Angela Merkel

Engel von WarschauDr. Angela Dorothea Merkel ist seit dem 22. November 2005 Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und somit seit Bestehen der Republik die erste Frau, die dieses Amt bekleidet.

Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 als Angela Dorothea Kasner geboren. Sie kam in einem Hamburger Krankenhaus zur Welt, aber nur wenige Wochen nach ihrer Geburt, nahm ihr Vater, ein evangelischer Theologe eine Pfarrstelle für die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg in dem Dorf Quitzow an, daß heute ein Ortsteil von Perleberg ist und zog drei Jahre später mit der Familie weiter nach Templin in der Uckermark. So kam es, daß Angela in der ehemaligen DDR aufwuchs.
In ihrer Schulzeit fiel sie durch ihre überdurchschnittlichen schulischen Leistungen auf. Besonders in den Fächern Russisch und Mathematik war sie stets die Klassenbeste. Sie gewann sogar Russisch-Olympiaden bis hin zur DDR-Ebene und blieb trotzdem immer eine eher zurückhaltende Schülerin. 1973 legte sie an der erweiterten Oberschule in Templin mit einer makellosen 1,0 Durchschnittsnote das Abitur ab. Bereits während der Schulzeit hatte sie sich entschieden, Physik zu studieren und begann das Studium direkt nach dem Abitur an der Karl-Marx-Universität, der heutigen Universität Leipzig.
Noch während ihres Studiums heiratete Angela Ulrich Merkel, der ebenfalls Physik studierte.
1978 schrieb Angela Merkel ihre Diplomarbeit, die mit der Note “sehr gut“ bewertet wurde. Die Arbeit war gleichzeitig ein Beitrag zu dem Forschungsthema „Statistische und Chemische Physik von Systemen der Isotopen- und Strahlenforschung“ im Bereich statistische und physikalische Chemie am Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR.
Noch im selben Jahr ging sie mit ihrem Mann nach Ost-Berlin, um dort eine Stelle am Zentralinstitut für Physikalische Chemie anzunehmen. Am Zentralinstitut war Angela Merkel in der Abteilung für Theoretische Chemie tätig und arbeitete fleißig an ihrer Dissertation. 1986 reichte sie ihre Dissertation ein und ihre Arbeit wurde wieder mit „sehr gut“ bewertet. So promivierte sie mit einem magma cum laude zum Doktor der Naturwissenschaften. Mit ihrem Dr. rer. nat. in der Tasche, wechselte sie innerhalb des Instituts von der Theoretischen Chemie in den Bereich Analytische Chemie.
1981 trennte sich Angela von ihrem Mann und wurde 1982 in Ost-Berlin geschieden, behielt aber seinen Namen.
1984 lernte Angela den Quantenchemiker Joachim Sauer kennen, den sie 1998 heiratete und mit dem sie bis heute zusammen ist.
Ihre politische Laufbahn begann während der Wende in der DDR im Herbst 1989, als im Osten Deutschlands neue demokratische Parteistrukturen entstanden. Hatte sie zuerst noch die Absicht der SPD bei zu treten, änderte sie ihre Meinung, weil es ihr nicht zusagte, erst eine Mitgliedschaft in einem Ortsverband beantragen zu müssen und fing an, beim neu gegründeten DA (Demokratischen Aufbruch) zu arbeiten. In dieser Zeit soll sie sogar gesagt haben, nichts mit der CDU zu tun haben zu wollen …
Als Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt wurde, wurden auch weitere neue Posten verteilt und Angela Merkel wurde in der ersten und auch letzten jemals frei gewählten Regierung der DDR zur stellvertretenden Regierungssprecherin gemacht.
Die Deutsche Wiedervereinigung rückte näher und Merkel war bei vielen vorbereitenden Gesprächen anwesend und begleitete Lothar de Maizière und seine Delegationen auf Auslandsreisen und war sogar beim Abschluß des „Zwei-plus-Vier-Vertrages“ am 12. September 1990 in Moskau zugegen. Merkels Partei schnitt bei der Volkskammerwahl ziemlich schlecht ab und so stimmte auf einem Sonderparteitag am 04. August 1990 eine Mehrheit der DA für einen Beitritt zur westdeutschen CDU, nachdem vorher mit der Ost-CDU fusioniert wurde.
Und so wurde im Zuge der Fusion, Merkels Mitgliedschaft bei der DA automatisch in ein CDU-Parteibuch umgewandelt.
Am Vorabend des 38. CDU-Bundesparteitages, an dem die DA mit der CDU fusionierte, kam es zu einem ersten von Merkel initiierten persönlichen Gespräches mit Helmut Kohl.
Nach der Wiedervereinigung am 03. Oktober 1990 erhielt Angela Merkel die Planstelle einer Ministerialrätin im Bundespresse- und Informationsamt und kehrte nicht mehr an das Institut, an dem sie zwölf Jahre gearbeitet hatte zurück.
Von nun an jagte, nicht zuletzt dank der Unterstützung von Helmut Kohl, weswegen sie in ihrer Anfangszeit gerne als „Kohls Mädchen“ betitelt wurde, ein Ministeramt das nächste:
Von 1991 bis 1994 arbeitete sie als Bundesministerin für Frauen und Jugend und hatte in ihrem kleinen „Restministerium“ nur wenige Kompetenzen.
Von 1994 bis 1998 bekleidete sie dann das Amt der Bundesumweltministerin und war zuständig für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Von 1998 bis zum Jahr 2000 war sie CDU-Generalsekretärin und erhielt nun eine Position mit Gestaltungsmacht. Als die CDU-Spendenaffäre öffentlich wurde und der bereits abgewählte Altkanzler Helmut Kohl zugab, in seiner Zeit als Bundeskanzler Spendengelder in Millionenhöhe angenommen zu haben, aber die Namen der Spender nicht nennen wollte, kritisierte Angela Merkel seine Haltung in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und forderte die Partei zur Abnabelung auf. Diese offene und „ungezogene“ Kritik an ihrem Mentor war beinahe das Ende ihrer politischen Karriere, denn sie war nicht mit dem Parteivorsitzenden Schäuble abgesprochen gewesen und er wollte sie daraufhin eigentlich schon entlassen. Funktionäre beschimpften sie sogar als „Nestbeschmutzerin“ und „Vatermörderin“. Viel Zuspruch für diese riskante Aktion bekam sie hingegen von Christian Wulff. Da Schäuble Angela Merkel allerdings in der Sache Recht gab, beließ er sie schließlich im Amt.
Von 2000 bis 2018 war sie CDU-Vorsitzende. Sie war zwar bereit, als Kanzler zu kandidieren, verzichtete aber aus politischem Kalkül, um die eigene Macht zu erhalten, zuerst zu Edmund Stoibers Gunsten.
Doch am 22. November 2005 schließlich wurde Angela Merkel mit 397 von 611 gültigen Stimmen der Abgeordneten des 16. Deutschen Bundestages zur Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Nach insgesamt sieben männlichen Amtsvorgängern ist sie nun die erste Frau, außerdem war sie mit damals 51 Jahren auch die jüngste Amtsinhaberin und erste Naturwissenschaftlerin, die dieses Amt gekleidet.
Sie ist außerdem Trägerin vieler staatlicher Orden, darunter des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das sie 1996 erhielt, sowie der „Presidential Medal of Freedom“, die gleichrangig mit der „Congressional Gold Medal“, der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten von Amerika ist, die sie von Präsident Barack Obama am 7. Juni 2011 erhielt.
Auch von privaten Organisationen wurde sie für ihre Arbeit ausgezeichnet. Darunter die „Europe Award of Merit-Medaille der B’nai B’rith, die sie am 11. März 2008 für ihr Engagement im Kampf gegen den Antisemitismus und Rassismus erhielt, den „Indira-Gandhi-Friedenspreis“, den sie 2013 erhielt, oder die „Lampe des Friedens“ vom Franziskaner-Konvent in Assisi für ihre Bemühungen um die Versöhnung und das friedliche Zusammenleben der Völker, die sie am 15. Mai 2018 erhielt.
Ganz zu schweigen von den mannigfaltigen Ehrendoktorwürden. Insgesamt sind es schon 17 Titel, die ihr seit dem Jahr 2007 fast jährlich verliehen werden.
Während ihrer Kanzlerschaft erreichte sie in den Ranglisten des US-Wirtschaftsmagazines „Forbes“ hohe Positionen: In den Jahren 2006 bis 2009 und seit 2011 steht sie in der “Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt“ auf dem ersten Platz. Auf der „Liste der mächtigsten Personen der Welt“ rangierte sie im Jahr 2012 hinter Barack Obama auf dem zweiten Platz. Es ist der höchste Rang, den jemals eine Frau in dieser Liste erreicht hat. Am 9. Dezember 2015 kürte die „Time“ sie zur „Person of the Year“ , der ersten Deutschen mit dieser Würdigung seit Willy Brandt 1970. Auf dem Titelbild der Zeitschrift bezeichnete man sie als „Chancellor of the Free World“ (Kanzlerin der Freien Welt). Sogar eine Orchideen-Züchtung wurde nach ihr benannt und nicht nur das: viele Flüchtlinge nennen ihre in Deutschland geborenen Kinder nach ihr, wobei manchmal auch der Nachname als Vorname für das Kind herhalten muss. Ein syrisches Kind heißt nun mit beiden Vornamen „Angela Merkel“ und ein weiteres syrisches Kind hört jetzt auf den Namen „Serbia Merkel Al-Mustafa“. Diese Form der Verehrung ist laut des namenkundlichen Instituts in Leipzig wohl in vielen Kulturen üblich.
Was also auch immer die Zukunft bringen wird, ob politisch oder nicht, der Name „Angela Merkel“ wird uns wohl noch lange erhalten bleiben.

Text: Nadja von der Hocht
Foto: א (Aleph) / CC BY-SA