Valentina

Tierische Kurzgeschichte nach einer wahren Begebenheit

Es war sehr ruhig in dem Naturpark zwischen der Cala Agulla und Cala Mesquida. Für Mitte Februar war es ein sehr schöner, sonniger Tag und die Tiere würden noch ein paar Wochen unter sich sein, bevor die Touristen wieder die Insel eroberten. Trotzdem waren heute zwei deutsche Wanderer unterwegs, die die Schönheit der Insel auch im Winter schätzten. Zwei Frauen hatten sich entschlossen, den Wanderweg zwischen den beiden Calas abzumarschieren und die Natur zu genießen. Sie hatten gerade die Anhöhe in Richtung Cala Mesquida bezwungen und machten sich auf der anderen Seite wieder an den Abstieg, als eine von beiden abrupt stehen blieb.
„Was ist?“ fragte die Blonde der beiden Frauen.
„Ich hab was gehört“, antwortete ihre Freundin und hielt lauschend den Kopf schräg.
„Was denn? Ich höre nur Blätter rascheln…“
„Pschschscht! … Da ist es wieder! Hast du gehört?“
„Ja… da meckert was. Ist ne Ziege. Davon laufen hier einige herum. Komm weiter.“
„Hör doch mal richtig hin! Die klingt wie ein Baby und meckert ganz verzweifelt.“
„Ja, naja, sie wird nach ihrer Mutter rufen. Können wir jetzt weiter gehen?“
„Bleib doch mal stehen! Hörst du die Mutter denn antworten?“
Die Frauen hielten gespannt die Nasen in den Wind und lauschten weiter.
„Nö. Ich hör nur eine Ziege.“
„Siehst du, da stimmt was nicht. Los, komm mit!“
Die Blondine ließ resigniert Kopf und Schultern hängen und folgte ihrer Freundin, die sich bereits in die Büsche schlug. Ab und zu blieben sie stehen, bis sie wieder das Meckern vernahmen und änderten jedesmal leicht die Richtung, bis das klägliche Meckern immer lauter wurde.
„Sie muss ganz in der Nähe sein“, flüsterte die Blondine. „Aber ich sehe sie nicht. Vielleicht hat sie uns kommen gehört und ist weggelaufen.“
„Kein Wunder, so wie du durchs Gehölz gepflügt bist!“
„Hey, jetzt werd mal nicht ulkig! … Ach, guck mal, da liegt sie ja!“
„Tatsächlich!“ freute sich die Freundin, „Ein schwarzes, Zicklein!“
Zwischen niedrigen Büschen und Sträuchern lag ein wenige Wochen altes Ziegenkind, meckerte kläglich und machte keinerlei Anstalten wegzulaufen.
„Oh, nein, sie ist verletzt!“ bemerkte die blonde Wanderin bestürzt. „Was machen wir jetzt mit ihr?“
„Wir nehmen sie mit und geben sie im Rancho ab“, bestimmte die Freundin kurzentschlossen.
„Wohin?“
„Na im Reitstall Bonanza. Die kümmern sich bestimmt.“
Sie nahm das Ziegenkind auf die Arme, das zu schwach war um sich zu wehren und kehrten nach Cala Ratjada zurück.
Das kleine Zicklein hatte die letzten Tage vergeblich versucht aus dem Euter seiner Mutter Milch zu trinken. Aber das Euter war leer. Aus irgendeinem Grund gab die Mutter keine Milch mehr und so war das Kleine irgendwann einfach liegengeblieben und konnte nicht mehr aufstehen. Die Mutter hatte noch versucht, es zum Aufstehen zu bewegen und es am Genick gepackt, um es hochzuziehen. Das hatte sie so lange versucht, bis die Herde weiter gezogen war. Der war sie dann gefolgt und hatte ihr Junges einfach liegen gelassen. Das Kleine war zu schwach, um der Herde zu folgen und so tat es, was alle Babies tun, wenn sie Angst haben, es rief ununterbrochen verzweifelt nach seiner Mama. Jetzt lag es bei der Menschenfrau auf dem Arm und war zu müde um Angst zu haben. Sie hatte das Kleine fürsorglich unter ihre Jacke gestopft und trug es nun zielstrebig den Berg wieder hinunter. Im Rancho angekommen wechselte die kleine Ziege im Handumdrehen das Pflegepersonal. Die beiden Wanderinnen schritten nach Abgabe des Findelkindes hurtig von dannen, dem nächsten Café entgegen, im vollen Bewusstsein, ihre heutige gute Tat bereits vollbracht zu haben, während im Rancho in der Futterkammer Bestandsaufnahme gemacht wurde. Ein Babyfläschchen war schnell gefunden, nur Milchpulver musste neu besorgt werden. Also wurden zwischen zwei Ausritten mal eben schnell die Aufgaben neu verteilt: Milchpulver kaufen, bei Bekannten nachfragen, ob sie ihr altes Laufställchen entbehren könnten und mit der Ziege vorsichtshalber mal zum Tierarzt fahren.
„Seht zu, dass ihr alle pünktlich wieder zurück seid!“ rief die Chefin ihren davoneilenden Mitarbeiterinnen hinterher und murmelte ärgerlich in sich hinein: „Ich verstehe nicht, warum alle Tiere immer bei mir landen! Katzen, Hunde, Schildkröten, Hühner und jetzt auch noch ´ne Ziege! Wenn die an meine Zierpflanzen geht, dann …“
Der Rest ging im Gequietsche der rostigen Schubkarre unter, mit der sie den Hof von Pferdeäpfeln befreite. Es war irgendetwas mit „Barbecue“.
Bis auf einen leicht lädierten Nackenmuskel, in den die Mutter unablässig hineingebissen hatte, um das Junge von der Stelle zu bewegen, und fortgeschrittener Dehydrierung war das Zicklein kerngesund. Es bekam sein neues Zuhause in einem mit Stroh ausgelegten Laufställchen, das zwischen die hinteren Pferdeständer platziert wurde. Dort wohnte es nahe bei den Renter- und Privatpferden und wurde ab und zu von neugierigen Rancho-Katzen und mutigen, wilden Hühnern besucht. Alle paar Stunden bekam es ein Milchfläschchen und nachts wurde der Laufstall vorsichtshalber abgedeckt. Das Zicklein war zwar noch klein und schwach, aber es war immerhin eine Ziege und wer konnte schon voraussagen, wann es seine Sprunggelenke entdeckte und entschied sie zu benutzen.
Berittführerin Nicki hatte die Rolle der „Mutterziege“ übernommen. Alle paar Stunden gab sie dem Zicklein ein Fläschchen, das es gierig leernuckelte und so dauerte es nicht lange, bis das Ziegenkind seinerseits Nicki adoptierte und sie als seine neue Mama ansah. Tagsüber, durfte die Kleine frei auf dem Rancho herumlaufen. Die Pferde schnupperten neugierig an dem neuen Mitbewohner und erlaubten ihm großzügig in ihren Ställen herumzutoben, solange es von ihren Trögen wegblieb. Aber sobald das Zicklein sah, wie Nicki in der Futterkammer verschwand, kam sie ihr meckernd hinterhergelaufen. Könnte ja sein, dass sie jetzt wieder ein Fläschchen fertig machte.
Die Kinder, die jede freie Minute in den Stall kamen, um sich um ihre Pflegepferde zu kümmern, waren ganz begeistert von dem neuen Rancho-Bewohner.
„Ist sie nicht süß?“
„Oh, schau mal, sie leckt meine Hand ab!“
„Fühl mal, ihr wachsen schon Hörnchen!“
„Wie heißt sie denn überhaupt?“
„Valentina!“ erklärte die Chefin, die gerade mit einer Hand voll Stricke um die Ecke kam und sie unter den Kindern verteilte. „Weil sie am Valentinstag gefunden wurde. Jetzt lasst mal die Ziege in Ruhe und schnappt euch jeder ein Pferd. Der Otto macht schon die ganze Zeit Randale in seinem Ständer. Hört das eigentlich keiner? Das heißt, er will was trinken. Also an die Bar mit ihm. Dann bringt ihr die Ponys und den alten Opi in den großen Korral und lasst sie ´ne Weile spielen! Hopp! Hopp!“‘
Die Kinder sprangen auf und stoben in alle Richtungen davon. Dabei riefen sie alle durcheinander:
„Ich nehm das Mäuschen!“
„Und ich den Leon!“
„Nein! Den wollte ich nehmen!“
„Zu spät! Ich hab´s zuerst gesagt!“
Während die Kinder mit jugendlicher Begeisterung die Aufträge ausführten, beäugte die Chefin misstrauisch das junge Zicklein, das gerade interessiert an einem der liebevoll gepflegten Hibiskusbüsche schnupperte.
Die Wochen vergingen und Valentina wurde jeden Tag kräftiger und selbstbewußter. Bald hüpfte sie ohne Schwierigkeiten auf allen Bänken und Tischen herum. Sie balancierte am Wannenrand der Pferdetränke, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und nahm jede Gelegenheit war, ihr Köpfchen gegen jedes Bein zu drücken, dass zufällig ihren Weg kreuzte. Irgendwann war auch der Deckel mit dem nachts ihr Laufställchen abgedeckt wurde kein Hindernis mehr für sie. Eines Morgens stellte Margot, die meistens als erste da war, erschrocken fest, dass der Deckel weggedrückt und das Laufställchen leer war. Aufgeregt und mit wild pochendem Herzen lief sie übers ganze Rancho, guckte in jeden Stall und rief laut nach Valentina; aber die machte keinen Muckser. Es war ja noch nicht Essenszeit und erst als Nicki kam und nach ihr rief kam sie an gehüpft. Sie hatte sich in der Nacht einsam gefühlt und war ausgebrochen um es sich bei den Ponys im Stroh gemütlich zu machen.
„Du lieber Himmel“, murmelte Margot, „Ich darf gar nicht daran denken, was da alles hätte passieren können! Stell dir vor, sie wäre über die Straße gelaufen! Die fahren doch hier immer alle wie die Bescheurten…“
„Meine Pflanzen!!“
Nicki und Margot tauschten wissende Blicke:
„Oh-oh!“
Die Chefin stand vor den traurigen Resten ihrer mit sehr viel Hingabe gepflegten Blumenrabatten im Eingangsbereich. Fast alle waren bis auf die nackten Stängel abgerupft.
„Ich fürchte, damit hat sich deine Ziege ins Aus geschossen“, flüsterte Margot Nicki zu und verschwand eilig hinter dem großen Strohballen um die leeren Netze voll zu stopfen und dem drohenden Donnerwetter zu entgehen.
„Ach, jetzt ist es plötzlich meine Ziege? murmelte Nicki und streifte sich schon mal mental den Talar über, um das Ziegenkind vor der erbosten Chefin zu verteidigen.
Nachdem beim Misten die erste Wut verraucht war und man später beim Frühstück zusammen saß, wurde über das weitere Schicksal von Valentina beraten. Denn um weiter im Rancho zu wohnen war sie schon zu groß und man konnte sie während der Arbeit und wenn Gäste kamen ja nicht ständig im Auge behalten. So wurde ein bißchen herum telefoniert und dank Nickis guter Kontakte wurde noch vor dem ersten Ausritt ein Finka – Besitzer gefunden, der sich über eine Ziege auf seinem Grundstück freuen würde. Schon am nächsten Tag hatte Valentina ein schönes, neues Zuhause. Auf der Finka hatte sie viel Platz zum Herumtoben und Klettern und zwei neue Freunde bekam sie auch: ein kleines Pony mit dem sie sich das Gras und den Leckstein teilen durfte und das genau so schwarz war wie sie und Morton, den alten Schäferhund, der den ganzen Tag vor dem Tor lauerte und jeden anbellte, der vorbei kam. Bis auf Valentina; aus irgendeinem Grund konnte er das vorwitzige, streng riechende Geschöpf gut leiden und an regnerischen Tagen teilten sich die beiden sogar einträchtig seine sonst so leidenschaftlich verteidigte Hundehütte.

Mein erster Pointer

Über Hunderassen und darüber, wie Menschen auf einen reagieren, führst du eine bestimmte Sorte Hund an deiner Seite, habe ich mir lange keine großen Gedanken mehr gemacht. Bis zu dem Tag, als ich als bekennender Katzenmensch, wie die Jungfrau zum Kinde, zu einem ausgewachsenen, 3 Jahre alten Pointer-Mischling kam.
Ich mag Hunde. Aber ich wollte nie einen eigenen haben. Als ich noch ein Kind war, hatte unsere Familie eine bis ins Mark gutmütige und alles an Kleintiere adoptierende Schäferhündin.
Ich habe sie sehr geliebt aber ich erinnere mich auch noch daran, wie lästig ich es immer fand, mit ihr Gassi gehen zu müssen; und wie man immer von Besitzern kleiner „unter-dem-Arm-herum-schlepp-Fiffis“ im praktischen Handtaschenformat, die mehr Accessoire sind, als ein echter Hund, angegiftet wird, wenn man seinen, großen, dunklen, „bösen“ Schäferhund von der Leine lässt, damit er sich auch mal auf der Hundewiese auspowern kann. So ein großer Hund braucht „Wartung“. Man kann nicht einfach ein Hundebaby adoptieren, es mit Futter vollstopfen und es dann sich selbst überlassen. Ein Hund braucht Führung, man muß ihn erziehen, er braucht strenge Regeln und am besten noch eine Aufgabe, einen Job.
Da ich das alles weiß und ich mich ja auch selber kenne, weiß ich, ein Hund kommt für mich nicht in Frage. Ich müsste mein Leben zu sehr umstrukturieren. Denn wenn ich ein Tier bei mir aufnehme, egal was für eines, dann will ich es auch möglichst artgerecht halten. Und für einen großen Hund, denn es müßte schon ein „richtiger“ Hund sein, fehlt mir schlicht die Zeit, ihm jeden Tag die dringend benötigte Bewegung zu verschaffen und ihn so zu erziehen, daß er hört, wenn man ihn ruft, so daß andere Leute keine Angst haben müssen, wenn ein großer Hund mit wehenden Ohren und schlabbernden Lefzen auf sie zu gerannt kommt. Zu rufen: „Er will nur spielen!“ nützt da wenig. (Auch wenn es stimmt.)
So waren meine alte Katze Lisa und ich doch recht zwiegespalten, als eines Tages ein großer, schwarz-weißer Pointer bei uns einzog.
Doch der Reihe nach:

Eigentlich wollten wir uns nur ein gebrauchtes Auto kaufen. Nach der Besichtigung des Fahrzeugs war man sich schnell einig und nachdem man mit dem Verkäufer ins Gespräch gekommen war, stellte sich heraus, daß er im Begriff war umzuziehen. Er wollte (von Mallorca aus) nach Thailand auswandern und musste den Wagen noch in der laufenden Woche loswerden. Das Auto war allerdings nicht das Einzige, was er noch auf die Schnelle loswerden wollte: Als er uns in sein Wohnzimmer bat, um den Kaufvertrag zu unterschreiben, fragte er ganz beiläufig, ob wir nicht jemanden kennen würden, der seinen Hund und das junge Kätzchen, die er beide erst vor Kurzem aus dem Tierheim, bzw. aus der Tötungsstation gerettet hatte, übernehmen würde. Ich war zwar ganz angetan davon, wie der junge, weiße Kater mit dem ausgewachsenen Hund schmuste und spielte, aber das kam ja mal gar nicht in Frage! Keinen Hund!! Und so eine junge, dynamische Karate-Katze wollte ich meiner vierzehn Jahre alten Lisa auf ihre alten Tage auch nicht mehr zumuten. Also: Nein! Dankend abgelehnt. Trotzdem ließ mich die Frage, was denn nun aus den beiden Tieren, die so gute Kumpels waren, werden sollte, nicht los. Wer würde Hund und Katze adoptieren? Höchstwahrscheinlich würde man sie trennen – wie schrecklich!
Ja, schrecklich, aber eigentlich nicht mein Problem. Trotzdem sagte ich einer Freundin bescheid, die sich im Tierschutz und der Tiervermittlung engagiert, daß da ein Herrchen auf der Flucht und im Begriff war, seine Tiere zurück ins Tierheim zu bringen. Die Empörung über den Flüchtling, der seine Tiere einfach zurück ließ war von allen Seiten riesengroß, trotzdem schrie niemand „Hier!“ als nach einer neuen Bleibe für die beiden gesucht wurde.
So waren am Ende wir es, die in dem neu erworbenen Auto mit der Freundin zu der Wohnung fuhren, um die beiden Tiere abzuholen. Ich bin zwar mitgefahren, trotzdem wollte ich mich so weit wie möglich aus allem raushalten. Ich blieb im Auto sitzen und war schwer damit beschäftigt, mein Herz in Stein zu verwandeln, während mein Mann mit der Freundin die Tiere aus der Wohnung holte. Ich würde stark bleiben, ich würde nicht wanken! Schwerstens mit meiner mentalen Versteinerungsmeditation beschäftigt, ahnte ich nicht, dass es schon längst zu spät war.
Die Klappe ging auf, der Hund sprang bereitwillig in den Kofferraum, schließlich kannte er den Wagen ja und der kreischende Kater im Katzenkorb wurde mir auf den Schoß bugsiert. Ich sah meinem Mann ins Gesicht und wußte, was den Kater anging, war er schon längst weich geworden.
„Damit die Lisa nicht mehr so alleine ist… Was meinst du?“
-Stöhn! –
Du wolltest doch schon immer eine weiße Katze haben…“
-Doppelstöhn!-
So war es also alsbald beschlossen: der kleine „Kravallo“ zog bei uns ein und wurde Lisas neuer Spielgefährte. Nur dass die schon längst dem Spielalter entwachsen war und außerdem Null Bock auf Kindererziehung hatte.
Während sich der junge Kater in seinem neuen Zuhause eingewöhnte und sich unermüdlich von seiner neuen Mitbewohnerin den täglichen Nasenstüber abholte, wurde der arme, ungewollte Theo schnurstracks zum Tierarzt verfrachtet, um ihn kastrieren zu lassen.
Warum es zum Standard gehört jedes wunderbare Tier, das dem „Tierschutz“ in die Hände fällt, als allererstes unfruchtbar zu machen, ist mir bis heute ein Rätsel.
Nach dem Eingriff hatte sich noch immer niemand gefunden, der dem großen Pointer ein Zuhause geben wollte und so wurde er auf einer unbewohnten Finca zwischengelagert. Jetzt hatte die Freundin aber nicht jeden Tag Zeit, zur Finca zu fahren, den Hund zu füttern, Wasser aufzufüllen und ihm seine Tabletten in den Hals zu drücken, die er nach der Kastration noch mehrere Tage nehmen sollte; und so wurde mein Mann teils gebeten, teils genötigt nach dem Hund zu sehen, denn schließlich waren wir es ja gewesen, die unbedingt ein Auto kaufen mussten und dabei die Tiere entdeckt hatten!
So fuhr er also pflichtbewusst jeden Tag zu der einsam gelegenen Finca und wurde jedes Mal am Tor noch leicht zurückhaltend aber freudig begrüßt. Nachdem die Tabletten verabreicht und die Näpfe aufgefüllt waren, setzte er sich immer noch eine Weile zu dem alleingelassenen Geschöpf und leistete ihm Gesellschaft. Mit der Zeit wurde er immer zutraulicher und fing an zu heulen, sobald er merkte, dass er wieder allein gelassen werden sollte. Und so kam es wie es kommen musste:
„Hat doch keinen Zweck, dass ich jeden Tag da raus fahre, mir die Stoßdämpfer ruiniere und Sprit vergeude!“ verkündete mein Mann eines Nachmittages, als er mit dem Hund an seiner Seite in unserem kleinen Wohnzimmer stand.
Lisa lag auf unserem Bettsofa und behielt den grobmotorigen Neuankömmling fest im Blick. Das alte Mädchen hatte keine Angst vor dem Hund, der sofort anfing sie zu beschnuppern. Ein paar gezielt gesetzte Krallen belehrten ihn sogleich, wer in diesem Rudel die Chefin war. Der kleine Kravallo erkannte seinen alten Kumpel direkt wieder und besprang begeistert Theo´s Hinterläufe um daran herum zu nagen.
Nachdem er unsere kleine Wohnung gründlich inspiziert und im Vorbeigehen mal eben die Katzennäpfe leergeleckt hatte, rollte er sich zufrieden auf unserem mit Katzenhaaren dekorierten Wohnzimmerteppich zusammen, um ihn nun seinerseits mit schwarzen und weißen Borsten zu verzieren.

Von nun an wurde es anstrengend. Nicht nur, dass man jetzt jeden Tag eine Stunde früher aufstehen musste, um mit dem Hund Gassi zu gehen; der drei Jahre alte Pointer hatte bereits eine Vorgeschichte, die sich deutlich in seinem Verhalten zeigte und wir waren schon seine dritten Besitzer. Wir wußten nichts Genaues, außer dass sein letztes Herrchen ihn aus der Tötungsstation geholt hatte. Seine Krallen waren viel zu lang, woraus wir schlossen, dass er die letzten Monate las „Balkonhund“ verbracht hatte; und so richtig Vertrauen hatte er wohl auch noch nicht zu uns gefasst, oder er war schlichtweg nicht erzogen, denn er hört ums Verrecken nicht auf seinen Namen! Er wußte zwar, wie er hieß, aber er kam nie, wenn man ihn rief. Besonders nicht draußen, wo ständig tausend neue Eindrücke auf ihn einprasselten. Er muss den Großteil seines Lebens in geschlossenen Räumen verbracht haben und ziemlich viel vernachlässigt worden sein, denn er kannte nicht ein Kommando! An der Leine zu gehen kannte er zwar und wir stellten überrascht fest, dass er grottenbrav zu unseren Füßen liegen blieb, wenn man sich mit ihm in ein Café setzte, aber spätestens nach dem ersten Freilauf am Strand und auf unserem Lieblingswanderweg war es dann aus mit brav an der Leine laufen. Er zog und zerrte und wollte alle Gerüche auf einmal erschnuppern. Nachdem er einmal von der Freiheit gekostet hatte, war es auch aus mit brav an der Leine liegen und warten. Mindestens drei Stricke und Leinen biß er mit einem Haps durch um sich zu befreien, bis wir ihm einen mehrfach geflochtenen Nylon-Pferdestrick besorgten, den er nicht mehr so leicht durch kauen konnte.
Nachdem ich beim Gassi gehen regelmäßig tausend Tode gestorben war, weil er sich sogar aus seinem Halsband herauswand und wegrannte und ich ständig von erbosten Fiffi-Besitzern beschimpft wurde, weil mein Hund jedes Mal begeistert auf Artgenossen zu rannte, um sie zum Spielen aufzufordern, setzte ich mich an den Rechner, um mich im Netz mal schlau zu machen:
Was, um Himmels Willen, ist denn überhaupt ein Pointer?! Ich hatte vorher noch nie von dieser Rasse gehört und verschlang sämtliche Infos und Rassebeschreibungen über Pointer, die ich finden konnte. Als Pointer, bzw. 80% Pointer und vielleicht 20% Labrador, oder Ähnliches klassifiziert, hatte ihn meine Tierschutz-Freundin. Sonst hätte ich gar nicht gewußt, wonach ich suchen sollte. Er war halt ein hübscher, schwarz-weißer Hund, mit schwarzen Punkten auf seinem weißen Kragen. Das Erste, was ich lernte war, dass der Begriff „Pointer“ nicht von den lustigen Punkten auf seiner Brust abgeleitet wird, sondern von dem englischen Begriff „to point“ – anzeigen. Der Pointer ist ein Jagdhund, der dem Jäger anzeigt, wo die Beute liegen geblieben ist, die er abgeschossen hat. Er jagt nicht selbst, dafür gibt es wieder andere spezialisierte Hunde. Der Pointer hat einen ausgezeichneten Geruchssinn und findet vorzugsweise tote „Sachen“, wie wir auf unseren ausgedehnten Wanderungen sehr bald feststellten. Voller Stolz schleppte er steife Katzen, mumifizierte Vögel und skelettierte Mäuse an, um sie uns demütig zu Füßen zu legen. Da dieses Darreichen solcher Geschenke zu seinem natürlichen bzw. an gezüchteten Verhalten gehört, wurde er natürlich jedes Mal ausgiebig dafür gelobt, während man gleichzeitig versuchte, das optisch wenig ansprechende und teils streng riechende Geschenk unauffällig wieder im nächsten Gebüsch verschwinden zu lassen.
Obwohl wir uns alle Mühe gaben, zu regelmäßigen Zeiten ausgiebig mit ihm Gassi zu gehen, verteilte er trotzdem über Nacht oder immer dann, wenn er alleine zu Hause war, übel riechende und erstaunlich voluminöse Tretminen in der Wohnung … vorzugsweise auf irgendeinem Teppich!!! Das tat er auch, wenn ihm irgendwas nicht passte. Jetzt stellte sich die Frage, wie bestraft man so ein Verhalten? Pointer sind hochsensible Geschöpfe. Man darf sie auf keinen Fall schlagen. Sobald man auch nur andeutungsweise die Hand in Theo´s Richtung erhob, lief er weg, drehte sich in sicherer Entfernung zu einem herum und bedachte einen mit einer perfektionierten Version des „Geprügelter-Hund-Ausdrucks“ in den traurigen, braunen Augen. Wie kriegt man jetzt einen drei Jahre alten, traumatisierten Hund dazu, die (im wahrsten Sinne des Wortes) Scheiße sein zu lassen?! Die Antwort heißt: mit Geduld und ganz viel Liebe. Pointer gehorchen nur dem Menschen, den sie lieb haben und an uns musste er sich ja erst noch gewöhnen. Also blieb uns erst mal nicht viel anderes übrig, als geduldig auf allen Vieren unter schimpfen und knödeln den Brechreiz zu unterdrücken, die stinkenden Huppen aus dem Teppich zu kratzen und währenddessen trotzdem zu versuchen, den dusseligen Köter lieb zu haben.
Wir versuchten, trotz unregelmäßiger Arbeitszeiten ihn zwei- bis dreimal am Tag auszuführen, wobei wir darauf achteten, daß er vor dem Schlafengehen sich auch wirklich ausgiebig entleerte, damit er möglichst lange nichts mehr auf der Pfanne hatte, womit er wieder den Teppich dekorieren konnte.
Einer von uns hatte den Hund immer dabei. Wenn ich arbeiten musste, war mein Mann mit Theo unterwegs, damit er nur im äußersten Notfall, wenn es nicht anders ging allein zu Hause blieb. Der Alltag musste umgestrickt werden, da so ein Pointer ein „Laufhund“ ist und mindestens einmal am Tag so richtig ausgiebig rennen will. Wir sind keine Jogger, mehr die Wanderer. Wobei Joggen unserem Theo eh zu langsam gewesen wäre. Sehr bald konnten wir beobachten, wie durch die viele Bewegung seine Muskeln stärker und ausgeprägter wurden und er an Schnelligkeit bald jedem Windhund Konkurrenz machte. Er blieb zwar meistens in Sichtweite, trotzdem war ich ständig angespannt, wenn ich mit Theo unter Leute kam. Nicht jeder findet es gut, von einem großen, dunklen Hund beschnuppert oder sogar, wenn auch freundlich, angesprungen zu werden, auch wenn er noch so harmlos ist.
Manche Leute sind nicht gut zu Fuß und ich hatte jedes Mal Angst, dass er jemanden umschmeißt oder zu wild mit dem nächsten pelzigen „Accessoire“ spielt und es unter sich begräbt, sollte es nicht vorzeitig von Frauchen an der Glitzerleine hochgerissen worden sein, wodurch es ja nur noch mehr wie ein Spielzeug aussieht…
Irgendwann machten es meine Nerven nicht mehr mit, ständig genervten Hundehassern zu begegnen. Wir arbeiteten ja fleißig mit unserem Theo, aber so ein Training fruchtete nun mal nicht von heute auf morgen. Schließlich war er ja schon drei Jahre alt. Zum Glück genoss Theo es, dass man sich mit ihm beschäftigte und er lernte auch sehr schnell. Wir beschränkten uns auf wenige kurze Befehle wie: „Hier!“, „Sitz!“, „Aus!“ oder „Fuß!“ Ich musste meine Neigung unterdrücken, ständig mit dem Hund zu diskutieren, wenn er wieder mal nicht sofort gehorchte, weil es in dreihundert Metern in irgendeinem Gebüsch so super toll duftete, dass er jetzt sofort da hin rennen musste. Mein Mann erwischte mich ganz oft mitten in langen Gesprächen mit dem Hund, die sich ungefähr so anhörten:
„Theo! Du sollst sofort kommen, wenn ich rufe! Wieso muss ich immer dreimal brüllen, bis du dich zu mir bequemst?! Wir haben doch darüber gesprochen! Du Hund, ich Mensch, du musst gehorchen, verdammt noch mal! Was sollen denn die Leute denken, wenn ich mit der Leine in der Hand wild wedelnd hinter dir her renne?! Die schütteln dann alle den Kopf, machen sich lustig und erzählen überall, ich hätte meinen Hund nicht im Griff!!! … Hab ich auch nicht! Also lass mich nicht ständig so scheiße aussehen!“ Dann nach einem langen Blick aus treuen, braunen Hundeaugen und einem lieb gemeinten Anrempler gegen die Kniekehle: „Jaaa, du bist ein gaaanz Toller. Ich hab dich auch lieb.“
Damit der Hund ausreichend Bewegung bekam, ohne ihn dabei ständig zurückrufen zu müssen, weil wieder ein Mensch des Weges kam, suchten wir uns weiter weg abgelegenere, und schwierigere Wanderwege bei denen man davon ausgehen konnte, keinen Rentnern mit Nordic-Walking-Stöckchen zu begegnen, die gerne mal ihre „Gehhilfe“ gegen den Hund als Waffe einsetzten. So konnten wir ungestört daher wandern und der Hund zog begeistert seine Kreise um uns. Wenn wir hundert Meter gelaufen waren, hatte Theo bereits vierhundert Meter im Kreis um uns zurückgelegt. Er sprang wie eine Bergziege begeistert die steilsten Felsen rauf und runter und stöberte durch die Büsche. Es gab für mich kaum etwas Schöneres, als durch die Natur zu streifen, die Gegend und ihre Farben zu genießen und dabei zuzusehen, wie mein Hund Spaß hat. Und dass er glücklich war, wenn er rennen und die Gegend erkunden durfte, war deutlich zu sehen. Nur leider funktionierten seine Sinne irgendwie nicht simultan. Wenn die Nase eingeschaltete war, funktionierte das Gehör nicht mehr. Soll heißen, wenn er irgendeiner Witterung auf der Spur war, konnte man sich nach ihm die Lunge aus dem Hals brüllen, er kam einfach nicht. Die totale Ignoranz, bis er gefunden hatte, was er verfolgt hatte. Das war es, was mich so fertig machte. Ich musste ständig auf der Hut sein um vor ihm andere Menschen oder Tiere zu erspähen, um ihn rechtzeitig an die Leine nehmen zu können, bevor er wieder davon sprintete. Dabei wollte er ja nur neue Leute kennen lernen.
Jetzt fragt sich vielleicht der ein oder andere, warum ich ihn überhaupt erst von der Leine lasse. Und warum ich nicht mit ihm Fahrrad fahre, wenn er unbedingt rennen muss. Wäre ja auch eine Möglichkeit. Wir wohnen nun einmal in einer Gegend (Mallorca) in der es sehr gefährlich ist, sich auf ein Rad zu setzen. Es gibt hier keine Radwege und die Straßen sind manchmal sehr eng und saugefährlich. Ich würde mich auch ohne Hund, der noch nicht trainiert ist und nur gehorcht, wenn er will, niemals auf ein Rad setzen. Ich sehe schon vor mir, wie er sich in der Leine verfängt, ich den Lenker verdrehe und es mich vom Rad katapultiert. Und das in einer Gegend, wo es sogar schon vorgekommen ist, dass man von einer Polizeistreife über den Haufen gefahren wird. Nein, Danke.
Da stand ich nun – ich, die nie einen eigenen Hund wollte, aus den Anfangs erwähnten Gründen und versuchte jetzt, einem Jagdhund gerecht zu werden. Das Problem bei diese Rasse ist, wenn du gerade drei Stunden mit ihm draußen warst und er ununterbrochen gerannt, gesprintet und gelaufen ist, schreit er danach immer noch nach mehr. Nach drei Stunden hat er sich gerade mal warm gelaufen. Pointer sind sehr schöne und sensible Hunde. Sie haben viele Vorteile, die ich bei einem Hund sehr schätze: sie sabbern zum Beispiel nicht. Ihre Lefzen sind immer trocken. Sie schlabbern dich nicht ab. Ihre Nase ist so gut, dass sie es nicht nötig haben, deinen Duft mit der Zunge aufzunehmen. Ihr Fell ist kurz und sehr glänzend. Wenn man sich die Mühe macht und sie regelmäßig bürstet, haaren sie auch kaum. Sie sind sozusagen „selbstreinigend“ Man kann gerade mit ihnen im schlimmsten Schmodder gespielt haben, einmal geschüttelt und zurück im Auto oder zu Hause muss man sie kaum abklopfen. Sie sind von Natur aus sehr gesund und robust. Sie werden so gut wie nie krank und scheiden sogar Plastik und andere Kunststoffe am Stück wieder aus, ohne sich eine Verstopfung oder Darmverschlingung oder Ähnliches zu holen, wenn sie mal wieder einen deiner unvorsichtigerweise liegengelassenen Lieblingsschuhe angekaut haben. Wenn der Pointer einmal beschlossen hat, dass du jetzt sein Mensch bist, dann musst du auch rund um die Uhr für ihn da sein. Tust du es nicht, sucht er sich eine andere Beschäftigung. Kauknochen und dargereichtes Hundespielzeug wird links liegen gelassen und er macht sich auf die Suche nach Dingen, denen sonst deine Aufmerksamkeit gilt: Werkzeug, Kleidung, Wäsche, Computerteile, Papier, nahezu alles, an das er rankommt, wird gnadenlos zerkaut. Und so ein Pointer kann sich ganz schön lang machen.
Wenn man sich also bewußt, so einen Hund zulegen möchte, sollten die Lebensumstände passen. Er ist kein Wohnungshund. Man muss den Hund immer dabei haben können, ohne dass es kompliziert wird. Am besten hat man eine Tätigkeit, die draußen stattfindet. Man könnte ihn an Pferde gewöhnen und ihn mit zum Ausreiten nehmen, wenn er vorher alle Kommandos beherrscht und nicht kopflos über gefährliche Straßen rennt. Er wäre ein hervorragender Begleiter für Förster oder andere Waldarbeiter. Wenn man selbständig ist und seine Arbeitszeit selbst einteilen kann, ist es auch kein Problem dem Hund Genüge zu tun. Es ist halt manchmal ein langer und steiniger Weg, aber wenn man ihn hinter sich gebracht hat, belohnt dich dieser Hund mit lebenslanger Treue, Freundschaft und bedingungsloser Zuneigung. Er wird dein bester Kumpel und Beschützer und auf keinen anderen Hund passt das altbekannte Sprichwort besser als auf ihn:
„Der Hund ist dir im Sturme treu – der Mensch nicht mal im Winde.“

Wilde Katzen auf Mallorca

Auf Mallorca lebt eine gigantische Population wilder und halbwilder Katzen. Und was für schöne Exemplare darunter sind! Beinahe jede Farbe und Rasse ist hier vertreten. Man begegnet ihnen quasi überall: an Häfen, auf Hinterhöfen, in Gärten, auf den Straßen und Gässchen der Ortschaften, an Promenaden, in Wohngebieten und natürlich immer in der Nähe von Bars, Cafés und Restaurants. An manchen Stellen haben sie sich zu großen Rudeln zusammen geschlossen. Wenn man so einen Ort entdeckt hat, kann man viel Spaß beim Beobachten der lässigen Freilauftiger haben. Manche lassen sich sogar anlocken und erlauben dem begeisterten Katzenfan großmütig sie ein bißchen zu streicheln.
Verweilt man am richtigen Ort zur richtigen Zeit ein bißchen länger, erkennt man auch den Grund, warum sich ganze Katzenfamilien an bestimmten Orten regelrecht zusammen rotten: Sie werden gefüttert. In fast jedem Ort gibt es mindestens eine „Katzen-Frau“ oder „-Omi“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die armen, leidenden Kreaturen mit Futter zu versorgen. Auf den ersten Blick eine noble Geste. Denkt man allerdings ein Weilchen darüber nach, kommen die meisten Leute ganz von selbst darauf: Das regelmässige Füttern wilder Katzen hat langfristig gesehen, weder etwas mit Tier- noch mit Artenschutz zu tun. Und jede Aktion hat auch hier eine Reaktion zur Folge. In diesem Fall sogar mehrere:
Die Katze ist ein grimmiger und erfolgreicher Jäger. Sie frißt nicht nur Mäuse und Ratten, sondern ist auch äußerst erfolgreich in der Dezimierung der ständig nachwachsenden Population von Kakerlaken, Tausendfüßlern, Heuschrecken und anderem Getier, das der Mensch weder in seinem Garten noch in seinem Haus haben möchte. Eine freigeborene Katze ist sehr selbständig und kann sich auch selbst versorgen. Hat sie Hunger, geht sie jagen. Manche Katzen spezialisieren sich sogar auf ihre Lieblingsbeute und diese Fertigkeiten bringt das Muttertier dann ihren Jungen bei. Ist eine Katze bei der Jagd nicht erfolgreich, oder anders ausgedrückt, ist sie zu schwach um zu jagen und zu töten, wird sie verhungern. So überleben nur die geschickten Jäger. Das ist der Lauf der Natur. Man nennt das auch „natürliche Auslese“.
Mischt sich jetzt der Mensch in diesen Kreislauf ein und beginnt aus falsch verstandener Tierliebe die Katzen fett und faul zu füttern, bringt er damit, wie so oft, das empfindliche Gleichgewicht völlig durcheinander. Die Katzen jagen nicht mehr, weil sie das Futter ja kredenzt bekommen. Infolge dessen vermehren sich Schädlinge und Ungeziefer wieder ungestört und auch die Katzen haben jetzt mehr Zeit und, bedingt durch die Rudelbildung, viel mehr Gelegenheit untereinander zu kopulieren und sich unkontrolliert zu reproduzieren. Die Jungen der gefütterten Wildkatzen lernen von ihren Eltern nicht mehr zu jagen und sind nun auf die pünktliche und tägliche Fütterung angewiesen. Nun haben wir also ein Übermaß an Ungeziefer, das man jetzt wieder chemisch bekämpfen muss und viel zu viele faule Katzen, die gerne Mülltüten aufreißen, kleine Hunde beißen und die liebevoll gepflegten Obst- und Gemüsegärten entweihen, indem sie sie als Toilette benutzen. Ab jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch erneut eingreift. Das kann auf zwei Arten passieren:
Entweder ziehen Angestellte der jeweiligen Ortschaft oder private „Tierschutzorganisationen“ los und versuchen in groß und umständlich angelegten Einfangaktionen der jagdfaulen aber trotzdem flinken Streuner habhaft zu werden, um sie zu kastrieren oder die genervten Anwohner nehmen die Sache selbst in die Hand und legen Köder mit Rattengift aus! Weder das eine noch das andere ist eine gute Lösung. Der Mensch in seinem Übereifer und Streben nach Perfektion und Kontrolle selbst über die Natur hat, wenn er so weiter macht, bald alle Katzen erwischt, sie unfruchtbar gemacht und so mal wieder zum Aussterben einer wunderschönen und intelligenten Tiergattung beigetragen. Auf einer Insel ist so etwas besonders einfach. Die Einzigen, die sich über so etwas freuen dürften, sind deren Beutetiere. Mäuse, Kakerlaken und Co. lachen sich ins Fäustchen und erobern nun ungestört unseren Lebensraum zurück. Giftköder stattdessen auszulegen ist besonders verabscheuungswürdig! Wer schon einmal gesehen hat, wie sein geliebtes Tier an Rattengift oder ähnlichem elendiglich verreckt ist, wünscht diese Art von Tod nicht mal einer Ratte! Es ist kein schneller Tod. Die Tiere leiden fürchterlich, denn ihre Innereien verflüssigen sich unaufhaltsam. Sie bluten aus Nase, Ohren, Schnäuzchen und manchmal sogar aus den Augen! Wer zu solchen Mitteln greift gehört weggesperrt!!
Dabei ist die Lösung ganz einfach! Die im guten Glauben handelnden und leider oft sehr starrsinnigen Katzen-Frauen und –Omis müssten ganz einfach aufhören mit dem was sie tun. Wenn niemand mehr die herrenlosen Katzen füttert, wird die Natur das Zepter wieder in die Hand nehmen und langsam aber sicher kann sich alles wieder einpendeln und das Gleichgewicht wird wieder hergestellt. Warum bekommen denn die meisten kleineren Säugetiere oftmals mehr als ein Junges? Weil die Natur hart, unerbittlich und grausam ist und in ihr nun mal nur die Stärksten überleben. Die Schwachen oder die, mit dem wenigsten Durchsetzungsvermögen, das fängt schon beim Kampf um die ergiebigste von Mutters Zitzen an, bleiben auf der Strecke. Das garantiert den Erfolg einer jeden Spezies, weil nur die Starken, Ausdauernden und Gewitzten sich weiter vermehren dürfen. Ich weiß, in der Theorie klingt sowas immer ganz einleuchtend und auch mir als Katzenverehrer blutet immer das Herz, wenn ich in einem Gebüsch ein junges Kätzchen liegen sehe, das es nicht geschafft hat. Aber der Mensch mischt sich viel zu oft ein, ohne sich über die Folgen seines Handelns im Klaren zu sein oder auch nur mal für den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht zu haben! Ganz viele Beispiel dafür, ob es nun um Katzen, Hunde oder Pferde geht, kann zum Beispiel auch auf Mallorca beobachten. Es wird Zeit, dass ein Umdenken stattfindet.
Du liebst Tiere? Du möchtest eines „retten“? Dann entscheide dich für ein Tier oder so viele, wie du meinst ernähren und versorgen zu können. Aber bedenke: sobald du ein Lebewesen den Gesetzen der Natur entziehst, übernimmst du die Verantwortung dafür! Dieses Tier wird irgendwann anfangen, dich zu lieben und ohne dich nicht mehr leben zu können. Es ist dann für den Rest seines Lebens auf dich angewiesen und da können schon mal 15 Jahre und sogar noch mehr zusammen kommen. Es wird dein sauberes, aufgeräumtes Heim auf den Kopf stellen und manchmal ziemlich lästig und nerv tötend sein. Es wird die Tapeten von der Wand kratzen, Türzargen einen neuen Look verpassen, das Klo ausräumen oder einfach nur so aus Trotz in dein duftig-weiches Bett pinkeln. Es wird sich vielleicht verletzen oder krank werden und du wirst es aufgelöst und mit klopfendem Herzen unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln zum Tierarzt fahren. Andere Menschen werden dich meiden, weil dein Tier in ihren Augen zu groß, zu schwarz oder zu gefährlich aussieht. Dein Leben wird sich komplett verändern und du wirst so manche Freiheit einbüßen…. Wenn du das alles auf dich nehmen und dein Tier trotzdem lieben kannst, hast du schon genug für den „Tierschutz“ getan. Und vergiß nicht, immer nur dein eigenes Tier zu füttern …

Die Qual der Wahl

Wenn es ums Wählen geht, steh ich immer auf dem Schlauch. Ich weiß nie, für welche Partei ich mich entscheiden soll. In meinen Augen sind deren Vertreter alles Schlips und Kostümchen tragende Laberbacken. Kaum an der Macht, vergessen alle ihre Versprechungen und bauen auch nicht weniger Mist als die Vorgänger, die man gerade zu ihren Gunsten abgewählt hat und ich bin es dann auch noch Schuld, weil ich mein Kreuzchen mal wieder an der falschen Stelle gemacht habe. Umso neugieriger bin ich, wenn neue Parteien gegründet werden. Vielleicht hatte da ja auch jemand die Schnauze voll und will es besser machen, vielleicht zur Abwechslung mal in meinem Sinne? Von negativer Publicity lass ich mich erst mal nicht abschrecken. Ist doch klar, dass die anderen nicht scharf auf noch mehr Konkurrenz sind, gegen die sie anstinken und anlügen müssen. Also her mit dem Parteiprogramm, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat.
Nun ist in diesem speziellen Fall „her mit dem Parteiprogramm“ wohl leichter gesagt, als getan, denn da ist doch tatsächlich eine Partei an den Start gegangen, ohne ein solches vorweisen zu können. Das ruft dann doch schon das erste Stirnrunzeln hervor. Aber, najaaaa …. Die sind noch neu und vielleicht haben sie in der ganzen Aufregung und Euphorie einfach vergessen ihre Absichten zu Papier zu bringen. Ist doch löblich so viel Enthusiasmus…
Irgendwann gab es dann doch mal was zu lesen. Allerdings spricht man von einem „durchgesickerten“ Parteiprogramm, was die Stirnrunzeln wieder vertiefte. Aber egal, jetzt lasst gefälligst mal die Hosen runter, wie alle anderen auch, damit man endlich weiß, wie ihr so tickt.
Als ich mir die wenigen von der ARD herausgepickten Punkte zu Gemüte führte, fiel mir wieder ein, warum ich Politik so ätzend finde. Da gab es unter anderem Sachen zu lesen wie:
„Kohlendioxid ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens“
„Je mehr es davon gibt, umso kräftiger fällt das Pflanzenwachstum aus.“ Eine Senkung der CO2-Emissionen schwäche dagegen den Wirtschaftsstandort.
Außerdem will die von mir an dieser Stelle nicht genannte Partei das Erneuerbare Energien-Gesetz abschaffen!
Der Ausstieg aus der Atomkraft sei „sachlich nicht begründet“ und „wirtschaftlich schädlich“. (Quelle: tagesschau.de)
Da klappt einem doch die Kinnlade runter! Klingt wie aus einem Mittelstufen-Aufsatz abgeschrieben!
Das geht ja mal gar nicht. Die Atomenergie ist die schlimmste Entdeckung, die die Menschheit je gemacht hat und sie ist immer noch nicht in der Lage, das Monster zu kontrollieren, das sie erschaffen hat. Bei jeder Gelegenheit, in der sich das Ungeheuer entfesselt, steht der Mensch hilflos daneben und guckt zu, wie alles verstrahlt und verseucht wird. Und dann haben diverse Menschen auch noch die Frechheit zu behaupten, Kernenergie wäre sauber!!!
Ja, bei Kohlekraftwerken sieht man den Dreck, der aus den Schornsteinen quillt, aber was ist mit den abgebrannten Brennstäben, die nach Gebrauch immer noch lustig vor sich hin strahlen und eine Halbwertszeit von ich-weiß-nicht-wie-viel tausend Jahren haben? Die werden hübsch verpackt, verbuddelt und versteckt. Wenn man den Dreck nicht sieht, ist er auch nicht da, oder wie? Der schleichende Tod ist unsichtbar und geruchlos. Er verändert unsere DNS und macht keinesfalls vor Ländergrenzen halt. Selbst wenn Deutschland irgendwann alle Meiler abgeschaltet hat, nebenan in Frankreich werden fröhlich Uralt-Werke wieder ans Netz genommen. Haarrisse in der Abschirmung? Wen juckt´s! Sieht doch keiner! Hauptsache der Rubel rollt. Und wenn uns dann beim nächsten Erdbeben an der deutsch-französischen Grenze das nächste Fukushima ereilt, können wir ja die Japaner fragen, wie die mit dem Problem klar gekommen sind.
Moment mal, ach ja! Gar nicht. Das verdammte Ding ist immer noch undicht und niemand scheint sich mehr dafür zu interessieren. Das verseuchte Meerwasser wird aber irgendwann auch bei uns ankommen und wird über Wind und Regen über den ganzen Erdball verteilt. Vielleicht werden die Verantwortlichen ja mal wach, wenn das Gemüse zurückbeißt und die Vegetarier frißt… doch ich schweife ab.
Für mein zu Beginn angesprochenes Problem habe ich immer noch keine Lösung. Wem geb ich als nächstes meine Stimme? Es ist nicht besonders hilfreich, wenn man weiß, wem man sie nicht, auf gar meinen Fall und unter gar keinen Umständen geben will. Aber irgendwo muss man doch sein Kreuzchen machen!! Ich für meinen Teil bin jedenfalls ratlos.
Wählen wir alle am Ende nur das kleinere Übel?

Zwangsneurose

Zur Zeit teile ich meinen Arbeitsplatz mit einer Kollegin, die eine grundlegend andere Vorstellung von Ordnung, Sauberkeit, Schnelligkeit und Effizienz hat, als ich. Der Unterschied ist so gravierend, dass ich mir selbst schon die Frage gestellt habe, ob ich nicht vielleicht unter einer Zwangsneurose leiden könnte. Kann ja sein, dass ich mit meinem Sinn für Ordnung und Symmetrie etwas übertreibe, denn meine Verbesserungsvorschläge werden von der Kollegin seit Monaten konsequent überhört.
Wir arbeiten zum Beispiel an einer kleinen Theke, an der einige Dinge ihren festen Platz haben, andere wiederum sind beweglich, werden oft in die Hand genommen und wieder weggelegt. Ich habe mir den Arbeitsplatz so organisiert, dass ich die Dinge, die ich öfter brauche, schnell zur Hand habe. Ein schneller Griff, benutzen und wieder weglegen. Mit der Zeit hat sich dieser Handgriff so routiniert, dass ich nicht mal mehr hingucken muss, weil meine Hand genau weiß, wo sie hin greifen muss. So bin ich schneller und kann effizienter arbeiten. Wenn ich mit strubbeligem Kopf besagte Gegenstände jedes Mal woanders hinlegen würde, wäre ich nur am Suchen, würde mich verzetteln und ohne Ende Zeit verschwenden. Von dem unprofessionellen Eindruck, den ich bei meinen Gästen hinterlassen würde, ganz zu schweigen.
Meine Kollegin macht sich über Dinge wie Effizienz keine Gedanken. Wenn ich sie ablöse, finde ich jedesmal einen vollkommen chaotischen und unordentlichen Arbeitsplatz vor. Von dem Schmutz, den sie ständig hinterlässt ganz zu schweigen. Manchmal kostet es mich geschlagene dreißig Minuten, ihr Chaos wieder zu ordnen und hinter ihr her zu Putzen. Dazu kommt der Ärger, der mich jedes Mal aufs Neue übermannt, wenn ich das Schlachtfeld betrachte, mit dem ich dann weiter arbeiten soll. Während ich dann Ordnung schaffe, stelle ich mir oft die Frage, was mich mehr ärgert: die Unordnung selber, oder dass es Menschen gibt, die so schlampig sind oder vielleicht ist es auch die Tatsache, dass besagte Menschen mit ihrer Sorglosigkeit mir ständig das Leben schwer machen, indem ich hinter ihnen aufräumen muss.
Wenn ich genug Zeit für mein Kopfkino gehabt und ich mich lange genug über die Unfähigkeit meiner Mitmenschen aufgeregt habe, neige ich irgendwann dazu, die Schuld bei mir selbst zu suchen. Vielleicht bin ich doch zu streng? Übertreibe ich vielleicht ein bißchen? Oder leide ich am Ende etwa an einer Zwangsneurose?! Oh, Mann! Das sollte ich vielleicht mal abklären … also ab ins Internet und schlau machen. Was ist jetzt genau eine Zwangsneurose?
Die Informationen im Netz sind mal wieder mannigfaltig und wenn man sich ganz doll Mühe gibt, findet man mit Sicherheit irgendein Symptom, dass eventuell auf einen zutreffen könnte. Ich hab hier mal ein paar Beispiele für eine Zwangsstörung herausgesucht:
Da gibt es zum Beispiel den Reinlichkeitszwang. Der Betreffende leidet unter dem Zwang, sich dauernd die Hände waschen zu müssen, oder die Wohnung auf Hochglanz zu wienern, jeden Tag die Fenster zu putzen oder das Bad und die Küche keimfrei zu halten.
Beim Kontrollzwang wird alle Nase lang die Herdplatte überprüft, ob man sie auch wirklich ausgestellt hat, oder das Türschloss, das man gerade abgeschlossen hat, wird mehrfach kontrolliert, ob es auch tatsächlich zu ist.
Dann gibt es da noch den Ordnungszwang. Das ist der Zwang, für Symmetrie oder perfekte Ordnung zu sorgen. Dabei werden zum Beispiel Bücher im Regal oder auch Lebensmittel nach ganz bestimmten Regeln, die der Betreffende sich natürlich selbst aufgestellt hat, sehr präzise angeordnet.
Der Berührzwang nötigt den Betroffenen dazu, zum Beispiel bei jedem Spaziergang, jeden Baum oder jede Straßenlaterne anzufassen.
Verbale Zwänge schließlich, veranlassen denjenigen dazu, bestimmte Ausdrücke, Sätze oder auch Melodien ständig zu wiederholen.
Nachdem ich mich nun sehr gründlich und sehr selbstkritisch überprüft habe, würde ich als erstes mal den Reinigungszwang für mich persönlich ausschließen. Ich halte meinen Arbeitsplatz zwar sehr sauber aber diese Pingeligkeit übertrage ich nicht in mein Privatleben. Bei mir zu Hause muss sich Besuch erst eine Woche vorher ankündigen, damit ich genug Zeit habe, meine Wohnung auf Vordermann zu bringen, bevor ich mich traue, jemanden herein zu lassen. Im Kontrollzwang finde ich mich auch nicht wieder. Wenn ich eine Tür abschließe, weiß ich, dass sie zu ist und gehe meiner Wege und wegen eventuell angelassener Herdplatten oder Bügeleisen bin ich auch noch nie panisch wieder nach Hause gerannt. So etwas Ähnliches wie einen Berührzwang verspüre ich in der Regel nur bei Katzen. Wenn mir eine Katze über den Weg läuft, muss sie unbedingt angelockt und durchgekrault werden. Aber wenn die Mietze nicht will und sich nicht anlocken lässt, ist es auch nicht schlimm. Für verbale Zwänge bin ich auch nicht der Typ, da ich eher ein schweigsamer Vertreter meiner Gattung bin. Bleibt nur noch der Ordnungszwang, bei dem man bestimmte Gegenstände gerne symmetrisch ausrichtet und alles an seinem richtigen Platz liegen muss. Das mache ich tatsächlich, allerdings auch nur auf der Arbeit und aus dem simplen Grund, dass es einem das Arbeiten erleichtert und mir hilft, mich schneller und effizienter zu bewegen. Zu Hause dagegen, bin ich öfter mal auf der Suche nach meinen Klamotten. Da habe ich mehrere Plätze, wo ich meine Sachen fallen lasse. Vielleicht sollte ich meine Pedanterie, die ich auf der Arbeit auslebe, etwas aufteilen und ein bißchen davon zu Hause praktizieren…
Also nach gründlicher Recherche und Anamnese kann ich für mich die Diagnose stellen, nicht an einer Zwangsstörung zu leiden. Aber was ist es dann, dass ich mich ständig über die Unfähigkeit und Schlampigkeit meiner Kollegin aufregen muss?!?
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach einen sehr hohen Anspruch habe, was Ordnung, Sauberkeit, Schnelligkeit und Effizienz am Arbeitsplatz betrifft und dass es für andere oft sehr schwer ist, meinen Ansprüchen genüge zu tun. Jetzt muss ich nur noch lernen, den Ärger abzustellen und mich stattdessen darüber zu freuen, dass ich in vielen Dingen schlicht und einfach besser, gründlicher oder verlässlicher bin als andere. Wenn ich jetzt noch lerne, diese Fähigkeit mit in mein Privatleben zu nehmen und endlich anfange meine Energie, die ich jeden Tag in den Job stecke, lieber mal umleite um sie in meine eigenen Projekte zu kanalisieren bin ich für die Zukunft dann doch auf einem guten Weg. Vielleicht schaffe ich es, mit diesem guten Vorsatz, endlich meine vielen angefangenen Buchprojekte zu beenden …. Man darf gespannt sein.

Ein schwieriges Unterfangen

Da wohne ich jetzt schon fast vier Jahre auf Mallorca und habe es bis jetzt ganze drei ein halb mal ins Meer geschafft. Im Sommer, in der Saison, hat man immer so viel zu tun, dass entspannt am Strand zu liegen einfach nicht drin ist. Und wenn man mal frei hat, hat man wenig Lust ins Auto zu steigen und zum nächsten überfüllten Strand zu fahren, um sich zwischen den wie Sardinen aufgereihten Sonnenanbetern einzureihen. Aber jetzt hab ich keine Ausrede mehr. Seit neuestem wohne ich keine fünfzig Meter vom Strand entfernt. Ich muss nur über die Straße gehen. Da ich heute erst zur Spätschicht im Laden antanzen muss, habe ich gestern Abend ganz spontan beschlossen, dass heute der Tag ist, an dem ich im Meer schwimmen gehen werde. …
So weit so gut. Allerdings gestaltete sich die Praxis, wie so oft, weit schwerer als die Theorie und ich hatte mal wieder nicht mit meinen bescheuerten Hirngespinsten gerechnet, diesen fiesen kleinen Stimmen, die mir immer erzählen, dass alles ganz furchtbar ist und mich ständig davon überzeugen wollen, wie schwarz die Zukunft aussieht. Diese lästigen Dämonen in meinem Kopf, die nichts lieber tun, als mir jeden Spaß mit dramatischen, negativen Voraussagen zu vermiesen. So kam es, dass ich nicht, wie geplant um acht, wenn der Strand noch leer ist, sondern erst so gegen halb elf mich aufraffen konnte, in meinen Uralt-Bikini zu schlüpfen. Die einzige Badebekleidung noch aus Teenagertagen, die ich besitze und mir, nebenbei bemerkt, immer noch passt … Na gut, das Nackenbändchen ist schon seit langem verschwunden und als Teenager war mir das egal. Aber heute hängen die Wölkchen dann doch schon etwas tiefer und ich musste die „Halterung“ kreativer weise mit Omis Brillenkettchen ersetzen. Denn was Körperästhetik angeht, bin ich pingelig. Das war zum Beispiel einer der Gründe, warum ich seit acht Uhr unruhig in der Wohnung herum getigert bin und ewig am Fenster stand und mich fragte, was am Schwimmen im Mittelmeer eigentlich so toll sein soll…
Die Vorstellung, jetzt im Bikini alleine, ohne Mann oder Freundin zum Strand zu gehen, behagte mir irgendwie überhaupt nicht. Da sind doch Menschen! Die könnten mich angucken! Dann sehen die meine Speckröllchen! Oder meine Plauze!! Ich bin jetzt nicht fett oder so. Meine Schenkel haben noch keine Dellen und wenn ich eben genannte Plauze einziehe, sehe ich sogar noch recht schlank aus. Aber Dämon „Selbstbewusstsein“ flüstert mir gerne zu, dass ich besser nicht mehr zu viel Haut zeigen sollte, wenn ich mich nicht der Lächerlichkeit, böser Lästereien hinter meinem Rücken und schräger oder noch schlimmer: mitleidiger Blicke aussetzen will. Doch dann meldete sich überraschender weise mit strenger Stimme mein lang vermisster Engel namens „Mut“. Sie erinnerte mich daran, dass ich endlich durchziehen soll, was ich mir vorgenommen hatte … und außerdem, könne ich ja gleich nach dem Schwimmen einen Text darüber schreiben, wie bescheuert und neurotisch ich mich schon wieder anstelle. Und ich solle nicht vergessen, diesen Text auf meiner Webseite zu veröffentlichen, für den Fall, dass da draußen noch mehr Frauen sich vor ihrer eigenen Courage verstecken. … Aber ich glaube nicht. Niemand kann so bekloppt sein wie ich. Ich mache ein Thema daraus, zum Strand zu gehen, um zu Schwimmen! Wie armselig ist das, bitte?! Naja, so dient dieser Text vielleicht der allgemeinen Erheiterung und ich hab mal darüber gesprochen … doch nun weiter im Text:
Ich steckte also endlich in meinem Bikini, wickelte mir noch züchtig ein Tuch um den Körper, schlüpfte in die Flip-Flops, griff mir Handtuch und Schlüssel und machte mich todesmutig mit gespieltem Selbstbewusstsein auf den Weg. Ich überquerte die Straße und erreichte den Strand. Da waren tatsächlich Leute. Sie lagen auf Liegen oder Handtüchern, schmierten sich mit Sonnencreme ein, lasen in Büchern oder schlummerten vor sich hin. Und kaum jemand nahm Notiz von mir! Na, sowas! Der Strand war vollgestellt mit Liegen und Sonnenschirmen. Alle in Reih und Glied. Ich wollte nicht auffällig in der Mitte durch gehen und schlenderte betont lässig am Rand entlang in einem leichten Zickzack-Kurs Richtung Wasser. Jedes Mal, wenn wieder eine barbusige, übergewichtige Omi in meinem Kielwasser auftauchte, senkte ich verschämt den Blick und änderte leicht den Kurs, während ich mich fragte, wofür ich mich eigentlich schämte. Ich ging an spielenden Kindern, Gummitieren und Paddelbooten vorbei und erreichte endlich die Wasserlinie. Es war ziemlich viel Betrieb. Links von mir war der Strand abgesperrt, weil dort Spaßboote zu Wasser gelassen wurden und die erste Linie war schon voll besetzt. Wohin jetzt mit dem Handtuch? „Einfach fallen lassen, da wo du gerade stehst!“ schalt mich mein Engel. „Du willst ja schließlich nicht im Sand herumliegen, sondern ein paar Bahnen schwimmen. Jetzt mach! Dir wird schon keiner die Schlappen klauen!“ Gesagt, bzw. gedacht, getan. Ich schubste die Schlappen von den Füßen, legte mein Handtuch in den Sand, ließ den Schlüssel darauf fallen und wickelte mich aus meinem Strandtuch. Während all dieser Tätigkeiten war ich der festen Überzeugung, dass der gesamte Strand mich beobachtete. Mit gesenktem Kopf zupfte ich mein Höschen aus der Po-Ritze und schlenderte ins Wasser. Erst die Füße, dann die Knie, jetzt die kritische Zone: der Bauchnabel… so kalt war das Wasser gar nicht – was sind das für dunkle Stellen da im Wasser?! Ach, so. Nur Seetang. Und weiter. Gleich kann ich nicht mehr stehen und … ich schwimme!!!
Ich machte ein paar kräftige Züge raus aufs Meer und drehte mich auf den Rücken. Mit den Ohren unter Wasser kann man sich super vorstellen, man wäre alleine auf der Welt. Ich guckte in den blauen Himmel, spielte ein bißchen „Toter Mann“ und ließ mich treiben. Da ich aber den totalen Kontrollverlust nicht sehr lange aushalte, tauchte ich mit den Ohren sehr bald wieder auf und paddelte noch ein bißchen weiter hinaus. Dann drehte ich mich um und betrachtete mir das Treiben am Strand. Niemand hatte es interessiert, wie die einsame Frau ins blaue Naß hinab stieg. Da war ein Trio Rentner, die, mit den Füßen im Wasser sich angeregt miteinander unterhielten. Kinder buddelten eifrig Löcher in den Sand oder spielten mit ihren Förmchen, wie ich es als Kind gerne getan hatte. Ich erinnerte mich an meine (fast) sorglose Kindheit und fragte mich kurz, wann ich so eine ängstliche, neurotische, bescheuerte, alte Trulla geworden bin. Doch nur kurz. Eine Mutter paddelte mit ihrer Luftmatratze an mir vorbei, während ihr Sohn mit einer Taucherbrille den Meeresboden beobachtete. Ich schwamm ein wenig Richtung Felsen und umrundete eine Gruppe Franzosen, die sich anscheinend gerade den neuesten Witz erzählten und dabei Wasser in den Mund bekamen. Eine sehr dicke Frau stand bis zum Bauchnabel im Wasser und versuchte sich Seetang aus dem Badeanzug zu schaufeln. Ich steuerte eine sandige, Seetang-freie Stelle an und ging kurz auf Tauchstation. Als Kind habe ich mich gerne am Meeresboden aufgehalten, die Luft angehalten, so lange ich konnte und mir vorgestellt, ich wäre eine Meerjungfrau. Ich konnte sogar die Augen unter Wasser aufmachen und sehen, wohin ich tauchte. Aber heute trage ich Kontaktlinsen und trau mich das nicht mehr. Ich könnte die teuren Dinger ja verlieren. (Erwachsensein ist manchmal echt Scheiße! Als Kind macht man sich über solche Sachen niemals Gedanken) Ich tauchte wieder auf und sah, wie zwei Opis Kurs in meine Richtung nahmen und steuerte wieder die andere Seite der Bucht an. Ich ließ meinen Blick erneut über den Strand gleiten. Ich konnte niemanden entdecken, der jemand anderen beobachtete. Jeder war mit sich selbst oder seinen Leuten beschäftigt:
Ein Jungspund träufelte genüsslich Sonnenöl auf die viel zu knochigen Schultern seiner Freundin, ein Animateur beschäftigte eine Gruppe spanischer Kinder und ließ sie ein Tauziehen veranstalten, ein Quartett knackiger Twens kümmerte sich um gar nichts und briet in der Sonne friedlich vor sich hin. Ein paar Boote lagen im Sand und warteten auf Kundschaft. Der einzige, der außer mir seine Blicke über den Strand wandern ließ, war der Lifeguard in seinem Turm. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Einzige, der vor lauter Panik, man könnte beobachtet werden, die Leute beobachtet, war ich! Na so was! Ich tauchte noch einmal kurz unter und entschied, jetzt genug sinnlos in der Gegend herum gepaddelt zu sein. Ich schwamm wieder Richtung Strand und versuchte dem salzigen Naß möglichst elegant zu entsteigen, denn ich musste wieder an den drei Rentnern vorbei, die sich immer noch unterhielten und sich die ganze Zeit nicht von der Stelle bewegt hatten. Könnte ja sein, dass doch noch jemand guckt. Ich klaubte mein Handtuch aus dem Sand und tupfte mich kurz trocken, wrang meine Haare aus, sammelte mein Zeug zusammen und steuerte die Dusche an, um mir den Sand von den Füßen zu waschen. Auf dem Weg dorthin kam ich wieder an jeder Menge unförmiger, teils recht deformierter und dennoch nackter Körper vorbei und startete wieder meinen Slalom, um nicht versehentlich mit dem Blick an der ein oder anderen faltigen und/oder rot verbrannten Brust zu lange hängen zu bleiben. Wieder zu Hause, mit salziger Haut und nassen Haaren klopfte ich mir mental selber auf die Schulter und war stolz wie Bolle, dass ich das Projekt „alleine Schwimmen gehen“ erfolgreich gemeistert hatte. Aber das nächste Mal geh ich dann doch lieber etwas früher an den Strand….

Der Wasserkocher

Ich habe zur Zeit einen, was das leibliche Wohl angeht, ziemlich unkomfortablen Arbeitsplatz. Essen und Getränke muß man sich frühzeitig noch vor Arbeitsbeginn besorgen, da ich in meiner Schicht immer alleine bin, den Laden nicht verlassen darf und somit niemanden bitten kann, mir schnell einen Kaffee zu holen. Jetzt brauche ich aber spätestens gegen 15:00 Uhr meinen Wachmacher-Kaffee, um mich über meinen All-Nachmittäglichen Hänger herüber zu retten. Außerdem gestaltet sich so ein Arbeitstag viel angenehmer, wenn man sich ab und zu was Warmes über den Gaumen laufen lassen kann.

Also habe ich mir einen kleinen Wasserkocher besorgt, den ich in unser kleines Lager gestellt habe, in das ich mich zurückziehe, wenn ich mal schnell zwischen zwei Kunden in mein Brötchen beißen will. Danach habe ich mich auf die Suche nach Instant-Getränken und Snacks gemacht, die man mit Hilfe von heißem Wasser zubereiten kann. Jetzt stehen neben meinem kleinen Wasserkocher hübsch ordentlich aufgereiht eine Dose Cappuccino-Pulver und für jeden Tag der Arbeitswoche je eine 5-Minuten-Terrine. Was will man mehr? Für meine einsamen Schichten bin ich nun kulinarisch bestens gerüstet.
… Natürlich darf die neue Kollegin, die die zweite Schicht übernimmt, den Wasserkocher gerne mitbenutzen. Ich kam jedoch noch nicht dazu, ihr das mitzuteilen. Nach meinem freien Tag entdeckte ich allerdings, daß sie sich ebenfalls mit Kaffeepulver eingedeckt hatte. Nun gut, vielleicht dachte sie, der Chef hätte uns netterweise den Wasserkocher zur Verfügung gestellt. Über den Irrtum wollte ich sie gleich mal aufklären, wenn wir uns beim nächsten Schichtwechsel begegnen würden. Doch dazu kam es erst mal nicht. Ich wurde gebeten, für zwei Tage in der Woche eine andere Filiale zu übernehmen und damit fing mein Dilemma an:
Ich hatte mir den Wasserkocher besorgt, um mir den Arbeitstag angenehmer zu gestalten. Normalerweise hätte ich ihn jetzt mitgenommen, um ihn in der anderen Filiale zu benutzen. Jetzt hatte sie den Wasserkocher aber schon gesehen, ihn bestimmt auch schon benutzt und fälschlicherweise angenommen, daß der immer da steht.
Für was für ein Riesenarschloch wird die Neue mich halten, wenn ich das Ding jetzt einfach wieder weg nehme? Vor allem, wenn man sich schon auf seinen Cappuccino gefreut hat, nur um zu entdecken, daß der Wasserkocher plötzlich weg ist? Ich kann das total nachvollziehen.
Die andere Filiale ist links und rechts gesäumt mit Hotels, Sandwichbuden und Cafés. Ich könnte verbotenerweise mal schnell rüber huschen, 1,50 € bezahlen und mir von den netten Nachbarn ein Tässchen Kaffee bringen lassen. Dann verzichte ich halt für zwei Tage auf meinen warmen Mittagssnack.
Andererseits … es ist mein Wasserkocher und ich kann damit machen, was ich will und wenn ich ihn von einer Filiale in die andere schleppen will, um ihn zu benutzen, dann darf ich das! … Aber dann sitzt die arme Kollegin bei dem naß-kalten Wetter, daß wir zur Zeit haben ganz alleine, ohne die Möglichkeit auf ein Schälchen Heißes in der trostlosen Filiale und darbt vor sich hin. Kann ich das verantworten?
Ich glaube, das ist nicht die Frage. Die Frage ist: Warum kann ich mich nicht einmal gepflegt um mich selber kümmern, ohne mir ständig ´nen Kopp um andere Leute und deren Belange zu machen?!?
Alle anderen sehen zu, daß es ihnen selber gut geht, auch ohne daß man sie für Egoisten hält; nur „Frau von Kontrollzwang“ muß wieder der ganzen Welt dienlich sein und dabei selbst immer zurückstecken! Es heißt zwar: „Gib, so wird dir gegeben“, aber bei mir ist noch nie ein Scheck angekommen …

Medizinische Versorgung in Spanien

Jetzt lebe ich schon eine Weile in Spanien, gehe brav zur Arbeit und genieße die Sonne und darum, was hier in Spanien zu tun ist, wenn man mal einen Arzt braucht, hab´ ich mich nie gekümmert. Ich geh´ ja nie zum Arzt und Unfälle passieren mir doch nicht! … Bis auf gestern. Da hab´ ich mir im Eifer des Gefechts beim Fenster putzen mit der rostigen Klinge des Glasschabers mit Schmackes in den Daumen gesäbelt.
„Halb so wild“, war für den Bruchteil einer Sekunde mein erster Gedanke. Das Blut spritzte ja nicht … aber es quoll unaufhörlich aus dem Schnitt, der sich über die ganze Innenseite meines linken Daumens lang zog und die Tatsache, daß kein Pflaster halten wollte, weil immer mehr Blut nachströmte und ich die Blutung einfach nicht gestoppt bekam, hat mich dann doch etwas nachdenklich gemacht. Eine halbe, abgewickelte, durchgeblutete Küchenrolle später, fing ich tatsächlich mal an, zu überlegen, ob es nicht besser wäre, den Schnitt einem Arzt zu zeigen. Vielleicht muß was genäht werden und außerdem war die Klinge schon ziemlich rostig. Ich muß bestimmt eine Tetanusspritze kriegen. An meine letzten Impfungen kann ich mich kaum erinnern. Mein TÜV war sicher auch schon längst abgelaufen.
Meine Suche nach dem erst besten roten Kreuz am Straßenrand führte mich in eine kleine Privatklinik, in der ich prompt abgewiesen wurde. Aber die nette, junge Dame am Empfang erklärte mir, daß es in jedem größeren Wohnort ein Ärztezentrum gäbe, die für mich zuständig wären. Aha! Naja, trotzdem Danke. Das wäre zum Beispiel so einer der Gründe, warum ich Ärzte meide, so oft es geht. Egal, ob du dich blutüberströmt, mit geplatzter Fruchtblase oder bewußtlos bei der Empfangsdame eines Krankenhauses, einer Arztpraxis oder sonst wie gearteten Klinik vorstellst, zuerst mußt du mal finanziell die Hosen runter- und dich beurteilen lassen. Bist du Melkkuh erster, zweiter oder dritter Klasse? Privat, gesetzlich oder womöglich gar nicht versichert?
„Das tut mir leid, mit ihrem Schädelbasisbruch, aber wir nehmen nur Privatpatienten!“ Das scheint echt überall so zu sein. Doch nun gut, macht ja nichts. Ich bin es gewohnt, meine Rechnungen selbst zu zahlen. Und eine Privatklinik wäre mir eh zu teuer gewesen. Also suchte und fand ich das Medizinische Zentrum in meinem Wohnort, daß übrigens 24 Stunden geöffnet hat. Doch auch hier fragte mich der nette Herr im weißen Kittel hinter der Theke zuerst nach meiner grünen Karte. Da musste ich ihn leider enttäuschen. Ich habe zwar Arbeit, bin ordnungsgemäß angemeldet, im Besitz einer Sozialversicherungsnummer und somit auch irgendwie versichert, aber eine grüne Karte hab ich trotzdem nie bekommen.
So schnell gab der Herr aber nicht auf. Die Befragung ging weiter: ob ich denn eine NIE hätte. Na, logisch hatte ich die! Ich lebe und arbeite schließlich hier und ohne NIE geht nichts. Sein Gesicht erhellte sich etwas und ich fahndete in den unergründlichen Tiefen meiner nicht sehr damenhaften Handtasche, die eigentlich mehr ein Beutel ist, nach einem Papier, auf dem meine NIE zu finden war. Genau für solche Fälle sollte man den Wisch immer mit dabei haben. Was mir zwischen meiner Zettelwirtschaft als erstes in die Hände fiel, war mein Arbeitsvertrag, den ich auch immer mit mir herum schleppe. Das war natürlich noch viel besser. Auf dem stand nun wirklich alles drauf: NIE, Sozialversicherungsnummer, Name und Adresse. Der weiß-bekittelte Herr wurde mit jeder Information, die er abschreiben und in seinen Computer hacken durfte entspannter. Zu guter Letzt erklärte er mir sogar noch, wie ich denn endlich zu meiner grünen Versicherungskarte kommen würde, die dann 5 Jahre gültig wäre und die hier in Spanien nicht automatisch zugeschickt wird, sondern um die man sich selber kümmern muß: Man braucht ein Passbild, die NIE und die Anmeldung vom Einwohnermeldeamt, die bestätigt, daß du da wohnst, wo du wohnst. Dann geht man damit in das Medizinische Zentrum, seines Wohnortes und bekommt endlich seine grüne Karte, die man beim nächsten Zipperlein dann mit stolz geschwellter Brust vorzeigen darf, damit der Amtsschimmel sein Leckerchen bekommt.
Endlich war der Computer mit allem Nötigen gefüttert und jetzt war es an der Zeit, sich um meinen Daumen zu kümmern. Der bemühte Herr hinter der Theke war nämlich zu später Stunde Empfangsdame, Krankenschwester und Arzt in einer Person. Er führte mich in einen Behandlungsraum und befreite meinen Daumen vom notdürftig herum getüddelten Druckverband. Das Pflaster darunter pulte ich lieber selber ab. Ich erwartete eigentlich einen erneut einsetzenden Blutstrom, doch die Wunde blieb trocken. Wunderbar! Das war mal wieder so klar! Zu Hause bin ich fast verblutet und kaum sitzt man beim Arzt, wird man vom eigenen Körper verhöhnt. „Ätsch-Bätsch! War ja gar nicht so schlimm!“ Der Arzt säuberte die Wunde sehr gründlich und zog dann die Schnittkanten vorsichtig auseinander. Nicht mal jetzt blutete es mehr! Trotzdem erschien mir der Schnitt recht tief und lang. Aber der Onkel Doktor meinte:
„Ist nicht so schlimm.“
Auf meine Frage, ob es vielleicht genäht werden müsse, sagte er nur:
„Nein, wie schade … nichts zu tun für mich“ und grinste.
Einerseits erleichtert und andererseits peinlich berührt, weil ich mir wie ein Simulant vorkam, versuchte ich abzulenken und lobte seine Kreativität beim Verbandzeug zuschneiden. Nach der Säuberung kam noch etwas Jod auf den Schnitt, dann wurde er mit schmalen Klebestreifen zugeklebt und mit einem ordentlich zugeschnittenem Pflaster wurde der Daumen umwickelt, damit kein Schmutz drankommt. Ich bekam noch weitere Pflaster mit, weil ich den Verband täglich wechseln sollte und nach drei Tagen könne ich auch die Klebestreifen wieder entfernen. Als abschließende Krönung verpasste er mir tatsächlich noch eine Tetanusspritze, nachdem er gehört hatte, daß die Klinge, mit der ich mich verletzt hatte, nicht sauber und rostig gewesen war. Frisch geimpft und verpflastert war ich nun sehr gespannt, was mich der ganze Spaß kosten würde. Aber, oh freudige Überraschung, man wollte mein Geld nicht. Es sei alles erledigt, da man ja anhand der Daten auf meinem Arbeitsvertrag feststellen könne, daß ich angemeldet und versichert bin und die grüne Karte, könne ich mir nach Vorlegung der schon erwähnten Dokumente dann ja noch später besorgen. Ich bedankte mich überschwänglich und freute mich über diesen ungewohnt unkomplizierten Arztbesuch. Trotzdem geh´ ich gleich morgen mal los und besorge mir in der Apotheke professionelles Verbandszeug und ´ne Pulle Jod. Dann kümmere ich mich demnächst doch lieber wieder selbst um meine Kratzer, die sowieso immer dann aufhören zu bluten und so tun, als wären sie harmlos, wenn ein Arzt drauf guckt!

Fisch mit Reis und Tomatensoße

Je einfacher das Gericht, umso schmackhafter und gesünder ist es meist. Hierfür holt man sich am besten ein frisches Fischfilet. Gefroren geht zwar auch, aber ein frisches zieht nicht so viel Wasser. Und immer darauf achten, dass man vor lauter Begeisterung über den frischen Fisch kein Exemplar kauft, das nachher nicht in die Pfanne passt.

Zutaten:

Fischfilet seiner Wahl
Salz
Pfeffer
Zucker
Olivenöl
zwei Tassen Langkornreis
eine Zwiebel
drei große Tomaten
eine Packung passierte Tomaten
schwarzen Balsamiko-Essig

Wir beginnen mit dem Reis, der braucht ca. 20 Minuten, bis er gar ist. In einen Topf die zwei gestrichenen Tassen Reis (oder auch mehr oder weniger, je nachdem wie viele Leute mitessen) in einen Topf geben, die doppelte Menge (also vier Tassen) Wasser dazu schütten und etwas salzen. Bei hoher Temperatur zum Köcheln bringen, dann auf kleine Flamme zurückschalten und zugedeckt köcheln lassen. Ab und zu umrühren, damit nichts am Boden des Topfes kleben bleibt. Wenn die Flüssigkeit vollständig verschwunden ist, ist der Reis fertig.
Für die Soße, bedecken wir den Boden eines weiteren Topfes mit etwas Olivenöl, schneiden die Zwiebel und die Tomaten in Würfel, geben etwas Salz und Pfeffer dazu und lassen das Ganze unter gelegentlichem Rühren langsam Garen. Dann die passierten Tomaten dazugeben, mit einer Prise Zucker abschmecken und leise Köcheln lassen. Zum Schluss einen kleinen Spritzer schwarzen Balsamiko hinzufügen und die Soße ziehen lassen. Der Fisch wird auf beiden Seiten nur leicht gesalzen und darf dann in der gut beschichtete Pfanne mit etwas Olivenöl ein letztes Mal „schwimmen“. Hier heißt es, geduldig sein und den Fisch nicht zu oft wenden, sonst zerbröselt er nur. Erst auf einer Seite golden anbraten und dann gekonnt wenden, ohne ihn zu beschädigen.
Den fertig gebratenen Fisch auf einem flachen Teller drapieren, daneben etwas Reis anrichten und die Tomatensoße über den Reis geben.
Einfach, sättigend und sehr lecker. Guten Appetit!

Schnelle Hilfe bei Menstruationsschmerzen

Viele Frauen kommen selten schmerzfrei durch ihre „Tage“. Unterleib und Rücken schmerzen mitunter so sehr, daß frau kaum noch aufrecht stehen, geschweige denn irgendeiner Arbeit nachgehen kann.
In ihrer Not greifen viele dann zu Schmerztabletten. Aber der Körper gewöhnt sich irgendwann an den Wirkstoff, was zur Folge hat, daß man immer mehr und immer stärkere Tabletten schlucken muß, bis der Schmerz endlich nachlässt. Der erhöhte Tablettenkonsum schädigt irgendwann auch Leber und Nieren.
Um zu verhindern auch noch Pillen gegen die Nebenwirkungen der Tabletten einnehmen zu müssen, lässt man, bzw. frau die Schmerztabletten am besten ganz weg und versucht mal einen schonenderen Weg um gegen die Regelschmerzen anzukämpfen:
Ein guter Liter leicht gekühlter Yoghurtdrink wirkt Wunder. Bei den ersten Anzeichen der Beschwerden sofort zur „Flasche“ greifen und innerhalb der nächsten halben Stunde leer trinken. Dabei geht man weiter entspannt seinem Tagewerk nach.
Magnesium-Brausetabletten helfen ebenfalls:
Einfach 2 Tabletten in 1,5 bis 2 Liter stillem Wasser auflösen und die Flasche über den Tag verteilt leer trinken. Nebenbei tut man seinem Teint noch was Gutes, bedingt durch die erhöhte Zunahme von Extra-Flüssigkeit. Frau sollte ohnehin verstärkt darauf achten, jeden Tag ihre 2 bis 3 liter Wasser zu sich zu nehmen. Figur, Fitness und Hautbild verbessern sich zusehends.