Das Korsett

Welches romantisch veranlagte, junge Mädchen hat nicht mit ungebrochener Begeisterung die alten Sissi-Filme mit Romy Schneider verschlungen? Und zwar nicht unbedingt wegen der Story, sondern wegen der aufwendig ausgestatteten Kostüme! Die Darstellerinnen der Hofdamen, Prinzessinnen und nicht zuletzt der jungen Kaiserin selbst trugen in fast jeder Einstellung ein anderes, wunderschönes, taillenbetontes Kleid mit weitem, verschwenderisch ausgestattetem Reifrock.
Um so eine schöne Silhouette mit aufrechter Haltung und schmaler Taille hinzubekommen, haben die Damen von damals keineswegs Sport getrieben, stundenlang den Bauch eingezogen, Flachatmung geübt oder sich womöglich das üppige Festbankett verkniffen. Nein, nein, nein! Unter den vielen Lagen von sündhaft teurem Stoff wurde der Körper in ein Korsett gezwängt und so lange fest verschnürt, bis die gewünschte Körperform, die gerade der Mode und dem gängigen Schönheitsideal entsprach, erreicht wurde. Nicht das Gewand wurde auf den Körper geschneidert, sondern der Körper wurde dem Gewand angepasst. Denn manche Körperformen, die ab und an als schön galten, wären ohne ein formendes Korsett nicht umzusetzen gewesen.
Sehr lange bestimmte der strenge spanische Modestil, wie eine Dame auszusehen hatte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts erforderte die Mode ein Korsett, das den Oberkörper zu einem Konus formte. Der Körper wurde so verschnürt und an bestimmten Stellen ausgepolstert, dass der Dame die Brust flach gedrückt wurde und die Bauchpartie spitz zulief.
Zu welchem Zeitpunkt genau das Korsett in Mode kam, ist heute schwer nach zu vollziehen. Man erkennt auf alten Gemälden, die so um das Jahr 1530 entstanden sind und auf denen adelige Damen abgebildet wurden, daß sich wohl unter den Schichten Stoff, geschmückt mit Perlen, Spitze und Brokat ein formendes Korsett verbarg. Denn anders hätte man so einen, damals als schön und schicklich geltenden, kegelförmigen Oberkörper wohl nicht hin bekommen.
Der Wunsch nach einer möglichst schmalen Taille ist aber schon viel älter, denn die vermutlich älteste Erwähnung einer „Wespentaille“ fand man bei einem Bibliothekar der Fatimiden, einer islamischen Dynastie, die von 909 bis 1171 im Maghreb, in Syrien und Ägypten herrschte. Dort gibt es ein Gedicht zu lesen, das sich auf christliche Mädchen bezieht, die einen sogenannten „Christengrütel“ trugen. Die Verse in diesem Gedicht beschreiben die zierliche Gestalt und die zarte, wespengleiche Taille dieser Mädchen.
Also kann man wohl getrost davon ausgehen, dass es für Frauen und Mädchen von jeher erstrebenswert war, um die Mitte herum möglichst schmal zu erscheinen und dass sie sich auch schon in Zeiten, bevor das Korsett erfunden wurde, die breiten Gürtel möglichst eng geschnürt haben.
Das älteste noch erhaltene Korsett wurde im Grab der Eleonora von Toledo entdeckt. Sie war die zweite Tochter des spanischen Vizekönigs von Neapel, herrschte 23 Jahre lang als Herzogin über Florenz und starb 1562. Auch ihre Kleidung war üppig und verschwenderisch ausgestattet und man erkennt auf Gemälden von ihr, den für diese Zeit typischen, konisch geformten Oberkörper. Das Korsett, das sie bei ihrer Beerdigung trug, war mit Rohr versteift.
Im streng konservativen Spanien hielt man sehr lange an dieser Mode fest, während in den übrigen europäischen Ländern ab dem frühen Barock, so um 1620 bis 1650 die Mode einen langsamen aber stetigen Wandel durchlief. Die weibliche Brust wurde nicht mehr versteckt. Man trug jetzt Dekolleté. Die Brust wurde nicht mehr in hoch geschlossenen Kleidern plattgedrückt, sondern mit Hilfe des Korsetts nach oben gehoben und in offenherzigen, weit ausgeschnitten Kleidern zur Schau gestellt. Taille und Rockansatz wanderten ein ganzes Stück nach oben.
Während der Regentschaft des französischen Königs Ludwig XIV. (1638 – 1750, auch bekannt als der Sonnenkönig), etwa nach 1660, wurde die Taille immer schmaler, bis hin zur Wespentaille. Nicht nur eine schmale Taille, auch eine gerade Haltung war nun erwünscht, da die Damen und Herren bei Hofe oft stundenlang dekorativ in der Gegend herum stehen mussten. So half nun das Korsett, dank seiner immer stabiler werdenden Stützkonstruktion, zusätzlich dabei, sich nicht hängen zu lassen und Haltung zu bewahren.
Im Rokoko, ab ca. 1725 kam endlich der Reifrock hinzu. Die sehr breiten Ausführungen damals, mit denen man kaum noch durch die Tür kam, ließen die ohnehin schon sehr eng geschnürte Taille noch schmaler erscheinen.
Hundert Jahre später, so gegen 1828/29 wurden metallene Schnürösen erfunden und das Korsett bekam seinen ersten Vorderverschluss mit Haken und Ösen. Bis dahin war es nämlich sehr schwierig, sich ohne Hilfe in so ein Ding zu quetschen. Hatte die Dame des Hauses den Ehrgeiz, die schmalste Taille der Welt zu besitzen, war die Hilfe einer Zofe unverzichtbar, die mit aller Kraft an den Schnüren zerrte und auch schon mal den Fuß auf dem Gesäß der Herrin abstellte, um noch fester ziehen zu können. Mit den neuen metallenen Ösen an der Vorderseite, reichte es, das Korsett einmal auf die gewünschte Weite, bzw. Enge einzustellen und hinten feste zu verknoten. Der Verschluss vorne erlaubte es der Trägerin endlich, das Korsett auch alleine, ohne fremde Hilfe an- und abzulegen.
Zwischen 1830 und 1870 kam so langsam die bekannte „Sanduhrform“ auf, die auch heute noch als klassische Korsettform gilt: eine relativ große Hüft- und Oberweite bei möglichst kleiner Taillenweite. Die Hüfte selbst war vom Korsett zunächst nicht betroffen, da ja die Krinoline mit den weiten Röcken schon für möglichst viel Volumen sorgte. Auch schien es für nicht so schlimm empfunden worden zu sein, dass durch das enge Schnüren der Taille sämtliche Organe sich einen neuen Platz im Körper suchen mussten und notgedrungen in den Unterbauch wanderten, der dadurch unschön hervorquoll, was aber sorgsam durch die weiten Röcke versteckt wurde.
Erst als die Modelinie immer schmaler wurde, wurden auch die Korsetts nach unten hin länger und formten nun auch Hüfte und Bauch.
Gegen 1900 wurde das „S-Korsett“ entwickelt, das die Brust raus- und den Bauch reindrückte und leider eine sehr unnatürliche Körperhaltung erzwang. Knapp zehn Jahre später wurde es durch das Unterbrustkorsett abgelöst, um kurze Zeit später im Zuge der immer stärker werdenden Frauenbewegung völlig aus der Mode zu geraten.
Ab 1919 durften jetzt nämlich auch Frauen wählen, ein eigenes Bankkonto besitzen und einem Beruf nachgehen, was sie auch verstärkt taten. Und da so ein Korsett den Körper sehr in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt, wurde es für lange Zeit ersatzlos aus dem Kleiderschrank verbannt.
Heutzutage wird wieder ab und zu ein Korsett getragen… allerdings über der Kleidung als optischer Hingucker. In der Gothik-Szene ist es sehr beliebt oder als Arbeitsutensil für Dominas.,. Und obwohl zu allen Zeiten Ärzte vor zu übermäßigem Tragen und zu engem Schnüren des Korsetts gewarnt haben, können manche Mädels es nicht lassen ihre ganz eigene Challenge zu starten, wer denn die schmalste Taille hat.
Das Guinness-Buch der Rekorde führt Ethel Granger (1905 – 1982) als die Frau mit der schmalsten, jemals gemessenen Taille mit einem Umfang von wahnsinnigen 33cm! In der Rubrik „Die schmalste Taille einer lebenden Frau“ hält bis heute Cathie Jung den Rekord mit 38 cm und die Dame hat das biblische Alter von 80 Jahren bereits überschritten!
So eine Passion kann auch gewaltig schief gehen, wie man am Beispiel einer jungen Pariserin aus dem 19. Jahrhundert sehen kann. Auch sie wurde wegen ihrer schmalen Taille von allen bewundert, bis sie eines Tages unerwartet mit nur 23 Jahren verstarb. Die Familie wollte wissen, woran das Mädchen gestorben war und ließ eine Obduktion durchführen. Der Befund war erschreckend: Gleich drei Rippen hatten die Leber durchbohrt! Und so stand auf dem Totenschein: Todesursache: Korsett!
Heute, in unserer modernen, schnelllebigen Welt, ist es sehr schwer ein Korsett in den Alltag zu integrieren. Wenn man sich darin wohlfühlt und schön findet, trägt Frau es vielleicht mal zu besonderen Anlässen, aber nicht mehr jeden Tag … es sei denn, Frau will einen neuen Rekord aufstellen … was nicht unbedingt ratsam ist, wenn man bei zu enthusiastischem Schnüren Gefahr läuft, dass einem der Dickdarm irgendwann um die Knie klatscht! Wenn man jedoch behutsam dabei zur Sache geht, hat eine schmale und fest verschnürte Taille durchaus etwas für sich, wenn man keine Lust hat, sich selbige durch Sport anzueignen…

Text: Nadja von der Hocht

Bild: Thylda [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Kajal

Der Kajal, oder auch Kohlestift oder Eyeliner, egal ob fest oder flüssig, ist heute fester Bestandteil der dekorativen Kosmetik und aus keinem Schminktäschchen mehr weg zu denken.
Der Brauch, sich die Augenlider schwarz zu umranden kommt tatsächlich aus der Steinzeit und hat ihren Ursprung in sehr heißen, sonnigen Ländern wie Indien, Arabien und Ägypten. Anfänglich wurden sich die Augen nicht bemalt, um sich schön zu finden, sondern aus ganz praktischen Gründen: die Öle, die in dem einfachen Kohlegemisch verwendet wurden, sollten Fliegen und andere Insekten vom Gesicht fernhalten. Außerdem hat die schwarze Farbe unter dem Auge, die Eigenschaft, Sonnenstrahlen zu absorbieren. So werden die Augen nicht geschädigt, wenn man seinen Blick längere Zeit durch die glühende Wüste schweifen läßt.
American-Football-Spieler greifen heute noch auf diesen Trick zurück, indem sie sich dicke, schwarze Balken unter das Auge malen. Jetzt darf man sich die Jungs allerdings nicht mit einem Handspiegel und einem filigranen Kajalstift in der groben Faust vorstellen, wie sie sich gegenseitig in der Umkleidekabine das Antlitz dekorieren, bevor sie aufs Spielfeld stürmen. Es gleicht eher einer Kriegsbemalung, die mit einer Paste, mittels zweier Finger in zwei Sekunden unter die Augen gewischt wird. Der Einfachheit halber wird auch schon mal zu ordinärer Schuhcreme gegriffen. Hauptsache, die Paste ist schwarz und hält während des ganzen Spiels die Sonnenstrahlen vom Auge fern.
Der Begriff „Kajal“ kommt übrigens aus der indischen Sprache Hindi. Indischer Kajal wird aus dem Ruß von verbranntem Butterschmalz hergestellt, welches für die Zeremonie des „Lebendigmachens“ in indischen Tempeln gebraucht wird. Die schwarze Paste wird der Statue der jeweiligen Göttin um die Augen gepinselt, um sie zu erwecken.
Die wohl ältesten Überlieferungen in Sachen Schminktipps für die Augen, kennen wir aus dem alten Ägypten. Auf unzähligen Wandmalereien, Statuen und anderen Kunstwerken kann man immer noch die kunstvoll, mit grüner oder schwarzer Farbe hervorgehobenen Augen der Pharaonen erkennen. Das schönste und faszinierendste Beispiel des altägyptischen Schönheitsideals ist die Büste der Königin Nofretete, die mit perfekt gezogenem Lidstrich in völliger Dunkelheit Jahrtausende lang geduldig ihren Entdeckern entgegenblickte.
Die Ägypter verwendeten Ruß und mischten Bleiglanz, Manganoxid, schwarzes Eisenoxid sowie Magnetit dazu. Um einen grünen Farbton zu bekommen, zerrieben sie den grünen Edelstein Malachit zu einem feinen Pulver, den sie unter die Mischung mengten. Diese durchaus giftige Kupferverbindung, hatte eine antiseptische Wirkung und sollte Augenkrankheiten vorbeugen. So wurde damals schon das Schöne mit dem Nützlichen verbunden.
Auch die letzte Pharaonin Ägyptens, die Königin Kleopatra VII. , wußte um die Wirkung ihrer stark betonten Augen. So ist es vielleicht nicht zuletzt dem Kajal zu verdanken, dass sich die Eroberung Ägyptens durch die Römer noch ein paar Jahre verzögert hat, als Julius Caesar zum ersten Mal vor der betörend geschminkten Ptolemäerin stand … der Rest ist Geschichte…
Der moderne Kajal-Stift besteht aus verschiedenen Pflanzenölen wie Mandel-, Kokosnuss- oder Jojobaöl. Dazu kommen Wachse wie Bienen-, Candelilla, und Carnaubawachs, sowie verschiedene Fette, Glycerin, Talkum, Glimmer, Vitamine, Kohle oder Eisenoxidpigmente.
Er ist entweder als Konturenstift erhältlich oder als Flüssigkeit, die mit einem feinen Pinsel aufgetragen wird und natürlich gibt es ihn nicht nur in grün oder schwarz, sondern in fast jeder beliebigen Farbe.
Er ist Grundbestandteil vom einfachen Tages – Make-up, über Abend- oder Disco-Make-up bis hin zu aufwendigen, malerischen Kunstwerken, die so mancher künstlerisch begabter Mensch auf seinem Gesicht entstehen lässt.

Foto: Nadja von der Hocht
Text: Nadja von der Hocht

Lolita-Mode

In den 1970-er Jahren ist in Japan ein interessanter Modestil entstanden, der sich aus verschiedenen Stilrichtungen wie dem Rokoko, dem viktorianischen Stil wie auch der Mode aus den 1950-er Jahren zusammensetzt und sich seither immer weiter entwickelt.
Die Rede ist vom Lolita-Stil, der sich sehr romantisch mit vielen Rüschen, bauschigen Röckchen, jeder Menge Spitze, Häubchen, Schleifen, Blümchen und Spangenschuhen präsentiert.
Der Begriff „Lolita“ ist in diesem Fall etwas irreführend, da die Vertreter dieser Stilrichtung nicht mit Kindfrauen oder dem Lolitakomplex in Verbindung zu bringen sind. Ihre Erscheinung soll keineswegs sexy wirken, sondern entweder niedlich oder elegant.
Die ursprüngliche Silhouette der Lolita bestand ganz bescheiden aus einem knielangen Kleidchen oder Rock, welches mithilfe eines Petticoats in die erstrebte Glockenform gebracht wurde. Mit der Zeit wurde dieser Look, der sehr an die 50-er erinnert, durch verschiedene andere Kleidungsstücke ergänzt: es werden Schnürkorsettes, Rüschenblusen, bodenlange Röcke, Kniestrümpfe, allerlei romantische bis witzige Kopfbedeckungen und Spangen- sowie Plateauschuhe getragen. Manche Kleidungsstücke erinnern mit ihren vielen Spitzen und Rüschen an Barock oder Rokoko.
Zur passenden Frisur gehört ein Pony, der die niedliche Optik unterstreichen soll, sowie Kopfschmuck wie spitzenbesetzte Haarbänder, Häubchen, Schleifen, Blumen oder Mini-Zylinder, die man schief aufsetzt. Dazu schleppt man Accessoires wie mit Spitze oder Rüschen besetzte Sonnenschirmchen, winzige Handtäschchen oder Puppen mit sich herum. Manche tragen auch Fächer oder Plüschtiere.
Dieser Look ist in Japan mittlerweile so populär, dass sich verschiedene Kleidungsstile entwickelt haben. Es gibt die „Classic Lolita“, die „Sweet Lolita“, die „Gothic Lolita“ oder die „Punk Lolita“ um nur einige zu nennen. Jede Menge Labels haben sich auf“ Lolita“ spezialisiert und man kann ihre Kleidung überall in Japan in ganz normalen Kaufhäusern erwerben.

Foto: Mian [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Lange Zähne

von Christopher Moore

Ja, man hat´s nicht leicht, so als neugeborener Vampir. Alles ist neu, alles ist anders und dauernd braucht man Hilfe von Sterblichen. Zum Beispiel, um eine Wohnung mit fensterlosem Schlafzimmer zu mieten, das abgeschleppte Auto aus der Verwahrstelle zu holen oder um andere Besorgungen zu erledigen, da Nachts ja selten was geöffnet hat und man pünktlich zum Sonnenaufgang aus den Latschen kippt, egal ob man gerade unter der Dusche steht…
„Lange Zähne“ ist ein erfrischend amüsanter Vampirroman, in dem mal kein glühender Vampir-Liebhaber oder eine keusche Teenager-Schönheit die Hauptrollen spielen.
Jody ist Mitte Zwanzig und hat auch nach ihrem plötzlichen und sehr unnatürlichen Tod mit allerlei weltlichen Problemen zu kämpfen. Sie würde auch alles ganz prima gebacken kriegen, wenn da nicht der Typ wäre, der sie überfallen, das Blut ausgesaugt und ihre Bluse mit lauter Hundert-Dollar-Scheinen vollgestopft hat und ihr ständig zu seinem Vergnügen Steine in den Weg legt, nur um zu sehen, wie sie damit fertig wird. Da landet dann schon mal eine überzählige Leiche in der Gefriertruhe…

Die Rose

Seit der griechischen Antike gilt die Rose als die Königin der Blumen. Die rote Rose steht seit dem Altertum als Symbol für Liebe, Freude und Jugendfrische und ihre Schönheit wurde gleich mehreren Göttinnen geweiht: unter anderen der griechischen Aphrodite, der ägyptischen Isis und der germanischen Freya.
Über die Rose wurden Lieder und Gedichte geschrieben, man findet sie in vielen Wappen und Städtenamen wieder und nicht wenige Mädchen und Frauen tragen noch heute die Rose in ihrem Namen.
Man unterscheidet zwischen Wildrosen und Kulturrosen. Letztere werden seit über 2000 Jahren als Zierpflanzen gezüchtet, deren Rosenöl, das man aus den Kronblättern gewinnt, noch heute ein wichtiger Grundstoff in der Parfumindustrie darstellt, während das bei der Gewinnung von Rosenöl anfallende Rosenwasser bei der Herstellung von Marzipan und Lebkuchen Verwendung findet.
Es existieren zwischen 100 und 250 verschiedene Arten von Rosen, alle verschieden in Form, Farbe und Gestalt. Manche duften, manche nicht, aber eines haben alle gemeinsam: sie sind die Krönung eines jeden Gartens.

Am besten pflanzt man Rosen schon im Herbst. So haben sie mehr Zeit, um anzuwachsen und man freut sich im Frühjahr schnell über die ersten Blüten. Um den besten Standort auszusuchen, wählt man eine Stelle, an der vorher noch keine Rosen gestanden haben, denn Rosen sind anfällig für Bodenmüdigkeit.
Die wurzelnackte Rose, die so ganz ohne Blätter und Blüten, aber ohne Ende Dornen ziemlich traurig aussieht, sollte vor dem Einpflanzen ordentlich gewässert werden. Dazu läßt man sie, am besten über Nacht, bis zur Veredlungsstelle im Wasser stehen, damit sie sich ordentlich vollsaugen kann.
Nach dem Wässern, schneidet man die Triebe auf etwa 20 Zentimeter zurück. Vorher entfernt man abgestorbene Triebe. Pro Trieb sollten danach noch mindestens fünf Knospen übrig sein.
Die Wurzeln untersucht man ebenfalls nach abgestorbenen Teilen und entfernt diese. Die restlichen Wurzeln kann man ein wenig kürzen, wobei man die ganz feinen Wurzeln aber nicht entfernen oder anschneiden darf.
Das Pflanzloch sollte ausreichend Platz für die langen, kräftigen Wurzeln der Rose haben. Es muss so tief sein, dass die Wurzeln nicht umknicken und die Veredlungsstelle ebenfalls mindestens fünf Zentimeter unter der Erde verschwunden ist.
Bevor man den Erdaushub wieder ins Pflanzloch füllt, kann man ihn vorher noch mit Hornspäne, Kompost oder lehmhaltiger Erde mischen. Rosen wachsen sehr gerne in lehmigem Boden.
Die aufgefüllte Erde sehr fest andrücken, zur Not den Fuß zu Hilfe nehmen, so daß keine Hohlräume im Boden zurück bleiben.
Es empfiehlt sich, um die Rose herum mit übriggebliebener Erde einen kleinen, kreisförmigen Wall zu errichten. So kann das Gießwasser direkt in der Nähe der Wurzeln einsickern und fließ nicht seitlich ab, um die nachbarliche ungewollte Spontanvegetation zu benetzen.
Immer darauf achten, dass die Rose genug Feuchtigkeit bekommt und nicht austrocknet.
Da nun der Winter vor der Tür steht und auch im Frühjahr noch mit Frost zu rechnen ist, werden die Triebe zirka 15 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt, um sie vor Bodenfrost und kaltem Wind zu schützen.
Sobald es wärmer wird und die Rose deutlich ausgetrieben ist, kann man den Erdhügel wieder entfernen.
Bald zeigen sich auch die ersten Knospen, die sich zu wunderschönen Blüten entwickeln werden, an denen man jeden Tag seine Freude hat.

Penne mit Tomaten-Zucchini-Soße

Nudeln mit Soße gehen eigentlich immer und es gibt unzählige Möglichkeiten, die Tomatensoße zu variieren. In diesem Fall bereiten wir sie mit Möhrchen und Zucchini zu.

 

Zutaten:

250 g Penne
eine dicke Zwiebel
drei bis vier große Möhren
eine Zucchini
zwei große Tomaten
zwei Packungen passierte Tomaten
Salz
Pfeffer
Olivenöl
(evtl. je nach Gusto einen Gemüsebrühwürfel)
geriebener Käse

Wir fangen mit der Soße an, den Tomatensoße darf gerne etwas länger einkochen. In einem mittelgroßen Topf, den Boden mit einem großzügigen Schluck Olivenöl bedecken und auf mittlere Hitze Stellen. Die Zwiebel schälen, in Würfel schneiden und in den Topf geben. Nicht anbrennen lassen, während man die Möhren schält und ebenfalls in Würfel schneidet. Die Würfel zu der Zwiebel geben und umrühren. Danach die Zucchini abwaschen, Strunk und Spitze entfernen und ebenfalls in große Würfel schneiden und in den Topf geben. Zwischendurch immer schön umrühren. Danach noch die Tomaten waschen, halbieren, die Stielansätze herausschneiden und ebenfalls gewürfelt zu dem anderen Gemüse in den Topf geben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Zuletzt noch die zwei Packungen passierte Tomaten in den Topf geben und alles schön miteinander vermengen. Die Hitze runter schalten und immer mal wieder umrühren. Wer möchte, kann die Soße mit einem Gemüsebrühwürfel aufpeppen …. Aber erst vorher probieren!
Während die Soße vor sich hin köchelt, in einem großen Topf Wasser mit etwas Salz und einem Schuß Öl erhitzen. Wenn das Wasser kocht, die Penne hineinschütten und nach Kochanweisung auf der Verpackung kochen lassen. Immer mal umrühren, damit nichts zusammenklebt. Nach ca. zehn bis elf Minuten sind die Nudeln meistens gar und die Soße hat lange genug gekocht. Das Kochwasser abschütten und die Nudeln auf einem tiefen Teller anrichten. Darüber einen oder zwei großzügige Löffel Soße geben und mit dem geriebenen Käse, den es in verschiedenen Variationen fertig im Beutel zu kaufen gibt, garnieren.
Guten Appetit!

Der Knastköter

Ich kann nicht einmal ansatzweise das Gefühl beschreiben, das einen überfällt, wenn man ahnungslos nach einem langen Gewaltmarsch mit dem eigenen Jagdhund nach Hause kommt und dann feststellt, daß der alte Pflegehund, um den man sich seit Monaten kümmert, spurlos verschwunden ist! Zuerst glaub man es nicht und schaut in jeder möglichen und unmöglichen Ecke nach, bis man endlich fassungslos vor dem Loch im Zaun steht, durch das es sich buchstäblich durchgefressen hat! Da hat sich der Drecksack also doch tatsächlich aus dem Staub gemacht. Ausgebrochen aus dem eigenen Zuhause, wo er sich doch so super in unser Rudel integriert hatte und sogar aufgehört hatte, die Katzen zu jagen. Weggelaufen aus heiterem Himmel… Der dir anvertraute Hund … einfach weg!
Nein, er war natürlich nicht einfach so weggelaufen. Er hatte einen guten Grund: er wäre auch gerne bei dem langen Marsch dabei gewesen. Aber weil er schon etwas betagt und nicht mehr der Fitteste ist, wollte mein Mann ihm die lange Strecke nicht zumuten. Zumal der alte und mittlerweile ziemlich sture Hund die Angewohnheit hat, sich einfach hinzulegen und nicht mehr von der Stelle zu bewegen ist, wenn er erschöpft ist und nicht mehr weiter kann. Mit ihm darf man nur noch kurze Strecken gehen.
Aber weil er schon mal auf unseren viel jüngeren Pauli eifersüchtig ist, die Zuneigung seines neuen Herrchens nicht teilen will und ständig Angst hat, etwas zu verpassen, hat er sich an diesem Tag beharrlich durch den Zaun gebissen, sich durch das Loch gezwängt und ist seinem Rudelführer hinterher gelaufen.
Sich durch den Zaun zu zwängen hat wohl etwas länger gedauert. Er ist ein ziemlich breit gebauter mallorquinischer Schäferhund-Collie-Landstraßen-Mischling und der Zaun wird ihn einige Zeit aufgehalten haben, denn leider hat er die beiden nicht eingeholt, sondern hat schon auf dem ersten Drittel der Strecke schlapp gemacht. Unglücklicherweise ist er nicht wieder nach Hause gelaufen, sondern ist im erst besten Gasthof an der Strecke eingekehrt, um zur Begrüßung erst einmal eine gehörige Stange Wasser direkt an der Theke abzustellen und dann auf dem kühlen Fliesenboden zusammenzubrechen.
Und jetzt kommt das Bedenkliche: Jeder in dieser Gegend kennt diesen Hund. Ganz besonders die Besitzer und die Stammgäste des besagten Lokals wissen sogar wie er heißt und wo er hingehört. Aber hat sich einer mal bei uns gemeldet? Mitnichten! Was stattdessen getan wurde, war sein Foto bei Facebook hoch und runter zu posten und sich die Finger auf dem Schmierhandy wund zu tippen, während wir verzweifelt durch die Straßen und Wälder gelaufen sind und nach dem Hund gerufen haben!
Als wir endlich auf die Idee kamen auch im Gasthof zu suchen, war der Tierfänger schon verständigt worden und hatte den Hund 10 Minuten vor unserem Eintreffen bereits einkassiert.
Jetzt wurde es schwierig, denn als nächstes führte uns unser Weg zur örtlichen Polizei. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß wir auf der schönen Balearen-Insel Mallorca wohnen und die spanische Polizei prinzipiell von uns Deutschen ziemlich angenervt ist, besonders während der Sommermonate. Also immer schön freundlich bleiben, egal wie aufgebracht man selbst gerade ist, sonst kommt man bei den Jungs nicht weit.
Mein Mann war immer noch sauer, weil es niemand der Bekannten und angeblichen Freunde es für nötig gehalten hatte, ihn vor dem Tierfänger anzurufen und überließ es mir bei dem einzigen Beamten in der kleinen Amtsstube der Policia Local nach dem Hund zu fragen.
Ja, da war in der Nähe der Urbanisación ein Hund eingefangen worden. Aber den könne man nicht herausgeben, bevor nicht geklärt ist, ob er gechipt ist und alle Impfungen hat. Ob wir denn seine Papiere dabei hätten. Öhm …. nö… die hatten wir nicht. Es war nicht vorgesehen, die irgendwem zeigen zu müssen. Der Hund gehörte seit ewigen Zeiten zum Haus in dem wir wohnten. Und alles drum herum reden und erklären, warum und wieso wir die Papiere nicht hatten und auch nicht wussten, wo wir danach suchen sollten, weil er ja gar nicht uns gehörte und die Besitzerin aber gerade in Deutschland im Krankenhaus war, nützte nichts. Der Beamte blieb hart. Bis neun Uhr heute Abend sei das Büro geöffnet und bis dahin könnten wir ja wieder kommen, wenn wir die Papiere gefunden hätten. Hasta luego und Adios.
Zurück an der frischen Luft erklärte ich meinem Mann erst einmal das Dilemma, weil er kaum Spanisch versteht und sowie so immer noch die ganze Zeit damit beschäftigt war, vor Wut nicht in Flammen aufzugehen, während ich vergebens versuchte, mit meinem eigens für solche Situationen einstudierten Hundeblick den Polzisten zu erweichen.
Was jetzt? Wir konnten den armen, alten Köter doch nicht im Knast verschimmeln lassen ….
(Auch wenn er es nicht anders verdient hatte, dieser sture, alte X%Y&Z§!!! Was läuft der auch einfach weg und ist dann auch noch so doof sich von fremden Menschen einfangen und abführen zu lassen anstatt einfach wieder nach Hause zu laufen!?!)
Wir fuhren erst mal nach Hause und versuchten Frauchen zu erreichen. Leider blieben unsere Anrufe unbeantwortet. Dann fiel uns zum Glück ein, dass der Dicke mal vor einiger Zeit Ferien auf einer Tierfinka gemacht hatte und hegten die Hoffnung, dass man dort vielleicht wusste, wo seine Papiere abgeblieben waren. Dort wurden wir tatsächlich fündig! Der Hund wurde damals zwar abgeholt, aber die Papiere sind dort geblieben, warum auch immer und waren zur Abholung bereit. Also wieder ab ins Auto und nach fast einer Stunde Fahrt erreichten wir die Finka mit der schwer einsehbaren Zufahrt und man händigte uns die Papiere aus. Mit dem Impfpass in der Hand düsten wir wieder zurück, denn man hatte uns ja versprochen, dass wir den Hund abholen könnten, wenn wir vor neun Uhr wieder da wären.
Zwanzig Minuten vor acht standen wir wieder auf der Wache und winkten fröhlich mit den Unterlagen. Nur saß diesmal ein anderer Beamter hinter dem Tresen und dem musste die Situation wieder neu erklärt werden. Er wusste nämlich nichts von einem entlaufenen Hund.
Er hängte sich sofort ans Telefon und irgendjemand am anderen Ende gab ihm Anweisungen, denn er fragte, was er mir jetzt sagen sollte. Als er wieder auflegte, eröffnete er uns, dass wir uns noch eine Stunde gedulden müssten, denn der Hund sei nach Manacor in die „Perrera“ verbracht worden! Außerdem sei noch eine „Multa“, eine Strafe von knapp 60 Euro fällig. Wenn wir also so gegen neun Uhr wieder kommen würden…
Ich gab mir Mühe mein liebenswürdigstes Lächeln im Gesicht fest zu tackern, gab ihm noch meine Telefonnummer, für alle Fälle und wir verabschiedeten uns erneut.
Wir waren noch nicht ganz zu Hause aus dem Auto ausgestiegen, als mein Handy klingelte und ein netter Herr vom Tierschutz sich entschuldigte, dass das mit dem Hund abholen heute nichts mehr wird. Die Polizei hätte mir zwar versprochen, ich könne ihn heute wieder haben, aber es sei schon zu spät. Er versicherte mir, dass es dem Hund gut ginge, er habe zu trinken und zu essen und morgen zu den üblichen Öffnungszeiten könne man den Hund dann auf der Polizeistation in Empfang nehmen.
Entmutigt legte ich auf. Der ganze Stress umsonst. Alles Abhetzen hatte nichts genützt, der arme Köter musste nun doch eine ganze Nacht und den nächsten halben Tag im „Knast“ verbringen, weil wir beide bis zum späten Nachmittag arbeiten mussten.
Am nächsten Tag, direkt nach der Arbeit, erschienen wir erneut auf der Wache, um einen dritten Beamten nach dem Hund zu fragen, der wieder von nichts wusste. Auch er hängte sich ans Telefon, ließ sich den Impfpass zeigen, dessen Inhalt er durch den Hörer diktierte und erhielt dann endlich vom anderen Ende der Leitung die Anweisung, uns den Hund auszuhändigen. Allerdings erst nach dem Blechen des Strafzettels, wegen fahrlässigem Ausbüxen lassen eines Hofhundes…
Er gab noch seinem Erstaunen Ausdruck, dass ihm niemand Bescheid gesagt hatte, dass bei ihnen ein Hund auf Abholung wartete. Bestimmt saß der Arme schon seit den frühen Morgenstunden in dem finsteren Loch und niemand hatte sich um ihn gekümmert, geschweige denn mal frisches Wasser hingestellt.
Wir folgten dem Beamten hinter die Wache, wo er sich an einem vergitterten und zweifach verrammelten Verschlag zu schaffen machte. Bevor er die Tür öffnete, bat er uns noch, den Hund direkt in Empfang zu nehmen, falls er bissig sei… Jetzt konnte ich mir ein Grinsen doch nicht verkneifen. Ich winkte ab, versprach ihm, er wäre friedlich und stellte mich vor die Tür. Der Beamte stellte sich seitlich zur Tür, öffnete sie und ein strubbeliger, fürchterlich nach Urin stinkender aber überglücklicher Filzball kam auf uns zu geschossen. Hat ihm wohl nicht gefallen, der Aufenthalt im Hundeknast, denn er hüpfte und tanzte so wild um uns herum, dass wir Mühe hatten, ihm die Leine anzulegen.
Der Beamte bemerkte wohlwollend, wie sehr der Hund sich freute uns wieder zu sehen. Er hatte auch einmal einen Hund. Aber jetzt wolle er nie wieder einen, denn als sein alter Rottweiler starb, verlor er damit ein Familienmitglied. Ich sah, wie er schluckte und erzählte ihm, dass das bei uns nicht anders sei. Alle unsere Tiere, und davon haben wir reichlich, sind wie Kinder für uns. Wenn eins davon stirbt oder getötet wird, ist das jedes Mal eine Tragödie. Wir sagen uns auch immer wieder: wenn der letzte vierbeinige Wegbegleiter von uns gegangen ist, kommt nie wieder ein Neues ins Haus! Aber sich daran zu halten ist schwierig…
Wir bedankten uns und beeilten uns, den stinkenden Hund ins Auto zu verfrachten.
Wieder zu Hause und nach einer gründlichen Dusche, um den Knastmief los zu werden, lag der alte Ausreißer wieder zufrieden schnarchend im Kreise seines Rudels und tat so, als wäre nichts gewesen, während mein Mann mit allem was er an dickem Draht finden konnte, sich daran machte, das bereits geflickte Loch im Zaun noch eine Runde ausbruchssicherer zu machen.

Text und Foto: Nadja von der Hocht

Die Feuer von Troia

von Marion Zimmer Bradley

„Die Feuer von Troia“ erzählt die Geschichte rund um den Trojanischen Krieg aus Sicht einer Frau. Und zwar nicht irgendeiner, sondern Prinzessin Kassandra, die Zwillingsschwester von Paris, der später Helena raubte und somit den Trojanischen Krieg auslöste, höchstpersönlich erzählt ihre Geschichte.
Kassandra entdeckt schon sehr früh ihre seherischen Fähigkeiten und wächst eine Zeitlang bei ihrer Tante Penthesilea, der Königin der letzten Amazonen auf. Später wird sie Priesterin im Tempel des Apoll. Kassandras Fluch ist es, daß sie zwar in die Zukunft sehen kann, ihr aber nie jemand Glauben schenkt, da ihre Voraussagen ausschließlich mit Tod und Krieg zu tun haben. So etwas wollen die Menschen nicht hören. Und so weiß sie immer schon Jahre vorher, was passieren wird, kann es aber nicht verhindern.
Marion Zimmer Bradley erzählt fesselnd von einer Zeit, in der sich langsam aber sicher der Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat vollzog und gibt uns einen spannenden Einblick in die Welt der alten Götter, die man mit Opfergaben milde stimmen musste.

Der Heuschreck

Neulich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen einer Horde Jungs zwischen grob geschätzten acht bis zwölf Jahren beim Spielen und Toben zuzusehen … und gezwungener Maßen auch zuzuhören! Die machten vielleicht einen Lärm! Kaum einer war in der Lage, sein Anliegen gesittet den Mitstreitern vorzutragen. Es wurde nur gebrüllt und geflucht. Sie jagten abwechselnd sich gegenseitig und bolzten zwischendurch einen schon ziemlich malträtierten, grünen Fußball über den Spielplatz. Ich hatte gerade versucht den Lärmpegel in die Kategorie „weißes Rauschen“ einzuordnen, als es plötzlich still wurde. Sieben Jungs, die alle gleichzeitig still sind? Das war verdächtig. Ich sah mich nach ihnen um und entdeckte sie an einer Mauer, wie sie etwas Kleines, das ich nicht erkennen konnte, umzingelten. Das kleine Ding bewegte sich und sofort stoben alle erschreckt und kreischend auseinander. Aber nicht lange. Sie kamen zurück, um es erneut zu umzingeln und ausgerechnet der Kleinste von ihnen hob einen Stein auf, um das winzige Etwas damit zu bewerfen. An der Stelle hatte ich genug beobachtet. Ich ging auf die kleinen Monster zu.
Normalerweise halte ich zu Kindern, besonders wenn sie so zahlreich auftreten, einen gesunden Abstand. Sie sind mir einfach zu laut, hören nie zu, fassen alles an, fragen nicht, gehorchen nicht, machen alles dreckig, sind frech und unverschämt, Grüßen nicht … kurz gesagt, ich habe Hunde, die höflicher und besser erzogen sind, als so manches Menschenkind, dass da draußen den Großteil des Tages sich selbst überlassen wird. Wobei ich an dieser Stelle vielleicht noch erwähnen sollte, dass sich meine Erfahrungen in letzter Zeit fast ausschließlich auf spanische Kinder beziehen.
Trotz meiner Vorbehalte und der Befürchtung, dass ich gleich Opfer frecher, lästiger, kindischer Attacken werden würde, bewegte ich mich also auf die Gruppe zu und erkannte beim Näherkommen ein kleines Insekt auf dem Boden sitzen. Während ich noch schnellen, entschlossenen Schrittes auf das Geschehen zuging, hatte der Jüngste von allen noch Zeit dreimal auf das Tier mit Steinen zu zielen und zu treffen. Ich bahnte mir einen Weg durch das Getümmel, bückte mich und hob wortlos die große Heuschrecke vom Boden auf, die die Jungs gerade im Begriff waren erst zu verstümmeln und dann zu töten.
Als die Kinder zusahen, wie ich mich bückte und völlig entsetzt beobachteten, wie ich nach dem Tier griff, um es in die Hand zu nehmen, fingen sie an zu schreien:
„Nein!“
„Nicht anfassen!“
„Das ist giftig!“
Ich konnte nur fassungslos den Kopf schütteln und ging zum nächsten Gebüsch um den erschreckten Heuschreck behutsam auf einem Ast abzusetzen.
Einer der Jungs rief sogar nach seiner Mutter:
„Mama! Sie hat den Saltamontes angefasst! Es wird sie beißen!“
Tatsächlich kam vom Spielplatz ein Antwort zurück:
„Was!? Wer?“
Jetzt umringten die Kinder mich und sahen mit runden Augen zu mir hoch. Der Älteste von ihnen fasste sich ein Herz und sprach mich an.
„Bist du Spanierin?“, fragte er mich.
„Nein“, war meine knapp bemessene Antwort.
„Die darf man nicht anfassen!“, belehrte er mich. „Die machen krank.“
Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und fragte mich, wer den Kindern so einen Unsinn beigebracht hatte. Hier war offensichtlich Klärungsbedarf erforderlich und ich überlegte gerade, wie ich den Jungs möglichst freundlich ihren Irrtum klarmachen sollte, als der Kleinste, der immer noch einen Stein in der Faust hatte, mich fest ansah und bestimmte:
„Man muss sie töten!“
Okay, dachte ich, völlig egal wie alt du bist, jetzt reicht´s! Aus meinen Augen glomm der ein oder andere Funken meines alten Wegbegleiters Jähzorn und ich fragte das Kind mit strenger Stimme:
„Hast du ein Problem mit Saltamontes (Heuschrecken)?“
„Nein!“ rief er und warf sich in die Brust.
„Wolltest du das Tier essen?“ bohrte ich weiter.
„Nein! Igitt! Die isst man doch nicht!“
„Warum wolltest du es dann töten?“
Der Frage folgte betretenes Schweigen. Vielleicht dachten sie nach?
Ich beschloß Paul Hogan aus „Crocodile Dundee“ zu zitieren:
„Töte niemals ein Tier, es sei denn, du willst es essen!“
„Das ist eigentlich richtig“, sagte plötzlich der älteste Junge.
„Wir wollten es ja auch gar nicht töten!“ rief ein anderer dazwischen und zeigte mit dem Finger auf den Kleinsten und einen weiteren Jungen. „Die beiden da wollten es!“
„Was sagst du da?!“ brüllte der ältere Beschuldigte und sofort lärmten wieder alle durcheinander.
In der Zwischenzeit hatte Junge Nummer sieben seine Mutter vom Spielplatz geholt, die jetzt auch wissen wollte was los sei.
Sofort erklärten alle Jungs gleichzeitig, dass ich eine giftige Heuschrecke angefasst hätte, eine „Mantis religiosa“
Ich sah der Frau ins Gesicht und wunderte mich über ihre besorgten Blicke, mit denen sie mich musterte.
Ich verstand die Welt nicht mehr und sah mich im Gebüsch nach der Heuschrecke um, um sie nochmal in die Hand zu nehmen und allen zu zeigen, aber die hatte sich wohlweislich gut getarnt und ich fand sie auf die Schnelle nicht wieder. So erklärte ich:
„Heuschrecken machen nichts! Die essen nur Grünzeug und sind ganz friedlich!“
Die Mutter zeigte auf das Grün den Balls, den einer Jungs unter den Arm geklemmt hatte und behauptete:
„Es gibt aber welche, von denen wirst du krank, wenn sie dich beißen. Sie sind grün und groß und sehr aggressiv! Man kann Fieber bekommen!“
Ich klimperte ein paar Mal mit den Augen und versuchte diese neue Erkenntnis mit meinem mühsam zusammengetragenen Wissenstand in Einklang zu bringen. Dann kam die Erleuchtung.
„Was du meinst, sind Gottesanbeterinnen! Sie sind wunderschön und faszinierend.
Das hier war nur eine gewöhnliche Heuschrecke! Die sind harmlos. Aber du hast recht, Gottesanbeterinnen fasst man besser nicht an. Die legen sich sogar mit Katzen an und sind sehr kämpferisch.“
Ich schaute auf die Jungs runter, die mich immer noch anstarrten, als würden sie nur darauf warten, dass ich gleich von Krämpfen geschüttelt zu Boden sinke und überlegte, ob ich ihnen noch eine Information zukommen lassen sollte… nämlich dass dieses spezielle, weibliche Insekt nach dem Liebesakt mit Genuß seinem Partner den Kopf abbeißt….. aber dafür fand ich sie dann doch noch ein bißchen zu jung.
„Also, habt ihr das jetzt verstanden? Große, grüne Gottesanbeterinnen nicht anfassen, weil sie bissig sind und je nachdem, was sie zuvor mit ihrem Kauwerkzeug zerhäckselt haben, kann sich ein Biß von ihnen tatsächlich schlimm entzünden. Aber normale Grashüpfer oder Heuschrecken sind harmlos und tun niemandem was. Bitte keine Tiere mehr töten. Auch wenn  man sie nicht anfassen darf, ist es kein Grund sie umzubringen. Sind wir uns einig?“
Einige von ihnen nickten, die anderen schienen noch nicht so ganz überzeugt.
Aber die Mutter sah, dass hier alles in Ordnung war und kein Krankenwagen gerufen werden musste und so hielt sie die Meute dazu an, mich jetzt in Ruhe zu lassen und weiter spielen zu gehen. Sie stoben auseinander und ich durchsuchte, als alle weg waren, das Gebüsch heimlich mit den Blicken nach dem Grashüpfer, der allen so einen Schreck eingejagt hatte.
Nach einiger Zeit fand ich ihn. Er saß auf einem Ast, hatte nur noch anderthalb Kopffühler und versuchte mit nur noch einem Sprungbein zu Recht zu kommen. Das andere hatte er wohl bei der Attacke mit den Steinen unterhalb des Sprunggelenks eingebüßt. Er war sehr groß und war so freundlich noch eine Weile für mich still zu halten, damit ich Fotos von ihm machen konnte. Er kaute noch an ein paar jungen Blättern herum und nach einiger Zeit gingen wir beide wieder unserer Wege.
Ich war froh, daß ich dem zähen Burschen den Tod durch Steinigung ersparen konnte und hoffte, wenigstens ein paar von den Rabauken zum Nachdenken angeregt zu haben, oder dass sie wenigstens den Unterschied zwischen Saltamontes (Heuschrecke) und Mantis religiosa (Gottesanbeterin) begriffen hatten …

Heuschrecke

Text und Fotos: Nadja von der Hocht

Der Lippenstift

Der Lippenstift, wie wir ihn heute kennen, ist noch gar nicht so alt. Der französische Kosmetikkonzern „Guerlain“ kam 1910 als erster auf die Idee, den kleinen Schmierstift der praktischeren Handhabung halber in eine kleine Metallhülse zu stecken. Seit dem ist der Lippenstift wohl in jeder Damenhandtasche zu Hause.
Die Idee seine Lippen mit Fett zu pflegen oder sogar farblich zu betonen ist allerdings schon viel, viel älter. Der älteste Fund, bei dem man davon ausgeht, dass er zum Färben der Lippen benutzt wurde, stammt aus der sumerischen Stadt „Ur“ und wird auf das Jahr 3500 vor Christus datiert!
Auch von ägyptischen Pharaoinnen wie Nofretete (um 1350 vor Christus) oder Kleopatra VII. ( um 50 vor Christus ) wissen wir, dass sie ihre Lippen rot schminkten. Sie benutzten dazu Ocker und Farbsäfte, die sie mit Schilfrohr auftrugen.
Ebenso waren bei vielen Kriegern bemalte Lippen sehr beliebt. In Regionen Afrikas leben heute noch Stämme, wie die Tuareg oder die Wodaabe, deren Männer sich die Lippen schwarz färben. Unglücklicherweise verwenden sie dazu giftigen Industrieabfall, wie die Flüssigkeit aus verbrauchten Alkalibatterien.
Im alten Griechenland allerdings erkannte man nur Künstlerinnen, Hetären und Prostituierte an den roten Lippen. Eine freie Griechin aus dem fünften Jahrhundert vor Christus hätte sich niemals mit Schminke im Gesicht in die Öffentlichkeit gewagt.
Im alten Japan dagegen gehörte das Schminken zur Pflicht einer hochgestellten Frau. Dort benutzte man eine Mischung aus Wachs, Honig und Pigmenten, was der Zusammensetzung des modernen Lippenstiftes schon recht nahe kam.
Ebenso später im barocken England war das Schminken sehr populär. Königin Elisabeth I. machte es allen vor und betonte ihre rot geschminkten Lippen noch durch den starken Kontrast ihres weiß
gepuderten Gesichtes. Angeblich war sie sogar die erste Frau, die Lippenfarbe in Stiftform benutzt hat. Der Ihrige setzte sich aus einer Mixtur aus Alabaster, Gips und Farbpartikeln zusammen, was wahrscheinlich oft für spröde Lippen gesorgt haben mag…
Königin Victoria dagegen, entschied 1860 ganz puritanisch, das Make-up „unhöfisch“ sei und verbat kurzerhand all ihren Untertanen und vor allem ihrem Hofstaat das benutzen von Schminke.
1883 präsentierte ein Pariser Parfümersteller auf der Weltausstellung in Amsterdam einen in Seidenpapier gewickelten Stift aus gefärbtem Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs. Mit diesem Produkt hatte er allerdings kaum Erfolg, da Lippenfarbe und Make-up nach wie vor als sündhaft galten. Außerdem war das Utensil sehr teuer und kaum eine Frau wollte sich sowas leisten.
Es war eine Künstlerin, die den Lippenstift wieder in Mode brachte und ihm den Weg in die Neuzeit frei machte: keine Geringere als die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844 – 1923) stellte sich mit kirschrotem Mund auf die Bühne und machte so den Lippenstift wieder populär.
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts startete der Lippenstift endgültig seinen Siegeszug. Ab 1948 verpassten Designer der Lippenfarbe eine praktische Metallhülse mit Schiebemechanismus, damit die Farbe sich nicht im gesamten Täschchen der Damen ausbreitete, sondern im chicken Accessoire an Ort und Stelle blieb, bis Madame entschied, es zu benutzen ohne sich die Finger mit zu färben.
Die amerikanische Chemikerin Hazel Bishop schließlich, entwickelte den bis heute verwendeten Lippenstift auf Lanolin-Basis, der die Farbe auf den Lippen nicht verschmieren läßt.
Moderne Lippenstifte bestehen heutzutage aus Ölen, Wachsen, Pigmenten und weiteren Chemikalien. Letztere Zutaten sorgen für die notwendige Haltbarkeit bei „kussechten“ Farben, weshalb Lippenstifte aus der Naturkosmetik weiterhin abfärben.
Die Mütter mehrere Generationen haben gerne versucht ihre Töchter vom zu frühen Gebrauch des Lippenstiftes abzuhalten, indem sie ihnen erzählten, die rote Farbe würde aus Läuseblut gewonnen … was zeitweise sogar der Wahrheit entsprach. Das Karminrote Pigment, auch bekannt als Lebensmittelfarbstoff E120, liefert uns bis heute die Cochenille-Schildaus und ist immer noch in vielen Lebensmitteln, Süßwaren und alkoholischen Getränken enthalten.
Doch von solchen Informationen ließ sich auf Dauer kein junges Mädchen davon abhalten sich nach und nach mit Lippenstiften in allen Farben für jeden erdenklichen Anlaß einzudecken. Der Siegeszug des Lippenstiftes ist ungebrochen und unaufhaltsam. Kein Markt auf der Welt ist auch in Krisenzeiten so stabil, wie der für Lippenkosmetik. Denn kaum eine Frau würde auf ihren geschmeidigen, verführerischen Kußmund freiwillig verzichten wollen…oder?

Text: Nadja von der Hocht
Foto: von ookikioo (originally posted to Flickr as IMG_9247) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons