch einfach weg und ist dann auch noch so doof sich von fremden Menschen einfangen und abführen zu lassen anstatt einfach wieder nach Hause zu laufen!?!)
Wir fuhren erst mal nach Hause und versuchten Frauchen zu erreichen. Leider blieben unsere Anrufe unbeantwortet. Dann fiel uns zum Glück ein, dass der Dicke mal vor einiger Zeit Ferien auf einer Tierfinka gemacht hatte und hegten die Hoffnung, dass man dort vielleicht wusste, wo seine Papiere abgeblieben waren. Dort wurden wir tatsächlich fündig! Der Hund wurde damals zwar abgeholt, aber die Papiere sind dort geblieben, warum auch immer und waren zur Abholung bereit. Also wieder ab ins Auto und nach fast einer Stunde Fahrt erreichten wir die Finka mit der schwer einsehbaren Zufahrt und man händigte uns die Papiere aus. Mit dem Impfpass in der Hand düsten wir wieder zurück, denn man hatte uns ja versprochen, dass wir den Hund abholen könnten, wenn wir vor neun Uhr wieder da wären.
Zwanzig Minuten vor acht standen wir wieder auf der Wache und winkten fröhlich mit den Unterlagen. Nur saß diesmal ein anderer Beamter hinter dem Tresen und dem musste die Situation wieder neu erklärt werden. Er wusste nämlich nichts von einem entlaufenen Hund.
Er hängte sich sofort ans Telefon und irgendjemand am anderen Ende gab ihm Anweisungen, denn er fragte, was er mir jetzt sagen sollte. Als er wieder auflegte, eröffnete er uns, dass wir uns noch eine Stunde gedulden müssten, denn der Hund sei nach Manacor in die „Perrera“ verbracht worden! Außerdem sei noch eine „Multa“, eine Strafe von knapp 60 Euro fällig. Wenn wir also so gegen neun Uhr wieder kommen würden…
Ich gab mir Mühe mein liebenswürdigstes Lächeln im Gesicht fest zu tackern, gab ihm noch meine Telefonnummer, für alle Fälle und wir verabschiedeten uns erneut.
Wir waren noch nicht ganz zu Hause aus dem Auto ausgestiegen, als mein Handy klingelte und ein netter Herr vom Tierschutz sich entschuldigte, dass das mit dem Hund abholen heute nichts mehr wird. Die Polizei hätte mir zwar versprochen, ich könne ihn heute wieder haben, aber es sei schon zu spät. Er versicherte mir, dass es dem Hund gut ginge, er habe zu trinken und zu essen und morgen zu den üblichen Öffnungszeiten könne man den Hund dann auf der Polizeistation in Empfang nehmen.
Entmutigt legte ich auf. Der ganze Stress umsonst. Alles Abhetzen hatte nichts genützt, der arme Köter musste nun doch eine ganze Nacht und den nächsten halben Tag im „Knast“ verbringen, weil wir beide bis zum späten Nachmittag arbeiten mussten.
Am nächsten Tag, direkt nach der Arbeit, erschienen wir erneut auf der Wache, um einen dritten Beamten nach dem Hund zu fragen, der wieder von nichts wusste. Auch er hängte sich ans Telefon, ließ sich den Impfpass zeigen, dessen Inhalt er durch den Hörer diktierte und erhielt dann endlich vom anderen Ende der Leitung die Anweisung, uns den Hund auszuhändigen. Allerdings erst nach dem Blechen des Strafzettels, wegen fahrlässigem Ausbüxen lassen eines Hofhundes…
Er gab noch seinem Erstaunen Ausdruck, dass ihm niemand Bescheid gesagt hatte, dass bei ihnen ein Hund auf Abholung wartete. Bestimmt saß der Arme schon seit den frühen Morgenstunden in dem finsteren Loch und niemand hatte sich um ihn gekümmert, geschweige denn mal frisches Wasser hingestellt.
Wir folgten dem Beamten hinter die Wache, wo er sich an einem vergitterten und zweifach verrammelten Verschlag zu schaffen machte. Bevor er die Tür öffnete, bat er uns noch, den Hund direkt in Empfang zu nehmen, falls er bissig sei… Jetzt konnte ich mir ein Grinsen doch nicht verkneifen. Ich winkte ab, versprach ihm, er wäre friedlich und stellte mich vor die Tür. Der Beamte stellte sich seitlich zur Tür, öffnete sie und ein strubbeliger, fürchterlich nach Urin stinkender aber überglücklicher Filzball kam auf uns zu geschossen. Hat ihm wohl nicht gefallen, der Aufenthalt im Hundeknast, denn er hüpfte und tanzte so wild um uns herum, dass wir Mühe hatten, ihm die Leine anzulegen.
Der Beamte bemerkte wohlwollend, wie sehr der Hund sich freute uns wieder zu sehen. Er hatte auch einmal einen Hund. Aber jetzt wolle er nie wieder einen, denn als sein alter Rottweiler starb, verlor er damit ein Familienmitglied. Ich sah, wie er schluckte und erzählte ihm, dass das bei uns nicht anders sei. Alle unsere Tiere, und davon haben wir reichlich, sind wie Kinder für uns. Wenn eins davon stirbt oder getötet wird, ist das jedes Mal eine Tragödie. Wir sagen uns auch immer wieder: wenn der letzte vierbeinige Wegbegleiter von uns gegangen ist, kommt nie wieder ein Neues ins Haus! Aber sich daran zu halten ist schwierig…
Wir bedankten uns und beeilten uns, den stinkenden Hund ins Auto zu verfrachten.
Wieder zu Hause und nach einer gründlichen Dusche, um den Knastmief los zu werden, lag der alte Ausreißer wieder zufrieden schnarchend im Kreise seines Rudels und tat so, als wäre nichts gewesen, während mein Mann mit allem was er an dickem Draht finden konnte, sich daran machte, das bereits geflickte Loch im Zaun noch eine Runde ausbruchssicherer zu machen.

Text und Foto: Nadja von der Hocht

Die Feuer von Troia

von Marion Zimmer Bradley

„Die Feuer von Troia“ erzählt die Geschichte rund um den Trojanischen Krieg aus Sicht einer Frau. Und zwar nicht irgendeiner, sondern Prinzessin Kassandra, die Zwillingsschwester von Paris, der später Helena raubte und somit den Trojanischen Krieg auslöste, höchstpersönlich erzählt ihre Geschichte.
Kassandra entdeckt schon sehr früh ihre seherischen Fähigkeiten und wächst eine Zeitlang bei ihrer Tante Penthesilea, der Königin der letzten Amazonen auf. Später wird sie Priesterin im Tempel des Apoll. Kassandras Fluch ist es, daß sie zwar in die Zukunft sehen kann, ihr aber nie jemand Glauben schenkt, da ihre Voraussagen ausschließlich mit Tod und Krieg zu tun haben. So etwas wollen die Menschen nicht hören. Und so weiß sie immer schon Jahre vorher, was passieren wird, kann es aber nicht verhindern.
Marion Zimmer Bradley erzählt fesselnd von einer Zeit, in der sich langsam aber sicher der Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat vollzog und gibt uns einen spannenden Einblick in die Welt der alten Götter, die man mit Opfergaben milde stimmen musste.